"Ich muss den Drogen nicht mehr hinterherlaufen"

Interview | Regina Walter
22. Februar 2013, 05:30
  • Zubereitung eines Drogenersatzmittels in der Apotheke.
    foto: apa/georg hochmuth

    Zubereitung eines Drogenersatzmittels in der Apotheke.

Die Journalistin Lisa R. lebt seit 13 Jahren im Substitutionsprogramm - Aus Angst vor Stigmatisierung weiß in ihrem Umfeld niemand davon

In Österreich befinden sich derzeit etwa 17.000 Patienten in einer Opioid-Substitutionstherapie. Lisa R.* ist eine davon: Die Journalistin war heroinsüchtig und lebt seit 13 Jahren im Substitutionsprogramm. Ihre Medikamente ermöglichen ihr ein normales Leben, von präventiven Maßnahmen hält sie wenig.

derStandard.at: Heroinsüchtige, egal ob im Substitutionsprogramm oder nicht, werden von der Bevölkerung als verwahrloste Junkies wahrgenommen. Was unterscheidet Sie von diesen Menschen?

Lisa R.: Ich lebe seit mehr als 13 Jahren in diesem Programm und bin sehr stabil. Im ersten Jahr habe ich vielleicht noch fünfmal begleitend zu meinen Medikamenten Heroin konsumiert. Danach nie wieder. Ich nehme morgens und abends meine Tablette ein, lebe aber ansonsten wie jeder andere ein ganz normales Leben.

Die Menschen, denen man auf der Straße begegnet, sind geprägt von Antriebslosigkeit. Ich kenne dieses Gefühl, diese Lust- und Kraftlosigkeit. Möglichkeiten werden einem nicht angeboten, deshalb vegetiert man in den Tag hinein, oft auch draußen, um nicht alleine zu sein. Diejenigen, die im Substitutionsprogramm sind, verkaufen ihre Medikamente, um an Heroin zu kommen. Der Schwarzmarktwert einer solchen Tablette ist ja ziemlich hoch.

derStandard.at: Müssen diese Patienten die Substitutionsmedikamente denn nicht unmittelbar vor dem Apotheker konsumieren?

Lisa R.: Ich nicht. Es ist vom betreuenden Arzt abhängig und davon, welchen Eindruck der Amtsarzt beziehungsweise Apotheker von dem Patienten gewinnt. In meinem Fall konnte ich vermitteln, dass ich stabil bin. Da ich einen geregelten Tagesablauf besitze und einer beruflichen Tätigkeit nachgehe, bekomme ich meine Medikamente immer im Voraus für eine ganze Woche verabreicht.

derStandard.at: Was bringt das für einen Vorteil?

Lisa R.: Einen großen, denn in einer Apotheke steht der Suchtpatient in einer Reihe mit anderen Kunden, die gerade auf ihr Aspirin oder ihre Nasentropfen warten. Dann kommt der Apotheker mit seinem Morphiumordner und öffnet ihn. Die Namen darin und auf dem Rezept sind für jeden ersichtlich. Der Betroffene ist total exponiert. Mein Apotheker verschwindet, sobald ich komme, nach hinten, verpackt die Medikamente in ein normales Sackerl und gibt mir dieses dann. Kein Mensch bekommt dabei mit, dass es sich um Morphin retard handelt.

derStandard.at: Wie ist das beim Amtsarzt?

Lisa R.: Auch nicht anders. Einmal im Monat gehen Substitutionspatienten zum Amtsarzt, um ihr Suchtgiftrezept stempeln zu lassen. Also man geht nicht direkt zum Amtsarzt, sondern legt das Rezept vor und wartet, bist es gestempelt wird. Irgendwann kommt der Amtsarzt dann in den Warteraum - da, wo auch alle anderen Patienten sitzen -, verkündet den Namen, und gleichzeitig brüllt er, dass das Substitutionsrezept abgestempelt ist. Ich habe mit der Amtsärztin schon vor Jahren ausgemacht, mich in das Arztzimmer zu holen.

derStandard.at: Es ist also wichtig für Sie, dass Ihre Umgebung davon nichts mitbekommt. Wissen Ihre Familie und Ihr Arbeitgeber Bescheid?

