Siemens-Spitze erzürnt über Vorstandswechsel bei NSN

20. Februar 2013, 17:34
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Finanzvorstand ohne Segen abgelöst

Der Chef des Netzwerkbauers Nokia Siemens Networks hat sich mit der Auswechslung seines deutschen Finanzvorstands einmal mehr den Zorn der Siemens-Spitze zugezogen. NSN-Boss Rajeev Suri habe sich für die Ablösung von Marco Schröter als Finanzvorstand nicht den Segen der bayerischen Mutter geholt und die Münchner mit dem Schritt erzürnt, sagten mehrere Konzerninsider. "Siemens ist nicht glücklich darüber, dass Schröter geht", so ein Kenner des Vorgangs.

"Schröter war maßgeblich an dem Turnaround beteiligt"

Offenbar sieht man bei Siemens durch die Personalrochade die jüngste Erholung bei der gemeinsamen Tochter in Gefahr. "Schröter war maßgeblich an dem Turnaround beteiligt", hieß es. Insbesondere Siemens-Finanzchef Joe Kaeser sei "grantig" über Suris Schritt. Siemens wollte sich zu den Angaben nicht äußern.

Die Verstimmung weist auch auf tiefergehende Meinungsverschiedenheiten zwischen den Münchnern und ihren finnischen Partnern hin. Die Konzerne seien über die Zukunftspläne für NSN uneins, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Im April läuft der Joint-Venture-Vertrag zwischen Siemens und Nokia aus. Danach können sich die beiden Partner jeweils ihre Hälfte gegenseitig zum Kauf anbieten. Sollten beide ablehnen, können sie ihre Anteile Dritten andienen. Experten zufolge ist es zunächst allerdings wahrscheinlicher, dass beide Seiten stillhalten, bis sie eine Einigung gefunden haben.

Unternehmen "strategisch gestärkt"

Ein Siemens-Sprecher erklärte, es sei wichtig, dass die Trendwende bei NSN stabilisiert und das Unternehmen "strategisch gestärkt" werde. Nach verlustreichen Jahren hat sich der Netzwerkbauer zuletzt durch harte Einschnitte über mehrere Quartale in die Gewinnzone gearbeitet.

NSN-Chef Suri und Siemens-Finanzvorstand Kaeser, der auch im NSN-Aufsichtsrat sitzt, waren schon einmal über Kreuz gelegen. Als der Inder mit der Streichung von tausenden Stellen und mehreren Standorten in Deutschland vorgeprescht war, fing er sich einen öffentlichen Rüffel von Kaeser ein. NSN erhielt in der Folge anders als ursprünglich geplant seine Deutschland-Zentrale in München. Einer Siemens-Aufsichtsrätin zufolge drängte Kaeser, der Schröter 2011 zu NSN gelotst hatte, seinerzeit auch auf eine Alternative zu Suri an der NSN-Spitze. (APA, 20.02. 2013)

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