Russische Forscher wollen für Meteoriten-Splitter bezahlen

21. Februar 2013, 13:27
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Wissenschafter versuchen zu verhindern, dass das wertvolle Material verschwindet

Moskau - Russische Forscher wollen verhindern, dass Splitter des am Ural eingeschlagenen Meteoriten illegal verkauft werden. Dafür sind sie auch bereit, gutes Geld zu zahlen. "Um reich zu werden, ist es nicht nötig, den Meteoriten zu verkaufen. Auch die Akademie der Wissenschaften prämiert ihre Spender", teilte die Universität der Millionenstadt Tscheljabinsk am Donnerstag mit.

Wertvolles wissenschaftliches Material sei gefährdet, falls die Fragmente in Privatbesitz blieben oder ins Ausland gelangten. Die Behörden warnten vor Betrügern, die im Internet angebliche Teile des Himmelskörpers anbieten.

Wissenschafter waren in den vergangenen Tagen bereits in der Lage, einige Teile des Meteoriten zu bergen. Nachdem die Behörden die Suche nach Fragmenten am Sonntag eingestellt hatten, verkündeten Mitglieder der russischen Akademie der Wissenschaften am Montag, sie hätten Meteoritenteile gefunden und anhand chemischer Tests nachgewiesen, dass es sich um Gesteine aus dem Weltall handelte.

Hauptteil im See

Demnach untersuchten die Forscher Fragmente, die sie in der Nähe des Tschebarkul-Sees gefunden hatten. Diese hätten "die Zusammensetzung eines Meteoriten", sagte Akademie-Mitglied Viktor Grochowski laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Sonntagabend. Der Stein habe einen Eisengehalt von schätzungsweise zehn Prozent, außerdem enthalte er Chrysolit und Sulfit. "Dieser Meteorit gehört zur Klasse regulärer Chondriten", erklärten die Forscher. Das Fundstück werde voraussichtlich "Meteorit von Tschebarkul" genannt werden. Weil um den See Teile gefunden wurden, müsse sich der Hauptteil des Meteoriten im See befinden, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den Wissenschafter.

Als der Meteorit am Freitagmorgen über der mehr als eine Million Einwohner zählenden Stadt Tscheljabinsk und der gleichnamigen Region mit einem grellen Blitz und einer Druckwelle explodierte, barsten unter anderem zahlreiche Fensterscheiben. Fast 5.000 Gebäude wurden beschädigt und etwa 1.200 Menschen verletzt.

30-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe

Die Explosion gilt als einer der einschneidendsten kosmischen Vorfälle in Russland seit dem sogenannten Tunguska-Ereignis im Jahr 1908. Damals wurde Sibirien von einer heftigen Explosion erschüttert, die Wissenschaftler auf einen Asteroiden oder Kometen zurückführten. Wissenschafter der US-Weltraumbehörde NASA gehen davon aus, dass die in der Atmosphäre freigesetzte Energie der Meteoritenexplosion vom Freitag etwa 30 Mal höher war als die Sprengkraft der Atombombe von Hiroshima. (APA/red, derStandard.at, 21.02.2013)

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    Aufgrund der entdeckten Überreste gehen die russischen Forscher davon aus, dass es sich bei dem Meteoriten um einen regulärer Chondriten handelt.

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