Lisa R.: Nein, es gibt genau drei Menschen, die davon wissen. Das sind mein jetziger Lebenspartner und zwei Menschen, die mich im Laufe meiner Drogenkarriere begleitet haben.

derStandard.at: Wie lebt es sich damit, immer schweigen zu müssen?

Lisa R.: Es ist Gewohnheit, und mir ist es lieber so. Es schützt mich vor Stigmatisierung. Ich finde es bedauerlich, dass niemand ein Problem damit hat, wenn Schmerzpatienten Morphium bekommen. Beim Substitutionspatienten will das keiner, weil der ist und bleibt der klassische Junkie, der auf der Straße herumliegt, alten Frauen die Handtaschen klaut und versucht, irgendwie an Geld heranzukommen. Sucht wird allgemein als Zeichen von Schwäche und nicht als chronische Erkrankung betrachtet.

derStandard.at: Macht Sie das Morphin retard high?

Lisa R.: Nein, die Substitution verfolgt ja nicht das Ziel, berauscht zu sein, sondern hält den Morphinspiegel aufrecht, den der süchtige Organismus braucht. Wenn ich das Medikament verspätet einnehme, merke ich relativ schnell, dass ich zu schwitzen beginne und unruhig werde. Nehme ich die Tablette ein, dann geht es mir sehr rasch körperlich wieder besser. Wenn ich also meinen Einnahmenrhythmus einhalte, verspüre ich weder in der einen noch in der anderen Richtung irgendeine Wirkung.

derStandard.at: Das Substitutionsprogramm ermöglicht also ein normales Leben?

Lisa R.: Genau, und gibt den Betroffenen dazu die Möglichkeit, nicht permanent ihren Drogen hinterherlaufen zu müssen. Ich selbst musste, bevor ich mit der Drogenersatztherapie begonnen habe, monatlich neben den Lebenserhaltungskosten zwischen 50.000 und 70.000 Schilling aufbringen, um die Drogen zu erwerben. Der Druck ist also hoch und der Grat hin zur Kriminalisierung ist tatsächlich schmal.

derStandard.at: Waren es vor allem die finanziellen Gründe, die sie dazu bewogen haben, an dem Substitutionsprogramm teilzunehmen?

Lisa R.: Es ging gar nichts mehr. Ich habe mein Studium vernachlässigt, mein Konto war weit überzogen, und ich musste jede Nacht als Kellnerin arbeiten, um an Geld zu kommen. Irgendwann habe ich es auch mental nicht mehr geschafft. Ich wollte nicht mehr täglich irgendwo hinfahren und irgendeinen Dealer treffen. Es war furchtbar.

derStandard.at: Wie war Ihr Einstieg in das Programm?

Lisa R.: Ich bin zufällig einem Mädchen über den Weg gelaufen, mit dem ich zuvor gemeinsam in einer Studenten-WG gewohnt hatte. Sie war bereits im Substitutionsprogramm und hat mir dann eine Woche einen Teil ihrer Substitutionsmedikamente überlassen. Damit wollte sie mir zeigen, wie es sich anfühlt, wenn man nicht mehr jeden Tag Drogen besorgen und konsumieren muss. Mit Hilfe ihrer Medikamente habe ich dann die Zeit bis zu meinem ersten Termin bei meiner Ärztin überbrückt. Die war im Übrigen am Anfang etwas sauer darüber, weil ihr das Mädchen quasi die Möglichkeit genommen hatte, mich auf ein anderes Medikament einzustellen.

derStandard.at: Ist die Drogenersatztherapie auf einen langfristigen Entzug ausgelegt?

Lisa R.: In erster Linie ist sie darauf ausgelegt, einen Menschen zu stabilisieren, ihm die Möglichkeit zu geben, einen ganz normalen Alltag zu erleben, ohne diesen Stress, Geld und Drogen besorgen zu müssen. Sobald ein Patient stabil ist, wird auch eine sukzessive Reduktion angestrebt, so lange, bis die erforderliche Opiatmenge so gering ist, dass auf ein alternatives, schwächer wirksames Medikament umgestellt werden kann. Der Entzug, der dabei entsteht, ist angeblich nicht so massiv und kann mit begleitenden Medikamenten wie Schlafmitteln reduziert werden.

derStandard.at: Wo stehen Sie nach 13 Jahren Therapie?

