Hochegger sorgte für Verwirrung

20. Februar 2013, 18:30
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Mit seiner Version von Geldflüssen und Aufträgen bestätigte der Lobbyist Peter Hochegger weder die Darstellung der Angeklagten noch die des Kronzeugen

Wien - Vielleicht war alles überhaupt nur ein Missverständnis. Diesen Schluss lässt zumindest die Aussage einer Schlüsselperson im Strafprozess Telekom Austria (TA) zu. Peter Hochegger, der langjährige PR- und Lobbyingberater der TA, gab in der Verhandlung über Kursmanipulation und Aktienoptionsprogramme nämlich am Mittwoch zu Protokoll, er habe eine halbe Million Euro in bar deshalb besorgt, weil er davon ausgegangen sei, dass die TA das Geld für eine Akquisition im Ausland brauchte.

Dass damit jener dienstbare Börsenmakler honoriert wurde, der den Kurs der TA-Aktie am alles entscheidenden 26. Februar 2004 in die Höhe getrieben wurde und 95 TA-Führungskräfte in Summe 9,8 Millionen Euro Bonus lukrierten, davon habe er nichts geahnt, betonte Hochegger.

Die Frage, warum die TA für das Ausland Bargeld brauchen sollte, und erst recht über Scheinaufträge lukriertes - sie wurde im Wiener Landesgericht weder gestellt noch beantwortet. Allerdings: Mit dieser Version brachte Hochegger Bewegung in die bis dahin auffällig unangriffig verlaufenen Beschuldigten- und Zeugenbefragungen. Nach der einigermaßen unergiebigen, fast erheiternden Befragung des damals für Investoren-Betreuung zuständigen TA-Bereichsleiters Hans F. begannen Tiefenbohrungen. Ihm war nach neun Jahren so wenig erinnerlich über die von Medien ausgeschlachtete und Finanzmarktaufsicht geprüfte Causa, dass abwechselnd die der Untreue Beschuldigten, Ex-General Heinz Sundt und dessen Vize, Festnetz-Vorstand Rudolf Fischer, aushelfen mussten.

Warum wurde Bargeld übergeben?

Bei Hochegger gingen Staatsanwalt Hannes Wandl und Rechtsanwalt Norbert Wess (er vertritt die TA) zur Sache. Warum wurde Bargeld übergeben? Warum haben Sie TA-Prokuristen Schieszler 250.000 Euro ausgefolgt, ohne einen Beleg zu verlangen? Was war die Gegenleistung? War die Gegenleistung ein Scheinauftrag? Warum begnügten Sie sich mit mit 400.000 Euro, wenn Ihre Leistung im Anbot noch 1,5 Millionen Euro wert war? Fragen über Fragen, auf die Hochegger prompt und schlüssig antwortete. Zumindest zwei Stunden lang.

Dann begann der 64-Jährige, sich in Widersprüche zu verstricken. Erst waren die 1,5 Mio. Euro für "Konsolidierungsprojekt Festnetztelefonie", mit denen die massiven Margenverluste des Exmonopolisten gebremst werden sollten. Vereinfacht ausgedrückt sollten TA-Konkurrenten wie UTA oder E-Tel über einen zyprischen Fonds aufgekauft werden, wodurch TA in Österreich binnen fünf Jahren rund 150 Millionen Euro mehr verdient hätte. Sein, also Hocheggers, Honorar wäre mit einem Prozent des Margengewinns durchaus angemessen gewesen.

Projekt wurde nie umgesetzt

Dieses Projekt, das Hochegger 2008 auf eigene Initiative gemeinsam mit Raiffeisen Centrobank entwickelt haben will, wurde jedoch nie umgesetzt. Denn Fischer war bereits angezählt, sein Abgang stand bevor (im Juni 2008 war es so weit). Und der zum Festnetz-Finanzchef avancierte Schieszler musste die leidige Sache mit Wanovits' Rest-Honorar los werden. Mindestens 600.000 Euro waren dem Broker bereits über das Vehikel Osteuropastudie bezahlt worden, eine in der TA erstellte, auf Hochegger-Briefpapier ausgedruckte 380-seitige Expertise. Wanovits waren aber 1,5 Mio. Euro versprochen gewesen. Sie, so habe es die TA gewollt, sollte der Banker bei Hochegger abarbeiten.

Die sohin fabrizierten Papiere über Windparks und Dubai-Investments ließen Hocheggers Deckungsbeitrag von 1,5 Mio. auf 400.000 Euro schmelzen. Was Staatsanwalt und Gutachter für zumindest merkwürdig halten. Nicht so Hochegger, denn: Er wollte erstens der TA "helfen" und zweitens mit ihr neben PR auch ins Investment-Geschäft kommen. Drittens hätte er die 1,5 Mio. Honorar für die Marktbereinigung über Zypern ohnehin von RCB bekommen. Es kam anders. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 21.2.2013)

  • Peter Hochegger, Haus- und Hof-PR-Mann der Telekom Austria, lieferte neue Darstellungen.
    foto: standard/cremer

    Peter Hochegger, Haus- und Hof-PR-Mann der Telekom Austria, lieferte neue Darstellungen.

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