Landtagswahlen: Alle gegen einen, einer gegen sich

Kolumne20. Februar 2013, 19:10
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Während Gerhard Dörfler in Kärnten jeden Gegner fürchten muss, kommen Erwin Pröll in Niederösterreich die Gegner abhanden

Die Ausgangssituationen der Titelverteidiger bei den unmittelbar bevorstehenden Landtagswahlen könnten unterschiedlicher nicht sein. In Kärnten muss der amtierende Landeshauptmann wirklich ausnahmslos jeden Gegner fürchten. Sogar der unsägliche, für seine unfreiwillige Komik berüchtigte Wunderheiler Gerhard "Ich habe Hände wie Starterkabel" Köfer darf sich Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis machen. Der Grund dafür liegt darin, dass es diesmal komplett wurscht ist, wer gegen die FPK antritt. Auch ein rostiges Postkastl könnte damit reüssieren, kompetenter als Gerhard Dörfler, intelligenter als Harald Dobernig oder integrer als die Gebrüder Scheuch zu wirken. Die Wähler und Wählerinnen haben jedenfalls die Chance, eine Maßnahme zu setzen, die neuartige polizeitechnische Erkenntnisse in sich birgt: Man kann Kriminalität auch einfach abwählen.

Anders die Lage in Niederösterreich. Dort kommen Erwin Pröll die Gegner abhanden. Wenn selbst die grüne Spitzenkandidatin Madeleine Petrovic im "Presse"-Interview mit den Worten "Ich glaube mittlerweile, dass Pröll die absolute Mehrheit halten wird" schon zwei Wochen vor dem Wahlsonntag unübersehbare Symptome einer präelektiven Depression erkennen lässt, scheint es um die Hoffnungen der Opposition nicht allzu gut bestellt zu sein. Dabei hat die regierende ÖVP allein durch die von ihr zu verantwortende teuerste Schönheitsoperation der Welt - um die hässlichen Spekulationsverluste aus der Veranlagung von Wohnbaugeldern kosmetisch zu verbergen, wurden 120 Millionen Euro Landesvermögen abgesaugt - ihren Mitbewerbern Material in Hülle und Fülle geliefert.

Trotzdem wirken diese mutlos und verbreiten den Eindruck, die Wahl rieche jetzt schon nach einer gemähten Wiese für Pröll. Eine Situation, die dem um die Wahlbeteiligung und die Mobilisierung seiner Fans besorgten Landeshauptmann nicht nur Freude macht. Also wurde krampfhaft versucht, das Primaten-Geplänkel zwischen ihm und Frank Stronach als "Duell" zu verkaufen, dessen dumpfe Pöbeleien jedoch das Publikum rasch langweilten. Und weil die von Pröll darin intendierte Botschaft "der oder ich" nicht ernst genommen wurde, greift er nun zum Äußersten. Zum eigenen Landesgeschäftsführer Gerhard Karner.

"Wer den Landeshauptmann angreift, greift das Land an", verkündete Karner zum offiziellen Wahlkampfauftakt. Eine Aussage, in der Anmaßung und Dummheit eine präzise ausbalancierte Gemeinschaft zur Illustration des Begriffes Machtdünkel eingehen. Zugleich auch ein Auf-den-Punkt-Bringen der niederösterreichischen ÖVP-Problematik, wie es keinem politischen Gegner bisher gelungen ist. Zugelassen ausgerechnet von Erwin Pröll, der den Wählern damit subtil, aber unmissverständlich sagen will: "Ihr wisst, wie schnell ich beleidigt bin. Wenn ihr mir keine absolute Mehrheit gebt, bin ich weg, und dann übernehmen die Karners, Sobotkas und Schneebergers die Macht. Das kann sich niemand wünschen, also auf in die Wahlzelle!"

Wer keine Gegner hat, schafft sie sich selber. Und wer braucht schon Kronprinzen oder logische Nachfolger, wenn er stattdessen auf ein die eigene Macht sicherndes Bedrohungsszenario bauen kann? (Florian Scheuba, DER STANDARD, 21.2.2013)

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