Lisa R.: Ich wurde bereits zweimal reduziert, schätze also, dass ich mich ungefähr auf halbem Weg befinde. Ich bin aber selbst die Bremse. Meine Ärztin fragt mich immer wieder, ob ich reduzieren will, aber ich habe Angst vor den körperlich unangenehmen Zuständen. Ich weiß aber, dass es bald so weit sein wird.

derStandard.at: Sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Lisa R.: Ich kann nicht für andere sprechen, aber ich hätte mir am Anfang mehr Aufarbeitung gewünscht. Ich weiß bis heute nicht, warum ich diesen Weg gegangen bin. Ich weiß nicht, war es Neugier, jugendlicher Leichtsinn, der Tod eines Partners, Veranlagung oder einfach nur Blödheit? Ich würde es gerne wissen, um es besser verarbeiten zu können.

derStandard.at: Wäre Ihnen bei entsprechender Prävention eine Drogenkarriere erspart geblieben?

Lisa R.: Ich erinnere mich, dass wir in der Schule "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" von Christiane F. vorgeführt bekamen. Auf 90 Prozent der Schüler hat dieser Film abschreckend gewirkt. Zehn Prozent haben gesagt: "Das will ich auch." Meiner Meinung nach ist Prävention in diesem Bereich nicht wirklich möglich.

derStandard.at: Warum nicht?

Lisa R.: Weil viel vom Umfeld abhängt. Wenn ein Mensch mit den "falschen" Leuten zusammentrifft und nebenbei auch noch einen Suchtcharakter besitzt, dann wird er es in jedem Fall ausprobieren, egal ob in der Schule präventive Maßnahmen getroffen wurden oder nicht. (Regina Walter, derStandard.at, 21.2.2013)

* Der Name wurde von der Redaktion geändert.

Hintergrund

Substitutionstherapie Als Substitutionsmittel stehen in Österreich Methadon, L-Methadon, Morphin retard und Buprenorphin zur Verfügung.

Methadon wird in Österreich in Form eine Zuckertrinklösung vom Apotheker hergestellt und darf als solche nur geschluckt werden. Vorteil ist die lange Wirkungsdauer. Nachteilig sind Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Antriebslosigkeit  und depressive Verstimmung.

Levomethadon (L-Poamidon) besitzt eine hohe analgetische Wirkung und wird als fertige Trinklösung angeboten.

Morphin retard (Substitol retard Kapseln, Compensan retard Filmtabletten) wird in Form einer Kapsel oder Tablette eingenommen. Der Kapselinhalt kann auch einem Löffel unter Aufsicht des Apothekers verabreicht werden. Kapseln und Tabletten dürfen nicht zerkaut oder zerkleinert werden. Der Wirkstoff wird gleichmäßig über 24 Stunden an den Körper abgegeben. In Wien sind circa 60 Prozent der Opiatabhängigen, die sich in einem Erhaltungsprogramm befinden, auf diese Substanz eingestellt.

Buprenorphin (Subutex) ist eine Mischung aus einem Opiat und einem Opiatblocker, besitzt also eine opiatähnliche Wirkung, die gleichzeitig etwas abgeschwächt wird. Das Präparat eignet sich für psychosozial stabile Patienten. Es wird in Tablettenform unter die Zunge gelegt (Sublingualtablette, Anm. Red.) und muss bis zur völligen Auflösung dort belassen werden. 

Vorteile der Opioidersatztherapie: reduziertes Risiko für Überdosierungen, Rückfall und Tod, reduzierter illegaler Substanzkonsum, reduziertes Risiko einer HIV-Infektion, reduzierte Kriminalisierungsrate, Verbesserung der psychosozialen Situation

Ziel der Erhaltungstherapie: Kein Entzug, kein Craving, kein Konsum von Heroin, keine Nebenwirkungen.

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Mir wird schlecht ... Teil IV

Diese Pauschalverurteilungen – die manch einer gepostet hat – sind einfach nur dumm. Ich finde es traurig, dass es Leute gibt, die so engstirnig und „einfach“ (im Sinne von ‚ohne Hirn’) denken. Gleich zu Beginn des Artikels steht „aus Angst vor Stigmatisierung weiß in ihrem Umfeld niemand davon“ – nach dem Lesen diverser Postings hier verstehe ich diese Aussage noch besser!

