Irland gesteht Mitschuld an Zwangsarbeit in Frauenheimen ein

20. Februar 2013, 16:19
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In den katholischen Magdalenen-Heimen mussten 10.000 Mädchen und Frauen zwangsarbeiten - Premier Kenny entschuldigte sich jetzt bei den Opfern

Zeit wurde es: Mit seiner Entschuldigung vor den Opfern der irischen Mädchenheime im Parlament brachte der Premier Enda Kenny am Dienstag zu Ende, was seit zwei Wochen von OpfervertreterInnen aus dem ganzen Land von ihm gefordert wurde.

Neuer Bericht belegt Mittäterschaft des Staates

Nun, da der irische Staat seine Mitverantwortung für die katholische Institution der "Magdalenen-Heime" oder auch "Wäschereien" eingesteht, hofft man in Irland auf Versöhnung. Ein vor gut zwei Wochen präsentierter Bericht von Senator Martin McAleese hatte die Lebensbedingungen und Gräueltaten an den zigtausenden eingesperrten und entrechteten Mädchen und Frauen wieder ins öffentliche Bewusstsein gespült. Der unabhängige Bericht ließ auch keinen Zweifel daran, dass der irische Staat von den Heimen profitierte.

Der Bericht hält fest, dass zwischen 1923 und 1996, als erst das letzte Magdalenen-Heim seine Pforten schloss, mindestens 10.000 Mädchen und Frauen in diesen von katholischen Nonnen betriebenen Heimen festgehalten wurden. Fast alle von ihnen kamen aus ärmlichen Verhältnissen und wurden meist aufgrund einer für das katholische Auge "lasterhaften Lebensführung" kaserniert.

Was heute die Gemüter besonders erregt: Regierungsbehörden und die Polizei waren an der Verschleppung dieser Frauen - oft Alleinerziehende oder Kinder von Alleinerziehenden - beteiligt. Noch Mitte der fünfziger und sechziger Jahre reichte es, wenn Priester, Polizisten oder die eigenen Eltern das Verhalten der Mädchen als sittlich gefährdet einstuften, um sie in diese Heime zu stecken. Der Staat profitierte von der Zwangsarbeit, den die Frauen in den Wäschereien leisten mussten, z.B. indem die irische Armee als Auftraggeber in Erscheinung trat.

Vom Schutzraum zur Zwangsinstitution

Die Magdalenen-Heime hatten ihre Wurzeln in der Erlösungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Damals wurden in den Heimen obdachlose Prostituierte aufgenommen. Mit der Zeit entwickelten sich diese anfänglichen Schutzräume immer mehr zu Verwahrungsstätten von sozial unerwünschten Menschen. Die Insassinnen wurden zur Arbeit, teilweise mit zwölf-Stunden-Tagesschichten,  in Wäschereien verpflichtet. Sie mussten ihre Namen abgeben und bekamen von den Nonnen neue verordnet.

Nicht alle Frauen wurden gegen ihren Willen in die Heime gebracht. Laut dem Bericht kamen 19 Prozent der Insassinnen auf eigenen Wunsch. Allerdings gibt es ZeugInnenberichte, wonach die Frauen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angelockt worden waren.

Weiteres Entschädigungspaket

Kenny erklärte in seiner Rede, dass das Schicksal der Frauen einen langen Schatten über die irische Geschichte gelegt habe. Er sagte dem Parlament, dass die 10.000 Frauen das Mitgefühl und die Anerkennung verdienten, für das sie so lange gekämpft hätten.

Die Regierung gab zeitgleich ein Entschädigungspaket für rund 800 noch lebende ehemalige Insassinnen bekannt, berichtete der Guardian. Es umfasst Beratungsdienste, medizinische Versorgung und persönliche Zahlungen. AnwältInnen von Opfern hatte die Summe von 50.000 Euro als Pauschalsatz und zusätzlich 20.000 Euro für jedes Jahr des Aufenthaltes als Verdienstausfallentschädigung gefordert. Auf diese Weise könnte auf den Staat eine Entschädigungszahlung in Höhe von mehreren Millionen Euro zukommen. (red, dieStandard.at, 20.2.2013)

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    Innenansicht der heute verfallenen "Sisters of Our Lady of Charity Magdalene"-Wäscherei in Dublin.

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    Vor dem Parlament in Dublin versammelten sich am Dienstag Angehörige der Wäscherei-Opfer, um den Staat in die Verantwortung zu nehmen.

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