Kontra Begrenzung von Banker-Boni

Kommentar19. Februar 2013, 19:28
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Placebo-Politik

Die Debatte über die gesetzliche Begrenzung von Banker-Boni ist eine klassische Scheindiskussion. Auch wenn die Bonus-Anteile in Relation zum Grundgehalt begrenzt werden, wird nach Umsetzung der EU-Richtlinien kein Manager weniger Geld in seinem Börsel haben als bisher. Institute, die Wert auf Topgagen legen, werden die Bezüge nur unter anderem Namen ausschütten. Wahrscheinlich ist, dass einfach die Fixgehälter angehoben werden. Die Kreativität der Banken, Schlupflöcher zu finden, darf auch nicht unterschätzt werden.

Dass es eigentlich um ganz etwas anderes geht, macht der EU-Abgeordnete Othmar Karas klar: "Wir nehmen niemandem etwas weg, aber es muss Fairplay, Gerechtigkeit und Transparenz geben", sagt er. Übersetzt heißt das: An den Bezügen ändert sich nichts, den Bürgern wird aber zumindest das Gefühl gegeben, dass dem so sei. Klassische Placebo-Politik also - in der Hoffnung, das empörte Wahlvolk schluckt die Pille, ohne zu merken, dass sie nicht wirkt.

Möchte man volkswirtschaftliche Gefahren, die vom Finanzsektor ausgehen, wirklich in den Griff kriegen, müsste man zu Unpopulärem greifen. Die Eigenkapitalquoten müssten so hoch angesetzt werden, dass Banken schwere Krisen ohne Hilfe des Staates überleben können. Beschließt man solche Vorgaben, würde aber kurzfristig die Kreditvergabe drastisch heruntergefahren. Und das können sich die rezessionsgeplagten Politiker nicht leisten. (Günther Oswald, DER STANDARD, 20.2.2013)

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