Wenn Fonds versuchen, wie Apple zu sein

21. Februar 2013, 12:38
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Mit immer mehr Produkten und regelmäßigen Neuauflagen buhlen Fondsgesellschaften um Kunden. Doch "neu" ist nicht "besser", warnen Experten

Die Fondsgesellschaften hatten einen guten Start ins neue Jahr. Das zeigen europaweite und auch heimische Zahlen. Anleger vertrauen den Vermögensverwaltern wieder mehr Geld an. Im Jänner etwa sind eine Milliarde in heimischen Investmentfonds angelegt worden, so viel wie seit 2009 nicht mehr.

Doch Ali Masarwah, Fondsanalyst und Chefredakteur von Morningstar.de, warnt vor dem kritiklosen Kauf, gerade von neuen Produkten. Denn Fondsgesellschaften haben Anleger mit einer regelrechten Produktflut konfrontiert, 2012 wurden über 11500 neue Fonds in Europa zugelassen: "Die Fondsanbieter hängen am Neugeschäft wie Junkies." Seine Kritik: Fondsgesellschaften verführen Anleger immer zu neuen Produkten, die etwa auf aktuelle Trends (zuletzt etwa Hochzinsanleihen, zuvor BRIC-Staaten, Schwellenländer) abzielen, selbst wenn bereits absehbar ist, dass sich die positive Entwicklung der Vergangenheit kaum mehr fortsetzen kann.

Masarwah hat sich in einer aktuellen Studie angesehen, wie sehr Fondsanleger Moden und Trends hinterherlaufen. Sein Ergebnis: sie kaufen grosso modo neue Fonds. Besonders augenscheinlich ist das bei Aktienfonds. Während 2012 lediglich sieben Milliarden Euro in Aktienfonds veranlagt worden, haben neu aufgelegte Fonds 21 Milliarden eingesammelt, aus alten Fonds sind 14 Mrd. abgeflossen. Doch auch bei Anleihenfonds, die 2012 Zuflüsse von über 150 Milliarden Euro verzeichnen konnten, ist über ein Drittel in neue Vehikel geflossen. Neue Produkte werden oftmals mit interessanten Stories verkauft. So wurden Dividendenaktienfonds etwa als "sicher" verkauft, weil etwa Unternehmen a la Nestlé in Zeiten niedrigen Wachstums dennoch Gewinne generieren könnten. Doch während man als Kunde bei technischen Produktinnovationen, etwa von Apple, davon ausgehen kann, dass sich zum Vorprodukt eine Besserung ergeben hat, kehren sich die Trends bei den Fondsmärkten immer wieder um. Die Gewinner des letzten Jahres sind oft die Verlierer des nächsten.

Viele der neuen Produkte werde in den kommenden Jahren daher geschlossen werden, weil die Rendite nicht passt. "Sieht man sich etwa die Kategorie der Mischfonds an, muss man damit rechnen, dass bald die Fondsschließungen zunehmen werden", sagt Masarwah. Alleine 2012 wurden über 2000 neue Produkte aufgelegt, doch laut Morningstar-Analysen ist die Bilanz der Mischfonds "gemischt". Diese werden vor allem als Schutz in unsicheren Zeiten verkauft, weil sie sowohl in riskante Wertpapiere wie Aktien und sichere Anleihen und Cash investieren. "Der Großteil wird aber keinen Erfolg haben, in drei Jahren werden viele Fonds verschwinden."

Tatsächlich sind die drei Jahre von Masarwah nicht zufällig gewählt. Studien zum Verhalten von Investoren haben gezeigt, dass diese Marke geradezu magisch ist. Fonds, die über die vergangenen drei Jahre gut gelaufen sind, werden gekauft, die schlechten werden dementsprechend abgestoßen. Eine Studie von Lipper-Analyst Ed Moisson hat das für Großbritannien belegt. Anleger investieren fast ausschließlich in die Fonds mit den besten Drei-Jahres-Renditen. Die Fonds auf den hinteren Rängen müssen jedoch Abflüsse verzeichnen.

Das Marketing hat die Anleihen entdeckt

Auch bei Anleihenfonds ist zuletzt neue Dynamik ins Fondsgeschäft gekommen. 4024 neue Fonds wurden 2012 aufgelegt, deutlich mehr als traditionell üblich. "Der Verkauf neuer Bond-Strategien ist offenbar ein sehr auskömmliches Geschäft. Aber das Zinsänderungsrisiko ist da", warnt der Morningstar-Experte. Sollten die Zinsen steigen, würde das Verluste für viele Fondsstrategien bedeuten – und damit wohl auch zu Abflüssen und Schließungen.

Wird sich an dieser Abfolge von Events – dass Anleger durch den Vertrieb verspätet auf Trends und Moden aufmerksam werden – etwas ändern? Masarwah geht nicht davon aus: "Die Realität ist immer noch die, dass der Vertrieb den Ausschlag macht. Fonds werden nicht gekauft, sie werden verkauft." Es sei allerdings die Bringschuld des Beraters, die richtige Strategie anzubieten. (Lukas Sustala, derStandard.at, 21.2.2013)

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