Wie Luki um sein Leiberl rennt

Reportage20. Februar 2013, 18:15
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Lukas Michlmayr, ÖVP-Kandidat aus Amstetten, hat sich einen besonderen Vorzugsstimmen-Wahlkampf ausgedacht

Amstetten - Irgendwie hat es Lukas Michlmayr immer schon in die erste Reihe gedrängt. In der Schule hat er nicht bloß Englisch und Rechnungswesen gestrebert, er war Schulsprecher. Im Chor hat er nicht einfach mitgesungen, er hat ihn geleitet. Und in der Volkspartei will er nicht nur einfacher Amstettner Bezirks-Fuzzi bleiben. Lukas Michlmayr (25) will's wissen. Und deswegen bastelt er seit mehr als einem Jahr an seinem Vorzugsstimmenwahlkampf - mit Spindoktor, Webmaster, Grafiker und allem, was dazugehört.

Es ist kein Zufall, dass viele englische Schlagwörter fallen, wenn Michlmayr und sein engster Mitstreiter Markus Burgstaller über ihre Strategie sprechen. Im Rahmen einer VP-internen Fortbildung haben sie unter anderem lokale Dependancen des Obama-Wahlkampfs in den USA besucht und von dort vor allem zwei Schlagwörter mitgenommen: "Micro Targeting" und "Involvement". Vom Inhalt des Folders bis zum Design des Feuerzeugs wird alles vorher ausdiskutiert, nicht nur in einer kleinen Strategierunde, sondern auch in einer etwa 150 Personen umfassenden Facebook-Gruppe. Und Michlmayr geht nicht zum Seniorenfasching oder zum Bäuerinnentag - er konzentriert sich ausschließlich auf junge Wähler. Ein Kernthema ist daher die Ausweitung des Öffi-Jugendtickets in Richtung Oberösterreich, viele Schüler und Studenten aus der Region Amstetten pendeln täglich dort hin.

Im Internet werden Unterstützer akquiriert und motiviert, das Händeschütteln und Mund-wässrig-Reden im Wahlkampf ersetzt das aber nicht. Michlmayr hat seine private und berufliche Lebensplanung ganz und gar auf den Wahltermin hingetrimmt: "Meine Karriereplanung geht nur bis zum 3. März." Das Studium - Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung - liegt derzeit auf Eis. Vor allem am Abend und an den Wochenenden klappert er Lokale ab, schon seit längerem gibt es Stammtische mit Michlmayr, bei denen er in die Wählerschaft hineinhorcht: "Das ist für viele Leute ein ganz neues Erlebnis: Dass ein Politiker nicht kommt, um etwas zu erzählen, sondern um zuzuhören."

Plakate, Jacken und Giveaways sind wie die Kampagne der Landes-VP ganz in Blau-Gelb gehalten. Volkspartei steht nirgendwo drauf, dafür "Vote Luki". Bezahlt wird alles von der JVP, deren Bezirks-Vorsitzender Michlmayr ist.

Die Konkurrenz um die Landtagssitze ist stark, drei Mandatare stellt der Bezirk Amstetten derzeit. "Die Bühne eines Abgeordneten fehlt mir natürlich", sagt Michlmayr. Dennoch dürfte seine intensive Kampagne für Nervosität sorgen - auf den schwarzen Listen gibt es schließlich keine Reihung, die nehmen die Wähler mit ihrem Vorzugsstimmen vor. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 21.2.2013)

  • Lukas "Luki" Michlmayr ist im Bezirk Amstetten allgegenwärtig, nicht zuletzt im Nachtleben wirbt er um Stimmen.
    foto: privat

    Lukas "Luki" Michlmayr ist im Bezirk Amstetten allgegenwärtig, nicht zuletzt im Nachtleben wirbt er um Stimmen.

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