"Fürchten keinen Lizenzentzug"

20. Februar 2013, 17:40
4 Postings

EVN versorgt 1,5 Millionen Haushalte in und um Plovdiv

Die politische Unsicherheit in Bulgarien erfreut Wirtschaftstreibende naturgemäß wenig. Für die EVN zählt das Land seit Übernahme von zwei Stromverteilunternehmen 2005 zu den wichtigsten Auslandsmärkten.

"Was sich jetzt abspielt, ist nicht lustig. Es sind vor allem die Menschen, die leiden", sagte EVN-Sprecher Stefan Zach dem Standard. "Wir halten uns an alle Gesetze und Vorschriften und fürchten keinen Lizenzentzug."

Einen solchen hat Borissow vor seinem Rücktritt der tschechischen CEZ angedroht. Dem EVN-Konkurrenten, der im Westen Bulgariens rund 1,9 Millionen Kunden versorgt, werden Regelverstöße vorgeworfen. CEZ hat dies mit Nachdruck zurückgewiesen.

Hürde Strompreis

Auslöser der jüngsten Straßenproteste, bei denen auch Schaufenster zu Bruch gingen, sind vordergründig die Strompreise. Obwohl diese um rund 50 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt liegen, ist die Bezahlung der monatlichen Stromrechnung für viele ein ernstes Problem. Sind für manche schon 15 bis 20 Euro im Sommer eine hohe Hürde, ist die Situation im Winter noch wesentlich verschärft. Wenn stark geheizt wird, macht die monatliche Stromrechnung oft ein Vielfaches aus - und das bei einem Durchschnittseinkommen von 350 Euro und einer Pension von durchschnittlich 140 Euro.

Anders als in Österreich müssen die Zähler in Bulgarien einmal pro Monat abgelesen und abgerechnet werden. So kommt es, dass die Kunden während der Heizperiode deutlich mehr zahlen als im Sommer.

Preiserhöhung um 13 Prozent

Die Stromversorger treffe keine Schuld. Zach: "Wir kaufen den Strom zu staatlich regulierten Preisen bei der nationalen Erzeugungsgesellschaft ein und verkaufen ihn zu staatlich festgelegten Konditionen an Haushalte und Industrie." Von der Preiserhöhung um 13 Prozent im Juli 2012 sei bei den Stromfirmen nichts hängengeblieben. Für acht Prozent war der Ökostromzuschlag verantwortlich, für fünf Prozent die CO2-Zertifikate. Anfang März soll Strom um acht Prozent billiger werden.

Laut EU-Vorgaben muss Bulgarien seinen Strommarkt bis 2015 liberalisieren. Tendenziell dürften sich die Strompreise nach oben anpassen. Noch heuer sollen große Industriebetriebe den Stromlieferanten frei wählen können.

EVN, die in und um die Stadt Plovdiv rund 1,5 Mio. Haushalte versorgt, hat in den sieben Jahren ihres Bulgarien-Engagements rund 550 Mio. Euro investiert, war immer profitabel und hat so gut wie alle Gewinne reinvestiert - unter anderem in 1,5 Millionen neuen Stromzähler (um den Stromschwund zu senken), 15.000 km neue Leitungen und 1500 Trafos. (Günther Strobl, DER STANDARD, 21.2.2013)

Share if you care.