Neues Messverfahren zur Wechselwirkung von Medikamenten

20. Februar 2013, 16:51
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Mit der Methode der Massenspektrometrie gelang es Forschern die Dosis für Wechselwirkungsstudien an Probanden drastisch zu reduzieren

Heidelberg - In einer Arzneimittelstudie konnten Pharmakologen des Universitätsklinikums Heidelberg erstmals zeigen, dass sich Wechselwirkungen von Medikamenten mit Hilfe winziger Dosen im Nanogramm-Bereich nachweisen lassen. Der Vorteil: Durch die geringe Dosierung entfalten die Medikamente keine Wirkung und Nebenwirkungen.

Studien zu Wechselwirkungen von Arzneikombinationen können somit fast ohne Risiken und Belastung für die Teilnehmer durchgeführt werden - nicht nur wie bislang bei gesunden Probanden, sondern auch bei Patienten, wie die Forscher betonen. Die Studie wurde nun im medizinischen Fachjournal "Clinical Pharmacology & Therapeutics“ veröffentlicht.

"Viele chronisch kranke oder ältere Patienten nehmen heute mehrere Arzneimittel ein. Rund zwei Prozent aller Krankenhausaufenthalte in Deutschland sind die Folge von Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten. Das ließe sich vermeiden, wenn die Wechselwirkungen bekannt wären und beachtet würden", sagt Walter Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Nanogramm-Bereich messbar

Nur wenige Arzneimittelkombinationen wurden bislang systematisch auf Wechselwirkungen geprüft. "Viele Risiken sind heute noch weitgehend unbekannt und sollten untersucht werden“, so Haefeli. Dafür werden derzeit, nach ersten Tests an Tieren, Kombinationen an gesunden Probanden erprobt – mit therapeutisch üblichen Dosen. Je nach Medikament kann dies aber den Organismus mehr oder minder stark belasten. Zudem reagiert ein Gesunder anders auf ein Medikament als ein Kranker, wodurch Studienergebnisse nur bedingt auf Erkrankte umgelegt werden können.

Mit Hilfe einer ultrasensitiven Methode - der Massenspektrometrie - gelang es dem Forscherteam um Walter Haefeli, die Dosis für Wechselwirkungsstudien an Probanden drastisch zu reduzieren: Diese modernen Geräte sind so empfindlich, dass sie die Arzneimittel bereits in einem einzigen Tropfen Blut identifizieren können.

Die Wissenschaftler führten eine Wechselwirkungsstudie bei zwölf gesunden Probanden durch, die gleichzeitig das Pilzmittel Ketokonazol und das Schlafmittel Midazolam bekamen. Dabei setzten sie Dosen von 0,0000001 Gramm ein, die 30.000 Mal geringer waren als die zur Therapie verwendete Menge. Vergleiche mit höheren Dosen zeigten außerdem, dass die Arzneimittel sich in jeder Konzentration identisch verhalten. Bereits eine minimale Konzentration im Körper reicht daher aus, um das Ausmaß der Wechselwirkung bei normaler Anwendung zuverlässig vorherzusagen.

Anwendung bei Patienten

Mit Massenspektrometrie-Geräten kann die Geschwindigkeit, mit der ein Arzneimittel abgebaut wird, erfasst werden. Sie kommt überall dort zum Einsatz, wo geringe Mengen in Flüssigkeiten nachgewiesen werden sollen - wie etwa Verunreinigungen im Trinkwasser, Dopingmittel oder Umweltgifte. Dazu entnehmen die Mediziner nach bestimmten Zeitintervallen jeweils ein wenig Blut oder andere Körperflüssigkeit, um darin die verbliebene Konzentration des Wirkstoffs zu bestimmen. Das Massenspektrometer sortiert die Moleküle und bestimmt ihre Konzentration. Anhand ihrer charakteristischen Eigenschaften können die Arzneimittel zuverlässig identifiziert werden.

"Wir haben erstmals nachgewiesen, dass wir mit diesem Verfahren selbst extrem niedrig dosierte Wirkstoffe im Blut finden, quantitativ bestimmen und ihre Wechselwirkungen nachvollziehen können“, sagt Haefeli. Der Pharmakologe will das neue Verfahren nun auch bei Patienten prüfen. "Da wir minimale Medikamenten-Dosierungen anwenden können, sind diese Untersuchungen auch bei Patienten unbedenklich“, ist Haefeli überzeugt. (red, derStandard.at, 20.2.2013)

  • Mit Massenspektrometrie-Geräten kann die Geschwindigkeit, mit der ein Arzneimittel abgebaut wird, erfasst werden. "Wir haben erstmals nachgewiesen, dass wir mit diesem Verfahren selbst extrem niedrig dosierte Wirkstoffe im Blut finden, quantitativ bestimmen und ihre Wechselwirkungen nachvollziehen können“, sagt der Pharmakologe Walter Haefeli.
    foto: universitätsklinikum heidelberg

    Mit Massenspektrometrie-Geräten kann die Geschwindigkeit, mit der ein Arzneimittel abgebaut wird, erfasst werden. "Wir haben erstmals nachgewiesen, dass wir mit diesem Verfahren selbst extrem niedrig dosierte Wirkstoffe im Blut finden, quantitativ bestimmen und ihre Wechselwirkungen nachvollziehen können“, sagt der Pharmakologe Walter Haefeli.

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