Elektrik aus dem Strom sparenden Ofen

19. Februar 2013, 18:28
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Das steirische Unternehmen MAG baut Lackdrahtmaschinen, die mit wenig Energie auskommen

Ein dünner Draht, dessen Durchmesser oft nur den Bruchteil eines Millimeters zählt, umgeben von einer hauchdünnen Kunststoffschicht: Sogenannter Lackdraht befindet sich in so gut wie jedem Gerät, das mit elektrischem Strom arbeitet - vom Handy bis zum Generator, vom Computer bis zu Elektromotoren, die in Autos automatische Fensterheber betreiben. Drei Millionen Tonnen Lackdraht werden weltweit pro Jahr produziert, die Hälfte davon auf Maschinen, die vom Hersteller MAG in Deutschlandsberg in der Steiermark geliefert werden.

Eine neu entwickelte Lackdrahtmaschine von MAG, Modell "Mozart Zero", ist für den Staatspreis Innovation 2013 nominiert, der vom Wirtschaftsministerium vergeben und von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice abgewickelt wird. Mozart Zero soll den Energieverbrauch bei der Fertigung stark reduzieren. "Mit einer der neuen Maschinen kann man im Vergleich zu früheren Modellen jährlich so viel Strom sparen, wie 571 Haushalte verbrauchen", sagt MAG-Vorständin Christa Zengerer.

Eine Lackdrahtmaschine zieht den Draht auf den gewünschten Durchmesser, bevor eine Mischung aus Lack und Lösungsmittel aufgebracht wird. In einem Ofen verdampfen die Lösungsmittel dann bei bis zu 700 Grad Celsius. Das Beheizen der Trocknungsluft verbraucht mit Abstand am meisten Energie bei der Lackdrahtfertigung und ist nach dem Lack selbst der zweitgrößte Kostenfaktor, erklärt Zengerer. Im Gegensatz zu der Ummantelung von Kabeln müssen die bis zu 24 Lackschichten, die im Produktionsprozess von Lackdrähten aufgebracht werden, auch in einem hohen Maß temperaturbeständig sein.

Die Energie, die im Produktionsprozess beim Verdampfen der Lösemittel frei wird, wurde auch schon bisher zum Beheizen der Ofenluft verwendet. Allerdings musste mit elektrischem Strom "dazugeheizt" werden, damit die Temperaturen konstant bleiben. Die Entwickler bei MAG konnten die Energieverluste nun so weit reduzieren, dass kein zusätzliches Heizen mehr notwendig ist: Die Energie aus dem Verbrennen der Lösungsmittel reicht aus, um die Temperatur im Ofen auf dem gewünschten Niveau zu halten. 60 Prozent des Energieaufwands einer Anlage - eben jene, die bisher für das elektrische Beheizen der Ofenluft notwendig war - werden so eingespart.

Die MAG, die 1962 aus dem damaligen Grazer Lackdrahterzeuger Eldra hervorging, beschäftigt heute 85 Mitarbeiter. "Wir entwickeln alles in Deutschlandsberg", sagt Zengerer. Den "Kopierern", großteils aus China, müsse man immer mehrere Schritte voraus sein. "Wir können den Preis unserer Maschinen nur rechtfertigen, wenn die Technologie stimmt", sagt Zengerer. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 20.01.2013)


Der STANDARD stellt im Rahmen der Serie Unternehmen vor, die für den Staatspreis Innovation 2013 nominiert sind.

  • Die neuen Lackdrahtmaschinen des steirischen Entwicklers MAG reduzieren den Energieverbrauch.
    foto: mag

    Die neuen Lackdrahtmaschinen des steirischen Entwicklers MAG reduzieren den Energieverbrauch.

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