Homo-Ehe: Diskriminierung der Kinder?

Kommentar der anderen20. Februar 2013, 19:06
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Der Europäische Menschengerichtshof hat die Stiefkinderadoption durch homosexuelle Paare für zulässig erklärt. Aber ist der Richterspruch auch im Sinne der Kinder?

Bei allem Respekt vor der Entscheidung von Menschen, ihren Lebensentwurf in neuen Formen der Partnerschaft zu suchen, wenn's um Kinder geht, muss die Frage erlaubt sein, ob homosexuellen Paaren ein Recht auf Adoption zugestanden werden soll. Aus juridischer Sicht kommt nach den jüngsten oberstgerichtlichen Entscheidungen der EU sowie der deutschen Verfassungsrichter grünes Licht dafür. Begründung: Homosexuelle Paare dürfen nicht diskriminiert werden.

Sind die Richtersprüche im Sinne der Kinder? Kann in einer Homo-Ehe ein vollwertiges, entwicklungspsychologisch ausgewogenes Verhältnis zum Kind entstehen? Für Kinder geht es schließlich nicht darum, was gleichgeschlechtliche Paare wollen und ob sie sich diskriminiert fühlen oder nicht, sondern primär darum, was ihrer Entwicklung förderlich ist. Mit Sicherheit würden Kinder dagegen protestieren, dass allein juridische Argumente für ihren künftigen Beziehungsalltag maßgeblich sind.

Auch in der öffentlichen Diskussion stehen bisher fast ausschließlich die Ansprüche und Bedürfnisse des homosexuellen Paares nach Kindern im Vordergrund. In permanenter Abwertung der traditionellen Familienform geht es da unter dem Deckmantel von Toleranz, von Fortschrittlichkeit und "modernem" Familienbegriff allein um deren individuelle Wünsche. Ihre Diskriminierungsklage ist unüberhörbar und scheint - wie sich eben anhand der jüngsten oberstgerichtlichen Entscheidungen zeigt - der juristische Hebel hin zu "Ehe light" und damit zur völligen Gleichstellung von homo- und heterosexueller Partnerschaft zu sein.

Aber wer ist denn hier tatsächlich diskriminiert? Sind es wirklich die Homo-Paare in ihren Zugriffsrechten auf die Kinder oder nicht doch die Kinder selbst? Ist es denn nicht diskriminierend, wenn Kindern ihr legitimer Anspruch auf ein natürliches Aufwachsen mit Vater und Mutter grundsätzlich verwehrt wird? Interessiert niemanden, dass für die gedeihliche Entwicklung eines Kindes eine Elternbeziehung "Männlichkeit wie Fraulichkeit" maßgeblich ist? Bedauerlicherweise hat sich dazu bisher noch keiner der zahlreichen staatlichen Kinderschutzbeauftragten zu Wort gemeldet, während den Forderungen der Lesben- und Schwulencommunity in den Medien viel Platz eingeräumt wird.

Aus kinderpsychologischer Sicht kann der alleinige Zweck einer Adoption wohl nur sein, einem Kind zu einer möglichst vollständigen Familie zu verhelfen. Dagegen wird von Schwulen- und Lesbenvertretern, unterstützt von Frauenministerin Heinisch-Hosek, das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare vehement angestrebt.

Damit wird der schon jetzt vielfach undurchschaubare Beziehungsalltag moderner Kindheit um eine weitere - noch dazu staatlich legitimierte - Facette verwirrender. Die betroffenen Kinder werden sich künftig mit gänzlich neuen Formen der Elternschaft abfinden müssen: Statt traditioneller Elternschaft mit Vater und Mutter, alleinerziehender Mutter oder alleinerziehendem Vater, Stief- oder Großeltern werden sie zunehmend mit Vater-Vater-Eltern und Doppelmüttern konfrontiert sein. Oder mit Beziehungsungetümen wie der Zwei-Mütter-ein-Vater-Elternschaft - dann, wenn beispielsweise das "gemeinsame" Kind zu Mutter A (leiblich) und "Mutter" B (lesbische Partnerin von A) anstelle des per Scheidung entsorgten Ex-Ehepartners und Kindesvaters gehört. Oder wieder doch nicht gehört, weil ja der leibliche Vater in jedem Fall der Vater bleibt, der aber neuerdings mittels Adoption durch "Mutter" B jeglicher Sorgerechte enthoben werden kann.

Auch der Geschlechter- und Generationsforscher Gerhard Amendt hält das pseudoliberale Gewährenlassen mancher gesellschaftlicher Gruppen als dem Kindeswohl abträglich. Er erinnert daran, dass Elternschaft aus der Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau besteht, die in einem sexuellen Spannungsverhältnis zueinander stehen und die es den Kindern ermöglicht, in diesem Spannungsverhältnis eine sexuelle und kulturelle Identität zu entwickeln.

Gegen Zeitgeist und vermeintlichen Wählerwillen geht es um die Frage, was langfristig mit guten Gründen als gesellschaftliche Norm gewünscht werden darf. Da hat, meine ich, die klassische Familie noch immer "die Nase vorn". Bedauerlich, dass das zu sagen heute schon fast als politisch nicht korrekt gilt. (Heinz Zangerle, DER STANDARD, 21.2.2013)

Heinz Zangerle ist Psychologe und Psychotherapeut in Innsbruck und Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

  • Auf in die Regenbogenfamilie! Die Richter in Straßburg haben mit ihrem Urteil gleichgeschlechtlichen Paaren den Weg geebnet. Die Frage nach dem Kindeswohl bleibt gleichwohl umstritten.
    foto: dpa-zentralbild/michael reichel

    Auf in die Regenbogenfamilie! Die Richter in Straßburg haben mit ihrem Urteil gleichgeschlechtlichen Paaren den Weg geebnet. Die Frage nach dem Kindeswohl bleibt gleichwohl umstritten.

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