Immer an vorderster Front

19. Februar 2013, 17:55
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Seine Reportagen von den Kriegsschauplätzen der Welt sind legendär. Unter dem Titel "Robert Capa: China 1938" sind nun Fotos des gebürtigen Ungarn in der Wiener Leica-Galerie ausgestellt

Wien - Kein Name ist so sehr mit engagierten Bildreportagen aus Kriegsgebieten verbunden wie der seine. Zwar hatten Fotografen bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts, beginnend mit dem Krim- und dem amerikanischen Bürgerkrieg, die Geschehnisse festgehalten, aber erst Robert Capa ging so nahe heran, hielt so entscheidende Momente fest, dass sie zu wortwörtlichen Ikonen wurden - und zu wichtigen Dokumenten für Kriegsgegner.

Capa, als Endre Ernö Friedmann in Budapest geboren, war von früh an ein politisch engagierter Mensch, der es nicht lange im Ungarn des Horthy-Regimes aushielt. Über Berlin, wo er als Fotograf zu arbeiten begann, zog er nach Paris. Damals ermöglichte die Kleinbild-Leica erstmals, in schwierigen Lagen schnell und unkompliziert Fotos zu machen. Das kam ihm ab 1936 in Spanien zugute, wo er über mehrere Jahre an den Bürgerkriegsfronten fotografierte. Unter vielen seiner Aufnahmen wurde insbesondere jene des republikanischen Soldaten im Moment seines Todes berühmt. Zwar gibt es seither Zweifel an der Authentizität des Ortes und des Ereignisses, doch die Aussagekraft des Bildes überstrahlte diese Einwände.

Mut und Gestaltungskraft

Während seiner Aufträge in Spanien erreichte ihn ein weiterer von Life, dem Olymp der amerikanischen Fotoillustrierten: Capa möge die Invasion der Japaner in China dokumentieren. "Robert Capa: China 1938", die Schau in der Wiener Leica-Galerie, zeigt den gerade 25-Jährigen als immens versierten Fotografen. Er hatte sowohl den Mut, bedrohlichste Szenen aus nächster Nähe festzuhalten, wie auch die Gestaltungskraft, den Bildern einen gültigen Mehrwert zu verleihen, die sie aus der Menge "bloßer" Dokumente herausheben.

Sie zeigen die Zerstörungen in der Stadt Hankou (heute Wuhan) nach japanischen Luftangriffen, Verletztentransporte, Truppenübungen und Paraden in einer atmosphärischen Dichte, die man bis dahin nicht gesehen hatte.

Die Kuratorinnen Rebekka Reuter und Maria Röbl haben Abzüge aus den 1970er-Jahren gesichtet, 28 ausgewählt und so gut wie möglich durch Texte ergänzt. Dabei konnten sie auf die Artikel aus den Life-Heften zugreifen, die zusammen mit Capas Bildern in der Galerie ausgestellt sind.

Capa blieb weiterhin an vielen vordersten Fronten: Nach Spanien arbeitete er während der deutschen Angriffe in London, bei der Invasion der Alliierten in Süditalien (wieder eine Ikone: der amerikanische Soldat, der sich tief hinunterbeugt, um vom sizilianischen Bauern eine Richtungsanzeige zu bekommen) und hielt den D-Day in der Normandie fest. Er dokumentierte die Befreiung von Paris, die letzten Kriegswochen in Deutschland. 1947 gründete er mit Kollegen die legendäre Fotoagentur Magnum in Paris.

Für die amerikanische Journalistin Kati Marton, selbst ungarischer Abstammung, zählt Capa, neben Koestler, Teller, Szilard, von Neumann, Curtiz, Korda, Wigner und dem Fotokollegen Kertész, zu den "neun ungarischen Juden, die die Welt veränderten" (The Great Escape, 2006). Nach dem Krieg arbeitete er auch für Hollywood und an Porträts von Prominenten, doch von seiner frühen Berufung konnte er nicht lassen. Während einer Kriegsreportage im damals noch französischen Indochina starb er, als er auf eine Landmine trat.  (Michael Freund, DER STANDARD, 20.2.2013)

Robert Capa: China 1938, Leica-Galerie Wien, bis 13. April

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Leicastore Wien

  • Einwohner rudern Soldaten durch überschwemmtes Gebiet, Zhengzhou, 1938.
    foto: fotosammlung westlicht, wien

    Einwohner rudern Soldaten durch überschwemmtes Gebiet, Zhengzhou, 1938.

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