Votivkirchen-Flüchtlinge laden Bundespräsident zum Abendessen ein

21. Februar 2013, 13:57
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Aus Angst vor Verhaftungen wollen sie in der Kirche bleiben und nicht in die bereitgestellten Notquartiere übersiedeln

Wien – Die Flüchtlinge werden die Wiener Votivkirche vorerst nicht verlassen: Das erklärten drei Sprecher der rund 60 dort lebenden Männer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Seit das Camp der Flüchtlinge vor der Kirche im Dezember nach rund vier Wochen Protest von der Polizei geräumt worden war, leben sie nun fast zwei Monate in dem Gotteshaus.

Protest seit 90 Tagen

"Wir sind nicht glücklich in der Kirche und wollen eigentlich niemanden stören", sagt Khan Shahjahan, einer der Sprecher der Flüchtlinge. Trotzdem wolle die Gruppe so lange hier ausharren, bis eine "Lösung" gefunden sei und sich die politisch Verantwortlichen zu einem Gespräch bereit erklären. "Wir protestieren jetzt seit 90 Tagen hier. Doch keiner hört uns zu", sagt Shajahan.

Am Montag haben die Flüchtlinge ihren zweiten Hungerstreik vorerst beendet. Grund dafür sei das Schreiben von Bundespräsident Heinz Fischer gewesen. In diesem hatte er den Flüchtlingen zugesichert, ihnen im Rahmen der geltenden Gesetze helfen zu wollen.

Fischer zum Abendessen eingeladen

"Der Brief hat den Flüchtlingen zum ersten Mal gezeigt, dass ihre Anliegen wahrgenommen werden", sagt Njideka Stephanie Iroh, Moderatorin der Pressekonferenz. Deshalb haben die Flüchtlinge den Bundespräsidenten zu einem Abendessen in die Votivkirche eingeladen.

Fischers Appell, die Kirche zu verlassen und in das von der Erzdiözese Wien angebotene Klosterquartier zu übersiedeln, wollen die Flüchtlinge im Moment aber nicht folgen. Zu groß sei die Angst, beim Verlassen der Kirche festgenommen und abgeschoben zu werden. Shajahan erzählt, dass auch in der Kirche immer wieder Kontrollen von in zivil gekleideten Polizisten durchgeführt werden.

Forderung nach legalem Aufenthaltstitel

Erst wenn ihnen Schutz vor Abschiebung und ein legaler Aufenthaltstitel zugesichert werden, wollen die Männer das Gotteshaus verlassen. Eine weitere Forderung der Flüchtlinge ist der Zugang zum Arbeitsmarkt.

Pressekonferenz vor der Kirche

Abgehalten wurde die Pressekonferenz vor der Votivkirche. Sowohl Medien als auch einigen Unterstützern der Flüchtlinge ist der Zutritt zur Kirche mittlerweile verwehrt. Für die Flüchtlinge stellt das eine Beschränkung der Meinungs- und Medienfreiheit dar.

Auch von der Caritas, von der die Flüchtlinge in der Kirche betreut werden, war niemand bei der Pressekonferenz anwesend. Eine Stellungnahme von Klaus Schwertner, Pressesprecher der Wiener Caritas, zum andauernden Protest gibt es heute im STANDARD-Interview. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 21.2.2013)

  • Die Sprecher der Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche (v. li. nach re.): Mir Jahangir, Khan Shahjahan, Khan Adalat und die Moderatorin Njideka Stephanie Iroh sowie Unterstützer Anthony Stevenson.
    foto: der standard/matthias cremer

    Die Sprecher der Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche (v. li. nach re.): Mir Jahangir, Khan Shahjahan, Khan Adalat und die Moderatorin Njideka Stephanie Iroh sowie Unterstützer Anthony Stevenson.

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