Irritierende Dingwelten

20. Februar 2013, 17:27
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Fotografien von Stefanie Seufert und Stefan Panhans in der Galerie Engholm: "Objects & Items"

Wien - Sieben bis zehn Millionen ist ein Video von Stefan Panhans betitelt, in dem ein völlig aufgelöster Mann vom Kauf eines technischen Gerätes erzählt. Ein fünf Minuten langer aberwitziger Monolog, der von der Unmöglichkeit handelt, in einer von Waren und Werbung übersättigten Welt die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Mit der Serie Items for Possible Video Sets (seit 2007) knüpft Panhans an den Komplex Warenwelt an: Autos sind auf seinen Fotografien zu sehen, Sneakers, Spielzeug, Cowboyhüte, Baseballschläger, aber auch Lampen oder Baguette.

Seine glänzenden Aufnahmen spielen mit der Werbeästhetik und rücken die unterschiedlichen Waren durchaus ins richtige Licht. Damit bliebe im Grunde alles im Lot, wären da nicht die eigenwilligen Kombinationen: Neben dem Schuh ist Vogelfutter verstreut, die chinesische Lampe hängt vor einer Kletterwand und unter einem versilberten Zweiglein mit Kerzen liegt ein zerknüllter Einkaufszettel.

"Es ist eine Kunst aus der Ära der Finanzblasen, der kriminellen Hedgefonds, von Bankenpleiten etc.", zitiert der Pressetext die deutsche Kunstkritikerin Gislind Nabakowski, die so die durch die Bilder vermittelte Unstimmigkeit sehr gut beschreibt.

Stefanie Seuferts Fotografien haben mit alledem nicht so viel zu tun: things without a name (2012) heißt eine Serie feiner Fotogramme, auf denen winzige, kaum definierbare Gegenstände zu sehen sind. Auch ihre Fotoserie blind (2011) ist weitgehend abstrakt. Die Künstlerin hat dafür mit Farbfolien experimentiert, während sie auf der anderen Seite der Galerie Engholm mit einer Reihe von Tannen (2007) wieder mehr hin zur Wirklichkeit führt.

Dass es Maren Lübbke-Tidow, Kuratorin der Doppelausstellung und Redakteurin der Fotozeitschrift Camera Austria, jedoch kaum um die Wirklichkeit ging, lassen auch diese Bilder von Nadelbäumen erahnen, die vor weißem Hintergrund ziemlich verloren wirken. Auch in Seuferts Fotografie stehen viel weniger die Objekte im Fokus als vielmehr die visuellen Methoden, mit denen sie die Möglichkeiten fotografischer Bilder jenseits ihres ohnehin nicht mehr glaubhaften Abbildcharakters auslotet.   (Christa Benzer, DER STANDARD, 21.2.2013)

Bis 5. 3., Galerie Kerstin Engholm, Schleifmühlgasse 3, 1040 Wien

 

  • Glitzerhüte für Cowboys des Finanzkapitals oder doch eher Tarnkappen für die Scheinwelt des Kunstmarkts? - Stefan Panhans: "Items for Possible Videosets #28" (2012).
    foto: galerie engholm

    Glitzerhüte für Cowboys des Finanzkapitals oder doch eher Tarnkappen für die Scheinwelt des Kunstmarkts? - Stefan Panhans: "Items for Possible Videosets #28" (2012).

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