Mir wird schlecht ... Teil III

Ich möchte all die Menschen in so einer Situation sehen, die da unten so locker behaupten „in einem bis drei Monaten ist so ein Entzug erledigt – wenn der Betroffene das will.“ Tut er’s nicht, so will er nicht – so ein Schwachsinn!!! Die meisten haben doch echt überhaupt keine Ahnung von diesem Thema. Keiner weiß, welche Gründe Lisa dazu bewegen, den Weg so zu gehen wie sie ihn geht. Dumm dürfte sie nicht sein, sonst würde sie nicht als Journalistin arbeiten, sonst wäre sie nicht nach einiger Zeit aus eigener Kraft in eine Therapie gegangen, sonst würde sie ihr Leben nicht so meistern wie sie es tut, etc. Wer weiß, was sie für Pläne hat, welche Gedanken und Gründe für ihr Tun?

Mir wird schlecht ... Teil II

Glaubt wirklich jemand, dass es dann so leicht ist wieder ins Berufsleben (und auch ins Privatleben) zurückzufinden? Wie in dem Artikel steht, weiß keiner in Lisas Umfeld bescheid – wie soll sie denn erklären, dass sie jetzt auf einmal für längere Zeit zB in einer Klinik ist? Ich finde ein Mensch wie Lisa ist ein Paradebeispiel dafür, wie es laufen sollte. Sie meistert ihr Leben, hat einen beständigen Job, ein normales Umfeld, leistet ihren Beitrag zu unserer Gesellschaft, lebt mit dieser Doppelbelastung ohne vom Weg abzukommen und sie hat vor, irgendwann „ganz ohne“ zu leben. Soll sie nicht die Zeit bekommen, die sie dafür braucht?

Mir wird schlecht ... Teil I

...angesichts vieler dieser Postings! Das ist wieder einmal typisch österreichisch: über den Kopf des Betroffenen hinweg gescheit diskutieren, im Glauben sein, die Weisheit und alles Wissen mit dem Löffel gefressen zu haben, ohne einen Funken einer Ahnung zu haben, wie es um den einen Menschen/ den konkreten Fall steht. Glauben vieler der Leser und Schreiber hier denn wirklich, dass es so toll ist in/ mit so einem Programm zu leben? Glauben diese Menschen wirklich, dass es so leicht ist, während einer jahrelangen und ständigen Berufstätigkeit einen Entzug zu machen? Nach dem Motto: Ich bin jetzt mal für ein paar Monate weg und entziehe?

Mir wird schlecht

Also Gott, ich muß euch da überall recht geben. Die Meschen die meinen es ist so leicht Entzug, und Job und alles zu schaffen. Ich wohn in einem Kuhdorf und mich haben die Menschen da ausgestoßen. Die Menschen glauben immer, wir sind alle Einbrecher und Kriminelle weil man süchtig ist, das wir aber auch Gefühle haben und noch viel sensibler sind als der Rest der Welt das betont keiner.

Mir wird schlecht

Also abgesehen von der Ausgrenzung ist dieses Leben das Härteste was es gibt , Freunde findest voll schwer, weil alle denken wir sind Abschaum und einen Job durchzuhalten, also ich hab es nicht geschafft. Also ihr habt alle Recht und auch schon viele dieser unangenehmen Zustände erlebt

Ich versteh nicht ganz, warum man nach 13 Jahren nicht endlich komplett von dem Zeug weg will ?

ich verstehe nicht....

warum ist ein alkohliker immer gefährdet
warum werden meschen nach 20 jahren ihr übergewicht nicht los
warum rauchen so viele noch
mal nachdenken und dann würde ich ihnen vorschlagen "wenn sie immer noch nicht kapieren" sich mal mit franz zu unterhalten. Der kann ja mal eine Verbesserungsliste an seinen Chef schicken: So lieber Gott hier sind alle Konstruktionsfehler am Maeschlichen Körper:
1. Zähne: warum Schmerzen Die
2. Krebs: Bitte besseres Imunsystem einbauen
3. Schlaganfall/herzinfarkt: Artieren sind dringen Verbsserungwürdig
....
110: Gehirn verbessern das es auf Rasuch & suchtmittel nur mehr gesteuert reagiert!

