"Google Glass": Das Problem mit dem Style-Faktor

21. Februar 2013, 09:23
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Googles Brille muss noch um einiges trendiger werden, um den Massenmarkt zu erobern

Am Mittwoch veröffentlichte Google ein Video, in dem in wenigen Minuten die Anwendungsmöglichkeiten der Datenbrille "Google Glass" präsentiert wurden. Zwar ist das Gadget noch nicht marktreif, die ersten Brillen werden aber demnächst an die ersten Tester ausgegeben. Zeit, sich Gedanken über die Verwendung und die Akzeptanz dieses Geräts in der Öffentlichkeit zu machen.

Stylish

Wie die New York Times beispielsweise schreibt, bietet die Google-Brille dem Anwender eine neue Welt, in der er ständig das Internet vor den Augen hat. Tragbare Geräte stehen erst am Anfang ihrer Entwicklungs- und Akzeptanzphase. Es wird einige Zeit dauern, bis die Brillen, die etwas nach Science-Fiction aussehen, in der Öffentlichkeit nicht als "merkwürdig" angesehen werden. Für die Modewelt wird das eine Herausforderung: Wie kann man es schaffen, ein brauchbares Tool auch halbwegs stylish aussehen zu lassen?

Komfortable und ästhetische Gadgets

Auch Google stellt sich diese Frage und kooperiert seit einiger Zeit Insidern zufolge mit dem jungen Start-up Warby Parker. Das Unternehmen bietet trendige Brillen an, deren Gestelle modern und dennoch zeitlos wirken sollen. Auch Apple, Nike und Pebble heuern Designer aus der Mode- und Einrichtungswelt an, um ihre Gadgets so komfortabel und ästhetisch wie nur möglich zu machen.

Brillenträger

Die Google-Brille hat zwar keine Gläser, der Suchmaschinen-Konzern probiere laut New York Times aber bereits Gestelle mit optischen Gläsern und Sonnenbrillen aus. Für Brillenträger ist wichtig zu wissen, denn die Brille projiziert ein Bild vor das Auge und lässt den User damit Bilder und Videos machen und mit dem Bügel interagieren. Menschen mit Sehschwäche sind auch hierfür auf ihre Sehhilfen angewiesen.

Augmented Reality

Routen können mit Google Maps geplant werden ohne ständig auf das Smartphone zu schauen oder Videochats mit Google Hangout gestartet werden. In dem Video von Google werden nur einige der zahlreichen Möglichkeiten angeführt. Auch Augmented Reality Games könnten damit ein neues Level erreichen. Die Menschen würden zahlreiche Anwendungen für die Datenbrille finden. Doch zuerst müsste man sie dazu bringen, das Teil auch wirklich zu tragen.

Entnervte Mitmenschen

Nicht zu vergessen sind neben den fragenden Blicken von Fremden auch Privatsphäre-Bedenken, die Datenschützer immer wieder hervorheben: Mit der Brille können private Gespräche zum Unmut anderer aufgezeichnet werden. Auch Content-Anbieter könnten auf Dauer ein Problem damit haben, wenn Menschen sich mit der Brille ins Kino setzen oder in ein Konzert gehen. Schon jetzt sind einige Leute entnervt, wenn ihre Gesprächspartner während einer Konversation am Smartphone E-Mails checken. Mit der Brille könnte sich dies noch um einiges verschärfen.

Modeszene skeptisch

Für Google ist das Aussehen der Brille jedenfalls ein wichtiges Kriterium. Schließlich will das Unternehmen auch, dass die Menschen die Brille tragen wollen und keine allzu großen Bedenken wegen eines möglichen lächerlichen Aussehens haben. Dazu müssen die Komponenten im Bügel kleiner werden und an Gewicht verlieren. Google selbst könnte verschiedene Fassungen anbieten, wie man sie beispielsweise auf der Fashion Week bei der Show von Diane von Fürstenberg gesehen hat. Bislang kam der Enthusiasmus von Technik-Fans und Entwicklern, ein Must-Have in der Modeszene sind die Brillen bislang noch nicht.

"Nerd-Brille par excellence"

Der gut besuchte und bekannte deutsche Modeblog "Dandy Diary" hat gestern beispielsweise die Brille kritisch hinterfragt. "Die Brille entspricht leider nicht unserer ästhetischen Hoffnung, die wir vor einem Jahr geäußert haben", so die Betreiber des Blogs. Sie meinen, dass Google eine "Nerd-Brille par excellence" präsentiert hätte, die "hässlich bis ins Mark" wäre. Dass Google also abseits der „Nerd-Szene" ein ästhetisches und ansprechendes Produkt für den Massenmarkt wird bringen müssen, um den Massenmarkt zu erobern, steht also außer Frage. Da das Gerät noch am Anfang seines Lebens steht, stirbt die Hoffnung darauf also noch nicht. (iw, derStandard.at, 21.2.2013)

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    Diane von Fürstenberg mit Sergej Brin bei der Anprobe der Brille

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    Das aktuelle Gestell der Google-Brille

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    Google-Mitgründer Sergej Brin mit "Google Glass"

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    Modebegeisterte sind vom Aussehen der Brille noch nicht ganz überzeugt

     

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    Das Gestell ist allerdings bereits leichter und schlanker geworden

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