Das ewige Leid mit dem Taschengeld

20. Februar 2013, 17:16
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Taschengeld soll Kindern helfen, den Umgang mit Geld zu erlernen. Festgelegt sein sollte, wofür die Kinder damit selbst aufkommen müssen

"Aber ich will das haben!" Eltern kennen diesen Satz wohl gut. Egal, ob es im Kleinkindalter die Schokolade ist oder später das neue Paar Trendschuhe: Bedürfnisse wollen gestillt werden - und das möglichst sofort. Weil heute sehr oft beide Elternteile arbeiten und den Familien damit auch mehr Geld zur Verfügung steht, zeigen sich Eltern gerne nachsichtig. Was ist schon dabei, wenn dem Kind nach Aufbrauchen des Taschengeldes noch zehn Euro für das Kino zugeschoben werden, weil doch alle Freunde heute ins Kino gehen wollen?

Alexander Maly von der Schuldnerberatung Wien sieht darin eine Gefahr. Die Erfahrung, dass man sich in dieser Woche oder in diesem Monat etwas nicht mehr leisten kann, weil man sein Taschengeld ausgegeben hat, geht verloren. "Aufgrund der Doppelbelastung Job/Kind haben Eltern oft ein Schuldgefühl, dass sie zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen. Das wird nicht selten mit Geld kompensiert", sagt Maly. Verloren geht damit auch die Lektion, sich sein Geld einzuteilen.

Vorbildwirkung der Eltern

Auch dem Marken- und Konsumterror, der durch Werbung erzeugt wird, dürften Eltern nicht bedingungslos folgen. Vor allem dann nicht, wenn die Eltern selbst mit dem Einkommen straucheln, ihren Kindern aber alles zur Verfügung stellen. Für diese Kinder könnte es später schwer werden, ihren gewohnten Standard zu halten. Dann ist laut Maly der Weg in die Schulden nicht mehr weit. Die Vorbildwirkung der Eltern beim Umgang mit Geld kann für den Experten daher "gar nicht hoch genug gestellt werden".

Was aber tun, wenn die Kids quengeln? Die Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger rät zu einer frühkindlichen Gelderziehung. Obwohl Kleinkinder mit dem Begriff "Geld" noch wenig anfangen können, können Eltern ihnen die Bedeutung von "viel" und "wenig" vermitteln. In einem Leitfaden für den Umgang mit Geld, den die Expertin für die Erste Bank erstellt hat, rät sie zur frühen Einbindung der Kinder zur Wünscheerfüllung. Für das heiß begehrte Stofftier können auch Kleinkinder schon etwas leisten, das Eltern belohnen können. Etwa die Spielsachen wegräumen oder selbstständig Zähneputzen.

Damit würden Alltagssituationen der Kinder genützt, um den Wert von Dingen zu erfahren. Zugleich sei das eine Übung, um zu lernen, dass Bedürfnisse auch aufgeschoben werden. Je älter die Sprösslinge werden, desto mehr sollten Eltern abklären, für welche Ausgaben die Kids auf ihr Taschengeld zurückgreifen müssen. Die Bereitstellung eines Taschengeldes sei ein gutes Instrument, um das Verwalten des eigenen Geldes zu erlernen. Aber auch, um bewusste Entscheidungen zu treffen und Verzicht zu üben.

Spielerischer Umgang

Den spielerischen Umgang mit Geld will auch das Unternehmen Three Coins mit dem Spiel The Cure ermöglichen. Die Handlung: Der Spieler landet auf einer verseuchten Insel, auf der es darum geht, das Dach über dem Kopf zu sichern. Dafür steht die Ressource "Cure" zur Verfügung. Diese Substanz entgiftet den Körper - ist also auf der Insel lebensnotwendig und gilt zugleich als Währung. Mit dieser Ressource muss hausgehalten werden, denn auf die Spieler warten Hürden wie Mieterhöhungen oder sonstige unvorhergesehene Kosten. "Wir haben bewusst nicht Geld als Ressource eingesetzt", erklärt Lena Robinson von Three Coins. "Im Fokus soll der spielerische Umgang mit 'Cure' sein, um jene Kompetenzen zu vermitteln, die auch im Umgang mit Geld wichtig sind."

Mit dieser Spielidee hat Three Coins 2011 bei "Ideen gegen Armut" gewonnen. Der Prototyp soll im April fertig sein. Ab Herbst soll das Spiel im Internet gratis bereitstehen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 21.2.2013)

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    Bereits Kleinkinder sollten den Wert des Geldes erlernen.

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