Jetzt kapiert?

aus der erfahrung mit dem umfeld meiner tochter

weiß ich das die meisten nicht von dem schlechten heroin auf wiens strassen süchtig
werden sondern erst durch die tabletten die sie von anderen im substitionsprogramm sind
verkauf kriegen und dann selbst zum arzt gehen und sich erst richtig süchtig machen lassen.

Das Problem is also in 95 % durch die Substitionstherapie hausgemacht ...

(Vor 13 Jahren als Lisa R. in Therapie ging, wird das vielleicht noch anders gewesen sein, das Heroin war besser und erst seitdem wurde durch die Masse an Substitutionspatienten der Markt überschwemmt und dieser neue Zugang zur Sucht den Jugendlichen ermöglicht)

was für eine sch***

...

1113
24.2.2013, 08:02
Ich bin ja ein befürworter der Substitutionstherapie aber

wer nach 13 Jahren noch immer das Zeug braucht wollte nie aufhören.

Und wenn das so ist sollten diese Menschen die Mittel auch selber bezahlen. Ich hab auch was gegen Menschen die zum Spaß auf Kur fahren. Das ist nichts anderes....

Sucht....

Ich seit 35 Jahren Übergewicht, gelegentlich gelingt es mehr einen Teil davon loszuwerden, einmal habe ich es für 3 jahre auf mein Normalgewicht geschafft aber solange das essen nicht kalorienmäßig zugeteit wird werde ich kämpfen müssen -- Genauso geht es jemanden mit anderen Suchtproblemen..
Mei Einziger Vorteil sind hier die Kosten und das Essen halt nicht als Sucht gesehen wird und verboten ist
Aber sie sind natürlich perfekt und haben all diese Probleme nicht...

Es gibt viele Süchtige, die nicht aufhören können/"wollen".

Sonst hätten wir nicht 8.000 Alkoholtote pro Jahr in Österreich.
Es ist Teil der Krankheit Sucht.

Es ist eine Gnade, damit aufhören zu können - und keinesfalls eine Sache, die man mit dem Kopf beschließen und durchziehen kann. Aber das können viele Nicht-Süchtige nicht verstehen.

Brauchen tut sie es noch ja - aber es wurde schon reduziert. Es bringt nix hier einfach zu entziehen, dann muss sie wieder Drogen kaufen. Wenn der Entzug solange dauert, dann soll er das, wenn dadurch das Rückfallrisiko möglichst klein bleibt. So eine Sucht muss auch psychisch verarbeitet werden und da braucht der eine kurz und der andere länger. So ist das nunmal.
Wenn Depressionen mit Medikamenten behandelt werden und dies über Jahre, könnte man schlussendlich auch in ihren Worten argumentieren und die Mittel entziehen. Was hilft das? Genau nichts.

Ein entzug dauert aber nicht so lange

Ich weiß das es schwer ist, psychisch noch mehr als physisch. Aber da bräuchten sie einfach Unterstützung.
Ich kenne Menschen die einen Heroin Entzug machten und jeder wird sagen von Zigaretten los zu kommen ist schwerer. Körperlicher Entzug dauert 4-7 Tage wenn man einmal auf einer geringen Dosis ist. Psychisch ist die Sache anders, aber wenn man will geht das. Alle die die ich kenne die den Entzug selbst wollten wurden nie wirklich rückfällig, nach ein paar Monaten ohne Drogen.
Nur die meisten wollen ja nicht sondern müssen einen Entzug machen da sie sonst eine Strafe bekommen....

So funktioniert das einfach nicht.

Super Teil 2

Lassen sie uns mal Rechnen:
Einkommen (Akademikerin, Journalistin ca. 2500€ Brutto --> Einzahlung von ca € 1.500 in die öffentlichen Kassen / Monat (Inkl. Arbeitgeberanteile an SV) + Konsum (20% UST) also weitere € 200:
Gesamteinnahen des Staates: € 1700 / Monat od. € 20.400 / Jahr
Kosten Medikament (wenn nicht selbst bezahlt ) lt. Stiftung Warentest in D 20 Tabletten 15,71€ (also in Ö ca. 20€) oder 1 € /Tablette , bei 2 Tabletten pro Tag: € 730
Kosten Knast: Aufand Justizvollzug in Ö 2010: 337,6 Mio, Belegung: 8708 Gefangene, macht Pro Häftling & Tag: ca, 100€ oder 36,500€ / Jahr:
Also nach ihren Vorschlag würde uns € 60.000 im Jahr zur Einsparung von € 720 € Kosten: --> Weiter Teil 3:

