Auf dem Weg zum papierfreien und plastikfreien Büro

22. Februar 2013, 10:50
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Papier sparen tun viele - ein Ziviltechnikerbüro hat seinen Betrieb durchleuchtet und sich zu einem Vorzeigebetrieb gemausert

Wien - "Anstoß war eigentlich ein Gespräch mit einer Kollegin", erinnert sich Jörg Westphal, Teamleiter für Planung und Hochbau bei Ingenos. Gobiet.ZT - einem der größten Ziviltechnikerbüros Österreichs. "Damals sagten wir: Lass uns doch etwas machen, das uns insgesamt glaubwürdiger erscheinen lässt."

Denn für die Kunden wurde ja schon länger vieles angeboten und geplant: Passivhäuser, Nachhaltigkeitszertifikate, Photovoltaik- und Windkraftanlagen. "Früher haben wir das Windrad auf dem Dach eher von uns aus angeboten - aber in den letzten Jahren wird das mehr und mehr von den Kunden aktiv eingefordert", weiß Westphal. "Das hat echt einen Dreh bekommen, dass die Investoren mehr und mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Weil es auch mehr und mehr zu einem Marketingargument wird."

Aber im eigenen Betrieb? Wie wird die Nachhaltigkeit in den eigenen Büroräumen gelebt? Westphal nahm mit den Experten des ÖkoBusinessPlans der Stadt Wien Kontakt auf; gemeinsam wurde der Betrieb durchleuchtet und dann nach und nach eine Maßnahme nach der anderen umgesetzt. Teils kleine Schritte - die aber in Summe Ingenos.Gobiet.ZT zu einem Vorzeigebetrieb in Sachen Green Office machten.

Viele Kilometer

Zunächst einmal wurde festgestellt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele Kilometer machten. Nämlich außerhalb des Büros - von einem Meeting zur nächsten Baustelle. Daher wurden gezielt Besprechungen so weit wie möglich auf Videokonferenzen umgestellt. "Die Technik ist ja inzwischen ohnehin vorhanden - fast jedes Handy oder jeder Laptop hat eine Kamera eingebaut. Wir mussten da nicht viel investieren - nur die vorhandenen Möglichkeiten gezielt nutzen", sagt Westphal.

Um den Umstieg auf Öffis schmackhaft zu machen, wurde eine ÖBB-Firmenkarte angeschafft: Über die können Fahrkarten wie mit Kreditkarte gebucht werden - ohne viel Abrechnungsbürokratie. Und auch für die Wiener Öffis werden den Mitarbeitern Tickets zur Verfügung gestellt.

Acht Bäume pro Jahr

Der Aufruf zum sparsamen Ausdrucken und Papiersparen ist in einem Büro natürlich ein Klassiker. Es sind aber die Kleinigkeiten, die es ausmachen. Zunächst einmal die Bewusstseinsarbeit - so wurde beispielsweise ausgerechnet, dass in der Planungsabteilung pro Person und Jahr rund acht Bäume gefällt werden müssen. Und: Bei den Druckern wurde einfach das beidseitige Drucken als Standard eingestellt. Wer einseitig drucken will, muss dies bewusst wählen - und nicht umgekehrt. Der gesamte Einkauf wurde überdies auf zertifiziertes Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft umgestellt.

Eine Besonderheit bei Ingenos.Gobiet.ZT ist das Bemühen, den Betrieb so weit wie möglich ohne Plastik abzuwickeln. Werden etwa Plastikhüllen kaputt - ersetzt man sie durch solche aus Papier oder Karton. Und: " Anstelle von Einweg-Kugelschreibern und Tipp-Ex werden jetzt Bleistifte, Radiergummis und Füllfedern angeschafft", berichtet Westphal. "Das war interessanterweise aber auch der Punkt, wo es bei uns die meisten Diskussionen gab - weil das doch sehr stark in die persönlichen Gewohnheiten hineinwirkt."

Hilfreich waren bei den Umstellungen auch die Artikel-Listen, die im Rahmen des "ÖkoKaufs" der Stadt Wien erstellt wurden. "Nachhaltige Artikel gibt es sehr viele im Angebot, sie sind auch oft nicht oder nur wenig teurer - man muss sie nur aktiv nachfragen."

Photovoltaikanlage

Nachhaltigkeitskonzepte gibt es auch an den anderen Standorten des Unternehmens. Über dem Gleisdorfer Büro von Ingenos.Gobiet.ZT wurde etwa eine Photovoltaikanlage auf dem Dach montiert. In Wien wird Strom gespart. Beim Ankauf von Geräten ist Energieeffizienz ein Entscheidungskriterium. Und es ist nicht der Letzte, der das Licht abdreht: Das Ganglicht schaltet sich um 17 Uhr von selbst aus.

Diese interne Bewusstseinsarbeit "strahlt inzwischen auch nach außen und eröffnet neue Projektideen und Geschäftsfelder", berichtet Westphal. Wie beispielsweise die Errichtung der "Casa Eco-Solar", eines Schulungs- und Werkstattgebäudes im argentinischen Hochland: Dort wird beispielhaft gezeigt, wie nicht nur solar geheizt, sondern auch solar gekocht werden kann. Mit dem Vorteil, dass nicht mehr Gaskartuschen bis in 4000 Meter Höhe transportiert werden müssen. Mit diesem Projekt ist Ingenos.Gobiet. ZT für den Umweltpreis der Stadt Wien 2013 nominiert. (Roman David-Freihsl, ÖKO-STANDARD, 21.2.2013)

  • Papier- statt Plastikmappen, Bleistift und Radierer statt Einwegkuli.
    foto: standard/cremer

    Papier- statt Plastikmappen, Bleistift und Radierer statt Einwegkuli.

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