Korneuburger Grundwasser: Behörden wegen Verunreinigung beschuldigt

21. Februar 2013, 14:07
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Beitragstäterschaft vermutet - Umweltorganisation fand ähnlichen Fall in der Vergangenheit

Korneuburg - Im Fall des durch Pestizide vereunreinigten Korneuburger Grundwassers vermutet die Umweltorganisation Global 2000 nun eine "teilweise fahrlässige, teilweise vorsätzliche Beitragstäterschaft" der niederösterreichischen Behörden. Das gab Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei Global 2000, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt.

Man habe den Austritt von Pestiziden durch mangelhafte Kontrollen nicht verhindert, der weiteren Ausbreitung nicht sachgemäß vorgebeugt sowie die Bevölkerung nicht ausreichend informiert. Das gehe unter anderem aus Verhandlungsprotokollen und Niederschriften der Behörden hervor.

Größte gemessene Grundwasserkontamination

Die Umweltorganisation hat eine Sachverhaltsdarstellung an die ermittelnde Staatsanwaltschaft übergeben. Es handle sich vermutlich um die "größte jemals gemessene Grundwasserkontamination in Österreich", so Burtscher. Einzelne Behördenvertreter der Bezirks- und Landeshauptmannschaft hätten dabei bewusst zur Vertuschung des Ausmaßes des Schadens beigetragen. Das schließt die Umweltorganisation aus den Protokollen, die sie im Zuge des laufenden Umweltbeschwerdeverfahrens einsehen konnten.

Erst im Mai 2011 sei die Gemeinde informiert worden, kritisierte die Korneuburger Umweltstadträtin Elisabeth Kerschbaum (Grüne). Betroffene Bürger hätten keine Auskunft über Messdaten erhalten und an die Bevölkerung seien vor allem verkürzte Informationen weitergegeben worden. 

Ausbreitung gesundheitsschädlicher Stoffe

"Das wahre Ausmaß des Unfalls wurde zwei Jahre lang nicht festgestellt", kritisierte Burtscher. Es sei zwar immer wieder auf ein Pestizid geprüft, aber kein vollständiges Pestizid-Screening durchgeführt worden. So hätten sich die umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffe unbemerkt bis zum Brunnenfeld Bisamberg ausbreiten können, aus dem vor allem im Sommer rund 50.000 Menschen ihr Wasser beziehen.

Ähnlicher Fall in Wiener Neustadt

Einen ähnlichen Fall fand Global 2000 vor einigen Jahren in Wiener Neustadt. "Dort gab es genau die gleiche Vorgangsweise", meinte Burtscher. Jahrelang seien auf Anordnung der Behörden die falschen Stoffe im Grundwasser analysiert worden. In beiden Fällen sei der gleiche Sachverständige der Abteilung Wasserwirtschaft involviert gewesen. "Hier hat sich unser Verdacht einer vorsätzlichen Vertuschung sehr stark manifestiert", so der Umweltchemiker.

Niedrige Sanierungskosten

Als Motiv vermutet die Umweltorganisation, den Versuch die Sanierungskosten für den Konzern niedrig zu halten und damit eine Aufgabe des Standorts zu verhindern. Zudem habe man im Zuge der Sanierung 21 Monate Grundwasser, das nicht auf weitere Chemikalien geprüft war, in den Donaugraben eingeleitet. Eine Filterung, wie sie nun stattfindet, hätte dagegen Jahre gedauert und Millionen Euro gekostet, rechnete der Umweltchemiker vor.

Abwassersystem fünf Jahre nicht kontrolliert

Eigentlich sei die Gesetzeslage zur Verhinderung von gewerblicher Grundwasserkontamination durch Kontrollen und Auflagen völlig ausreichend, so der Sprecher der Bürgerinitiative Pro Reines Wasser, Matthias Schnabl. Der Pestizidhersteller Kwizda-Agro sei in der Gefährlichkeit hoch eingestuft gewesen, daher hätte die Behörde ein spezielles Inspektionsprogramm, Auflagen und jährliche Kontrollen vorschreiben müssen.

Allerdings hätten die Abwassersysteme des Pflanzenschutzproduzenten weder eine doppelte Umwandung, noch ein Alarmsystem gehabt. "In den letzten fünf Jahren wurde das Abwassersystem nicht kontrolliert, auch nach der Meldung des Unfalls 2010 wurde keine Inspektion vorgenommen", erklärte Schnabl. (APA/red, derStandard.at, 21.2.2013)

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