Im Zickzack zu mehr Pistenkilometern

19. Februar 2013, 18:43
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Nach der Kritik an der Schummelei mit Pistenkilometern wollen die Tiroler Seilbahner einheitliche und vergleichbare Maßangaben einführen. Derzeit kann jedes Skigebiet rechnen, wie es will

Innsbruck - Gut gelaunt ist der Juniorchef und Vorstand der Stubaier Gletscherbahnen, Reinhard Klier, dieser Tage nicht. Immerhin wurde ihm in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") vorgeworfen, mit den Pistenkilometern in seinem Skigebiet nicht allzu genau umzugehen. Der Stubaier Gletscher habe damit die Schummelliste angeführt. Die Aufregung und der Imageschaden seien enorm.

In einem Bericht der "FAS" war kritisiert worden, dass Angaben zu Pistenkilometern - auch in Tiroler Skigebieten - nicht korrekt seien. Autor Christian Schrahe, selbst Kartograf, hatte Lifte und Pisten der wichtigsten Skigebiete der Alpen in einer Datenbank digitalisiert. Dabei fiel ihm auf, dass seine eigenen Erhebungen der Falllinie mit den Pistenkilometerangaben der Skigebiete, beispielsweise auf deren Homepages, nicht zusammenpassten. 

Mehr als doppelte Länge ausgewiesen

Der Stubaier Gletscher wirbt im Internet etwa mit 110 Kilometern, habe laut Schrahe aber nur 48. Manche Wintersportorte in den Alpen würden "maßlos übertreiben", weil sie die Pisten nicht in der Falllinie messen würden, sondern in gefahrenen Kilometern. Diese könnten durch große Bögen ins "Unendliche" getrieben werden, hatte Schrahe kritisiert. Für Klier wird auf der Homepage des Gletschers aber gleich miterklärt, dass die "effektive Fahrstrecke, nicht die Luftlinie" gemessen werde. Außerdem würde ab einer Pistenbreite von 100 Metern doppelt gemessen, da eine zweite Pistenführung möglich wäre.

Franz Hörl, Obmann der Seilbahner in der Wirtschaftskammer kennt die Problematik. Auch in seinem eigenen Skigebiet in Gerlos habe er Schwierigkeiten mit der Vermessung. Es gebe eben keine klaren Richtlinien, wie Pistenkilometer angegeben werden müssten. Derzeit könne jedes Skigebiet selbst entscheiden, wie es messen wolle.

Und zwar nicht nur in Tirol, sondern international. "Dass es im Skigebiet Hochzillertal so weit fehlt, kann ich mir nicht vorstellen", sagt Hörl. In der "FAS" wurde kritisiert, dass es statt 181 nur 75 Pistenkilometer gebe. In der Silvretta Arena (Ischgl und Samnaun) seien es 154 statt 218 Pistenkilometer. Beim Verbund Alpbachtal-Wildschönau nur 57 statt 145 Kilometer. Da seien angeschlossene Skigebiete wohl kurzerhand mitgezählt worden, vermutet Hörl.

Nicht nur Tirol schummelt

In den USA würden Skigebiete überhaupt in Hektar statt in Kilometer angegeben. Wobei sich Hörl nicht vorstellen kann, dass sich Skifahrer Abfahrten in Hektar gut vorstellen könnten. Die Tiroler Seilbahner würden sich jedenfalls in den kommenden Tagen zusammensetzen und zumindest für Tirol eine einheitliche Regelung zur Messbarkeit ihrer Pistenkilometer zustande zu bringen, etwa im Pistengütesiegel. Eine internationale Einigung - kritisiert werden auch französische und italienische Skigebiete wie Portes du Soleil, Trois Vallées und Sella Ronda - kann er sich nicht vorstellen.

Kritisiert wird die fehlende Regelung nun auch von der Sportabteilung des Landes. Die Landesjuristen wünschen sich eine Pistenkilometerangabe aus Fläche und Kilometer in Falllinie, nicht im Zickzackkurs. Für den Tiroler Arbeiterkammer Chef Erwin Zangerl ist der Schwindel um Pistenkilometer angesichts der Liftpreise schlicht eine Unverschämtheit. Die Tirol Werbung fürchtet Unglaubwürdigkeit. (Verena Langegger, DER STANDARD, 20.2.2013)

  • Außer beim Abfahrtslauf wird selten in der Falllinie Ski gefahren. Also werden Pistenkilometer von den Betreibern von Skigebieten auch im Zickzack gemessen. Wer weiter carvt, macht mehr Kilometer.
    foto: rolf haid/dpa

    Außer beim Abfahrtslauf wird selten in der Falllinie Ski gefahren. Also werden Pistenkilometer von den Betreibern von Skigebieten auch im Zickzack gemessen. Wer weiter carvt, macht mehr Kilometer.

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