Super

Und wie soll man überhaupt einen Entzug schaffen wenn man psychisch fertig ist, einem nniemand mehr mag von den normalen Menschen und niemand dich anruft wenn du im Spital bist, und niemand abholt wenn du Theerapie gemacht hast, wenn dich niemand motiviert und keiner ist da der dir das Gefühl gibt, das das Leben ohne Drogen schön wäre.

manche menschen können dinge nicht "psychisch" bearbeiten

Das hirn kann ein megatrickster sein, was man auch positiv für sich nutzen kann. Vergangenheit und Verarbeitungsprozesse kann man sich auch erfinden, ohne dass sie stattfinden müssten.
Jeder lebt defacto im jetzt und hier und kann theoretisch und praktisch seinen weg jede sekunde neu wählen und denkmuster aufgeben. Das ist die Realität! Das Leben und Sucht kann man sich auch "bleischwer denken".

Ja und im letzten Satz sagen sie es, man kann es sich auch "bleischwer denken". Und damit können sie vorher gesagtes vergessen. Es ist ja schön, wenn man vielleicht könnte, aber man kann nicht. Zwar sind Vergangenes und Gegenwärtiges (immer beides bitte) Konstrukte, aber das hilft einem nicht, wenn man sich davon nicht lösen kann. Außerdem mag es für den nicht Süchtigen leicht sein zu sagen, mach es einfach nicht (das mag ja auch funktionieren bei Dingen die nicht so extreme körperliche und geistige Reaktionen hervorruft) aber das ist hier gerade nicht der Fall. Wenn schon Leute vor Spritzen Todesängste haben können, wie nahe liegt es, dass jemand Angst vor einem harten Entzug hat.

angst vor einer spritze ist nichts anderes als hysterisch. Es ist nur modern darauf überhaupt einzugehen und das sage ich als junger mensch!

Schauen sie, wenn sie den Unterschied nicht zwischen einem Beispiel verstehen und dem was damit zum Ausdruck gebracht werden soll, dann bringt es relativ wenig mit ihnen zu diskutieren. Fakt ist, dass der Entzug psychisch und physisch extrem anstrengend ist (teils, wie sie vielleicht wissen, sogar so den Körper aus der Bahn wirft, dass man stirbt - alleine das sollte zu denken geben) und es daher nahe liegt, dass selbst dieser Angstzustände hervorruft. All das muss beherrscht werden, durch Hilfe, aber Hilfe bringt nur etwas, wenn man selbst damit eine Entwicklung durchmachen kann. Substitute sind dabei eine Hilfe auf diesem Weg.

Als Heroinprobierer bekommt man es dann mit der Angst zu tun? ...man könnte sterben..

Substitute....Die ändern psychisch genau was? Außer, dass man den Selbstkonftrontationszeitpunkt gegen unendlich schiebt und h-abhängige in langzeitsüchtige konvertiert....

Machen sie sich nicht lächerlich. Wenn sie nicht den Kontext verstehen, brauchen wir nicht weiterdiskutieren - und ich glaube nicht, dass diese Thema so lustig zu nehmen ist, wie sie es hier in das Lächerliche ziehen. Zsätzlich habe ich es ihnen weiter unten bereits vor einigen Minuten dargelegt.
Einen schönen Abend

ich verstehe sie nicht falsch....

ich glaube aber, dass die abhängigen sehr dazu neigen ein theater und mimikri zu veranstalten und sie bei der weichen, verständnisvollen und humanen Seite packen. Ich glaube auch, dass sie das wissen...

Die sind viel härter als Sie das einschätzen und können einem die energie rauben
Einen schönen Abend

Warum schreiben Sie dann, dass jemand die Vergangenheit psychisch bearbeiten müsste und das solange dauern kann, wenn es für Sie klar ist, dass es für Sie ein Konstrukt ist?

Es ist ganz einfach eine Ausrede..eine präsumptive Annahme und ein Verständnis für ein Konstrukt, das nicht existieren muss.

Daher kann man nichts für eine Person tun????

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