Zwei Titelfiguren, die einander nichts schenken

20. Februar 2013, 18:20
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Justyna Kowalczyk gegen Marit Björgen heißt es in der ersten Entscheidung der WM und in nahezu allen Langlaufrennen der Damen. Katerina Smutna aus Österreich will im Sprintduell quasi erste Reihe fußfrei dabei sein

Cavalese - Während sich unten, im Langlaufstadion am Lago di Tesero, Damen aus der Mongolei, Moldau oder Kirgisien über fünf klassische Kilometer um die Qualifikation für den am Samstag steigenden Skiathlon mühen, hält die Königin des Langlaufs oben in Cavalese im Hotel der Norweger Hof. Marit Björgen, dreimalige Olympionikin, achtmalige Weltmeisterin, Siegerin in 81 Weltcup-Rennen, darunter in 58 für sich alleine, ist wieder da, um weitere Titel einzusammeln. "Aber versprechen kann ich nichts."

Fragen, wie sie der Trondheimerin 2011 vor der Heim-WM in Oslo gestellt wurden, verbieten sich diesmal. Undenkbar scheint, dass die 32-Jährige im Val di Fiemme bei allen Starts siegreich sein könnte. Schließlich ist Björgen erst wieder seit Mitte Jänner im Einsatz, nachdem sie wegen Herzrhythmusstörungen einen Monat pausieren hatte müssen und damit eine ganze Nation gehörig geängstigt hatte. Zu präsent ist im Land noch der plötzliche Tod des Schwimmweltmeisters Alexander Dale Oen, der im April des Vorjahres, mit erst 26 Jahren, nach einem Training in den USA einer Herzattacke erlegen war.

Vor ihren gesundheitlichen Problemen war Björgen, die mit dem Kombinations-Olympioniken Fred Boerre Lundberg liiert ist, in großartiger Form gewesen, so großartig, dass ein paar Häuser weiter, in Kattowitz, Polen, die Stimmung auf den Tiefpunkt gesunken sein dürfte. Für den dortigen Skiklub startet Justyna Kowalczyk (30), einfache Olympiasiegerin, zweifache Weltmeisterin und seit Jahren Björgens einzige ernstzunehmende Gegnerin, die nicht aus Norwegen kommt. Sie ist irgendwie auch der Gegenentwurf zum norwegischen Herzibinki, "Gold-Marit" oder "Marit I.", wie sie König Harald V. zu nennen beliebte.

"Schlechte Verliererin"

In Oslo konnte Kowalczyk Björgen nicht besiegen, das blieb deren Landsfrau Therese Johaug vorbehalten, die Gold im Massenstartrennen über 30 Kilometer erbeutete. Kowalczyk blieb zweimal Silber hinter Björgen, der sie im Jahr davor, anlässlich der Olympischen Spiele in Vancouver und Whistler Mountain unlautere Praktiken unterstellt hatte.

Björgen wisse sehr genau, dass sie ohne ihre Hilfsmittel nicht viel zu bieten hätte, gab die größte Tochter des kleinen Örtchens Limanowa damals zum Besten. Die Norwegerin zeigte sich entsetzt und schrieb die Aussagen der zuvor im Sprint erlittenen Niederlagen der Polin zu. "Sie ist eine schlechte Verliererin."

Tatschlich thematisierte Kowalczyk quasi zur rechten Zeit Björgens Gebrauch eines Asthma-Medikaments, das allerdings vom internationalen Skiverband (Fis) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) genehmigt ist. Im folgenden Rennen über 30 Kilometer musste sich die leicht entnervte Norwegerin ihrer Intimfeindin nämlich geschlagen geben.

Waffenruhe

Nachdem Kowalczyk, die selbst 2005 wegen der Einnahme eines illegalen Mittels für ein halbes Jahr gesperrt gewesen war, zumindest bedauert hatte, ihre Vorwürfe noch während der Olympischen Spiele lanciert zu haben, wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der auch die WM 2011 in Oslo überdauerte.

Dort gewann Björgen auch den Sprint, der im Val di Fiemme als erster Bewerb auf dem Programm steht. Im letzten Test am vergangenen Samstag in Davos triumphierte Kowalczyk vor Björgen. Österreichs Katerina Smutna kam in Sichtweite des Duells der Gigantinnen als großartige Fünfte an. Smutna setzt trotz dieses Resultats auf die Titelverteidigung von Björgen. "Sie ist technisch vielleicht die bessere Langläuferin als Kowalczyk."

Zur gesundheitsbedingten Pause von Björgen wollte sich Smutna nicht äußern. Der 29-jährigen gebürtigen Tschechin, die ihre dritten Weltmeisterschaften für Österreich gibt, kam nur ein spöttisches Lächeln aus. Und die eigenen Chancen? Auch da lächelt Smutna: "Finale wäre schön." Die Top drei seien weit weg, aber im Rennen der besten sechs Damen über 1,2 Kilometer könne viel passieren, "Stürze vielleicht". (Sigi Lützow aus Cavalese, DER STANDARD, 21.2.2013)

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    Kowalczyk (jeweils links) sieht Björgen oft von hinten. Aber wenn eine die Norwegerin besiegen kann, dann die Polin.

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