Sehnsucht nach Hightech von gestern

20. Februar 2013, 17:39
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Als Heimcomputer laufen lernten, waren ihre Besitzer Bastler, die viel Geld ausgaben und mit wenig Bits und Bytes zufrieden waren

Ein Computer mit 64 Kilobyte Arbeitsspeicher. Soll das ein Witz sein, oder handelt es sich um einen Schreibfehler? Gängige Smartphones bieten da doch schon ein Gigabyte. Weder noch. Genau so viel wies das Gerät auf, das 1982 auf den Markt kam und mit 17 Millionen Stück in die Geschichte als meistverkaufter Heimcomputer aller Zeiten einging: der Commodore C64.

Bis zu den 1980er-Jahren waren Computer eine Angelegenheit, die auch aus Kostengründen überwiegend der ernsten Arbeitswelt vorbehalten waren. Doch der Homo ludens war schon immer ein gewitzter. Noch bevor die heute unser Leben beherrschenden Maschinen ins traute Heim einzogen, vergnügten sich Technophile mit Videospielen auf diversen elektronischen Geräten. "Pong" klingelt es in den Ohren alter Hasen, die ab 1972 dem tischtennisähnlichen Spiel gleichen Namens von Atari auf heute vorsintflutlich anmutenden Konsolen frönten. Der Vorläufer des Heimcomputers war geboren.

Das Schicksal der beiden US-Unternehmen Atari und Commodore war eng verwoben - und mit ihnen der Name Jack Tramiel, gebürtiger polnischer Jude und Auschwitz-Überlebender, im Vorjahr 84-jährig verstorben. Der in die USA emigrierte Commodore-Gründer, der, von Aktionären aus dem Unternehmen gedrängt, sich Atari schnappte, um sein ehemaliges Unternehmen zu bekriegen. Tramiel und die von ihm erbauten Heimcomputer sind zu einer Legende in der Computergeschichte geworden, die nicht nur jene fasziniert, die die Zeit und die Geräte selbst erlebt haben.

Die Heimcomputer-Ära

Auch den Wiener Stefan Egger, 1989 geboren, sieben Jahre nachdem der erste C64 auf der Computer Electronic Show (CES) in Las Vegas vorgestellt wurde, haben sie in den Bann geschlagen. 250 Heimcomputer, Konsolen und Zubehör aus den Jahren 1976 bis 1995 hat er zusammengetragen. Auf seiner Homepage finden Interessierte ein beachtliches Kompendium zur Homecomputer-Ära.

Der technisch versierte junge Sammler kennt alle Details seiner Stücke. Sein Ehrgeiz ist es, die Zeugen der Computergeschichte am Laufen zu halten. Wer heute nur ins Geschäft oder Internet gehen muss, um sich PC, Tablet oder Konsole zu kaufen, staunt, was seinerzeit als Computer bezeichnet wurde. Wie etwa Eggers ältestes Teil aus dem Jahr 1976, KIM 1 (Keyboard Input Monitor) von der von Commodore übernommenen Firma MOS Technology. Ein Bausatz mit Platine, Gehäuse und Tastatur musste zugekauft werden. Der damalige Kaufpreis von 250 Dollar entspräche heute mehr als 1000 Dollar.

Für Heimcomputer-Sammler ist Ebay ein wichtiger Markt. Wie auch in anderen Sammelgebieten gibt es nach oben keine Grenzen. "Massenware gibt es schon für zehn bis 30 Euro", informiert Egger. Finanzkräftige Freaks sind für ihr Objekt der Begierde aber auch bereit, tief in die Tasche zu greifen. So wurden erst diesen Februar ein Amiga 3000T für 705 Euro, ein Commodore 64C Goldene Edition für 2125 Euro und ein Commodore 65 Prototype für rund 5670 Euro ersteigert. Mit etwas Glück finden Kenneraugen auf Mistplätzen ausrangierte Gusto-stücke. Wer sie dann wie Stefan Egger wieder zum Funktionieren bringen kann, darf sich über eine Profitmarge à la Apple freuen. (Karin Tschentke, DER STANDARD; 20.2.2013)

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    Der Commodore, wie er seinerseit die Welt erfreute.

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