Neuer Blog: "Karibu Nairobi! Willkommen!"

Blog26. Februar 2013, 10:18
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Victoria Lainer begibt sich auf eine Reise von Nairobi nach Johannesburg und bloggt darüber. Wir begleiten sie auf ihrem Weg durch Afrika

Endlich bin ich in Nairobi angekommen, der ersten Station meiner Reise. Mein Freund hat hier seit Oktober an dem Waisenhaus- und Schulprojekt St. Catherine in Kibera mitgearbeitet. In den Tagen hier lerne ich die vielen Seiten und Gesichter Nairobis kennen, das voller Kontraste ist.

Stadt der großen Gegensätze

Nairobi, die vibrierende Hauptstadt Kenias, ist die größte Metropole Ostafrikas. Viele multinationale Konzerne, internationale Organisationen und NGOs haben hier ihren Sitz, unter anderem auch die UNO. Unterschiedliche wirtschaftliche, geschäftliche, politische, geschichtliche und soziale Gründe sind ausschlaggeber dafür, dass sich in Nairobi viele Europäer, Amerikaner, Chinesen, Inder und Menschen aus den umliegenden Ländern sowie aus allen Ecken Kenias einfinden. Somit ist das Stadtbild von Nairobi von großer Vielfalt geprägt. Menschen aus verschiedensten Nationen und mit unterschiedlichen Religionsbekenntnissen leben hier friedlich nebeneinander. Allerdings führen die Stammeszugehörigkeiten der Kenianer vor allem seit den politischen Unruhen 2007/08 immer wieder zu Auseinandersetzungen. 

Arm und Reich Tür an Tür

Eine andere Schattenseite dieser Vielfalt ist für mich die direkte und enge räumliche Koexistenz der Superreichen und der Slumbewohner, die mich immer wieder schockiert. Je nach Verkehrslage kommt man mit dem "Matatu" (Minibus) innerhalb von zehn Minuten vom Stadtzentrum und ihrer Skyline nach Kibera, einem Meer von Wellblechhütten.

Kibera wird laut der UNO von rund 600.000 Menschen bewohnt und ist der zweitgrößte Slum Afrikas und einer der größten weltweit. Rund 60 Prozent der Bevölkerung sind Kinder. Die Menschen leben hier auf engstem Raum unter unwürdigen Bedingungen. Kibera wird von der Stadtregierung zwar toleriert, aber nicht in die Stadtplanung eingebunden. Für die Menschen dort bedeutet das, dass sie sich auf die eigenen Beine stellen und aktiv werden müssen. 

Not macht Schule

Obwohl die Regierung von Kibaki eine flächendeckende Volksschulbildung versprochen hat, gibt es für die rund 400.000 Kinder nur drei staatliche Schulen. Die Privatschulen sind für den Großteil der Bevölkerung nicht bezahlbar. St. Catherine ist ein sogenanntes Grassroots-Projekt, da es von Leuten vor Ort aus der Notlage heraus gegründet wurde. Im Jahr 2000 fing Pastor James aus Kibera an, sich gemeinsam mit Nachbarn und Gemeindemitgliedern um die Bildung von Kindern zu bemühen, die keinen Platz in den vorhandenen Schulen hatten.

Die hohe HIV-Rate in Kibera von geschätzten 20 Prozent lässt viele Kinder als Waisen zurück. Heute werden in der Schule 250 Kinder in allen Volkschulklassen unterrichtet (in Kenia sind das acht Klassen plus Vorschule). Da der Unterricht bis zum Nachmittag dauert, bekommen die Kinder mittags eine warme Mahlzeit. Es werden nur geringe Schulgebühren eingehoben, und je nach der finanziellen Lage ihrer Eltern sind auch viele davon ausgenommen.

Derzeit leben 23 Waisen in den Wellblechhütten von St. Catherine. Eine der Hütten war in einem solch schlechten Zustand, dass es hineinregnete und sie darüber hinaus einsturzgefährdet war. Durch Spenden konnte das Gebäude neu errichtet werden. Durch eine weitere Spende wurde ein Grundstück außerhalb von Nairobi erworben, auf dem bereits ein Treibhaus und zwei Fischteiche errichtet werden konnten. Das langfristige Ziel ist, sich finanziell unabhängiger machen zu können. Für mich ist das Projekt sehr spannend und interessant, da hier nach Möglichkeit sehr nachhaltig und bewusst gearbeitet wird. Darüber hinaus wurde es nicht, wie viele Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit, von oben beauftragt, sondern von den Leuten vor Ort gestartet.

Pulverfass Wahlen?

Kenia ist im Moment geprägt von den bevorstehenden landesweiten Wahlen am 3. März. Tagtäglich finden Wahlkampfreden und Umzüge der verschiedenen Parteien statt. Die Mauern sind mit Wahlplakaten gepflastert, auch Matatus werben mit Plakaten für Präsidentschaftskandidaten. Nach den gewaltvollen Ausschreitungen 2007/08 ist vor allem unter der internationalen Gemeinschaft die Angst groß, dass sich diese nun wiederholen könnten. Die Kenianer sind zum Großteil positiver eingestellt und hoffen stark auf einen friedlichen Ausgang der Wahlen.

Es werden große Konzerte organisiert, um für ein friedliches Miteinander aufzurufen. Auch ein Hersteller von Farben ruft in seinen Werbungen die Kenianer auf, den Frieden zu wählen. Die beiden Kandidaten, die den Umfragen nach derzeit mit Abstand in Führung liegen, waren beide in die damaligen Unruhen involviert. Uhuru Kenyetta, einer der beiden Kandidaten, ist sogar zusammen mit seinem Koalitionspartner William Ruto  vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Auch wenn ich, wie die Kenianer, stark auf einen friedlichen Ausgang der Wahlen hoffe, bin ich doch froh, dass wir noch vor der Wahl die Weiterreise nach Tansania antreten. (Victoria Lainer, derStandard.at, 26.2.2013)

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