Warum Amazon einen Automechaniker als Cloud-Chef einstellte

20. Februar 2013, 09:46
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Hamilton ist für die milliardenschweren Datencenter von Amazon verantwortlich

Das Datencenter der Amazon Web Services wird von einem Mann überwacht, der ursprünglich Automechaniker war. James Hamilton ist dafür verantwortlich, dass Netflix, Dropbox oder Pinterest keine Ausfälle haben und rund um die Uhr funktionieren. Er ist derjenige, der bei einem Stromausfall, der durch einen Sturm verursacht wurde, das Datencenter wieder zum Laufen bringt. Wired hat den wichtigsten Mann von Amazon etwas unter die Lupe genommen.

Ideen und Perspektiven

Bei der Einführung der Amazon EC2 und S3 Web Services im Jahr 2006 dachte noch niemand, dass ein Buchhändler wie Amazon einen Dienst zur Verfügung stellen könnte, der für das Unternehmen eines Tages zum Multimilliarden-Dollar-Geschäft wird und für etwa ein Prozent des Internetverkehrs verantwortlich sein wird. Mit dem Erfolg kamen aber auch die ersten Probleme. Herausforderungen, denen James Hamilton gewachsen ist. Trotz der Geheimhaltung der Interna, die in diesen Datencentern vor sich gehen, führt Hamilton einen Blog, in dem er Ideen und Perspektiven aufgreift, die ihm zu einem guten Ruf verholfen haben.

Moderate Preise

Der Kanadier ist dafür bekannt, bereits einiges für die Cloud Computing Branche geleistet zu haben. Services wie Amazon müssen auf die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Amazon vertrauen – und alles zu einem moderaten Preis.

Die Karriere

Hamilton lebt Wired zufolge auf einem Boot und hat vor seiner Karriere als Automechaniker für Ferraris und Lamborghinis gearbeitet. In den 1980ern fing Hamilton an, sich mit Datenbanken zu beschäftigen und ließ die Autos dafür  stehen. Zunächst beschäftigte sich Hamilton mit der DB2-Datenbank von IBM und später mit Microsofts SQL Servern, wo er für die Einführung der modularen Datencenter mitverantwortlich war. 2009 ging er dann zu Amazon, wo er unter anderem an eigenen energieeffizienten Servern entwickelt. Er arbeitet mal von Hawaii aus oder fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Seine Einkäufe lässt er sich durch Amazon Prime liefern.

Uni-Vorträge

James Hamilton bloggt nur Auszüge aus seinem geheimen Arbeitsleben bei Amazon, doch seine Ideen finden Anklang. Er analysiert dort beispielsweise auch Stromausfälle, wie sie während des Super Bowls in diesem Jahr passierten. Er schrieb darüber, wie man den Ausfall hätte vermeiden können und stellt seine eigene Analyse dazu. Der Mittfünfziger wurde mittlerweile auch einige Male als Gastredner an der Universität von Washington eingeladen, wo er angeblich "spektakuläre" Vorträge über Datencenter-Design und –Effizienz hielt. In der Cloud-Branche wird Hamilton als großer Visionär angesehen.

Ein seltenes Talent

Ein Talent wie Hamilton ist laut Ed Lazowska, einem Universitäts-Professor in Washington, der Hamilton kennt, schwer zu finden. In einem Multimilliarden-Dollar-Geschäft gibt es nicht viele Menschen, die ein Datencenter im Amazon-Größe überblicken und verwalten können. Vor allem sei es schwer jemanden zu finden, der dies auf kosteneffiziente Art und Weise macht. (red, derStandard.at, 20.2.2013)

  • James Hamilton lebt auf einem Boot, fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit und überwacht ein Prozent des Internetverkehrs
    screenshot: youtube

    James Hamilton lebt auf einem Boot, fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit und überwacht ein Prozent des Internetverkehrs

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