Die Fledermäuse und der "Disco-Effekt"

19. Februar 2013, 19:21
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Die Flattertiere passen ihre Ultraschalllaute blitzschnell den Geräuschen ihrer Umgebung an, um sie zu übertönen - Damit können die Tiere das Echo optimal aus dem Lärm heraushören

Man kennt das Phänomen von Vögeln, Säugetieren und auch von Menschen: Um uns in einer lauten Umgebung zu verständigen, reden wir - etwa in einer Disco - automatisch lauter, und unsere Stimme wird höher. Denn durch die höhere Stimmlage wird man vom Gesprächspartner trotz der Nebengeräusche besser wahrgenommen.

"Diesen Effekt macht man sich zum Beispiel für Hörtests bei Kleinkindern zunutze", sagt der Tübinger Neurobiologe Steffen Hage. Wenn ihre Stimme in einer lauteren Umgebung höher werde, sei das Gehör in Ordnung. Doch wie genau dieser sogenannte Lombard-Effekt ausgelöst wird, ist noch nicht geklärt.

Modelltier für die Akustiker

Steffen Hage und sein Team von der Universität Tübingen haben deshalb drei Große Hufeisennasen - eine verhältnismäßig kleine, in Europa und Nordafrika beheimatete Fledermausart - ganz unterschiedlichen Geräuschen ausgesetzt und erfassten, wie sich die Laute der Tiere daraufhin veränderten. "Die Fledermaus ist hierfür als Modelltier besonders geeignet, da ihr Hörbereich einen großen Frequenzbereich umfasst", sagte Hage.

Insgesamt untersuchten die Forscher 83.000 Ultraschalllaute. Dabei habe sich gezeigt, dass die Tiere so schnell auf veränderte Umgebungsgeräusche reagieren, dass diese Reaktion unmöglich bewusst gesteuert sein könne, berichten Hage und sein Team im Fachblatt "PNAS".

Wenn etwa Regentropfen auf dem Boden aufprallen, ändern die Tiere sofort den Frequenzbereich ihrer Laute, sodass sie das Echo wieder optimal aus dem Lärm heraushören können. Doch die Mechanismen hinter diesem Effekt sind offensichtlich noch deutlich komplizierter als gedacht.

Außerdem fanden die Wissenschafter heraus, dass die Tiere die Lautstärke und die Höhe der Töne unabhängig voneinander verändern können. Bisher seien Wissenschafter davon ausgegangen, dass beides parallel abläuft. Offensichtlich gibt es also eine direkte Verbindung zwischen den neuronalen Systemen, die für das Hören und für die Erzeugung von Stimmen zuständig sind.

Medizinische Relevanz

Zwar sei es bei den Fledermaus-Untersuchungen bisher nur um Grundlagenforschung gegangen, sagt Hage. Er ist aber optimistisch, dass die Ergebnisse seines Teams eines Tages auch für die Medizin wichtig werden könnten. "Sprachstörungen etwa bei Parkinson oder beim Stottern sind nichts anderes als Probleme in diesem audiovokalen Mechanismus. Deshalb ist es wichtig, diese Mechanismen gut zu verstehen." (tasch, APA, DER STANDARD, 20.01.2013)

  • Orientierungshilfe im Dschungel der Laute und Frequenzen: Große Hufeisennasen können die Lautstärke und die Höhe ihrer Töne unabhängig voneinander verändern.
    foto: w. metzner

    Orientierungshilfe im Dschungel der Laute und Frequenzen: Große Hufeisennasen können die Lautstärke und die Höhe ihrer Töne unabhängig voneinander verändern.

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