Telekom-Prozess: Alle warten auf Hochegger

20. Februar 2013, 11:21
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Richter legt Tagebuch von "Kronzeuge" Schieszler zur Einsicht für die Anwälte auf

Am fünften Verhandlungstag beim Prozess um die Kursmanipulation der Telekom Austria-Aktie im Februar 2004 steht heute ein Zeuge im Mittelpunkt des Interesses: Der umtriebige Lobbyist Peter Hochegger, Beschuldigter in mehreren Strafverfahren. Er sagt heute erstmals vor einem Richter zu den Telekom-Vorwürfen aus. Als Beschuldigter kann er sich der Aussage entschlagen - allerdings nur gesamt oder gar nicht. Angeklagt ist Hochegger in diesem Verfahren nicht.

Den Befragungsreigen eröffnet hat heute der Zeuge Hans Fuhrmann, im Jahr 2004 Leiter der Abteilung Investor Relations bei der Telekom. Er sagte unter Wahrheitspflicht aus, dass er bis zuletzt der Meinung war, dass der entscheidende Kurs von 11,70 Euro, der ein Bonusprogramm für das Management auslöste, nicht erreicht wurde. Das habe er am entscheidenden letzten Tag des Beobachtungszeitraums, dem 26. Februar, auch dem damaligen Generaldirektor Heinz Sundt mitgeteilt.

"Wahrscheinlich von der Bank Austria"

Als er wieder das Büro seines Chefs verlassen habe, habe ihn ein Händler, "wahrscheinlich von der Bank Austria", angerufen und gefragt, "ob wir schon den Sekt aufgemacht haben". Er sei dann wieder zurück und habe Sundt mitgeteilt, dass der Kurs von 11,70 doch erreicht wurde. Dass er, Fuhrmann, die Kurserreichung nicht selbst bemerkt habe, begründet er damit, dass seine Daten am "Reuters-Schirm" etwas zeitversetzt aufgepoppt seien. Auch habe er damals nicht gewusst, dass es noch eine Nachauktion gebe - das habe er erst am letzten Tag erfahren, meinte der Zeuge unter dem Kopfschütteln des Staatsanwalts. Dass er von einem Händler angerufen wurde, erklärte sich Fuhrmann damit, dass das Optionenprogramm für den Telekomvorstand "bei den Banken ein großes Thema war".

Zur Eröffnung des Verfahrens hatte Richter Michael Tolstiuk den Verteidigern der Angeklagten angeboten, das Tagebuch des vermeintlichen Kronzeugen Gernot Schieszler im Gericht einzusehen. Mitnehmen dürften sie es aber nicht, denn sonst könnten Teile des Buches in den Medien landen. (APA, 20.02. 2013)

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