Australien: Spekulationen über Comeback von Ex-Premier Rudd

19. Februar 2013, 19:22
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Die Tage der ersten australischen Regierungschefin scheinen gezählt: In den Umfragen ist die Labor-Partei abgerutscht. Als Retter wird ihr Vorgänger und Erzfeind Kevin Rudd gehandelt

Julia Gillard, die erste weibliche Premierministerin Australiens, gehört zu den unbeliebtesten Regierungschefs in der Geschichte des Landes. Das bestätigen neueste Meinungsumfragen. Die konservative Oppositionskoalition steht in der Wählergunst zwar schon länger an der Spitze. Zum ersten Mal aber zeigte sich diese Woche, dass der Souverän lieber Oppositionsführer Tony Abbott als Premier haben würde als die 51-jährige Ex-Gewerkschaftsjuristin.

Abbott und Gillard hegen tiefe Abscheu füreinander. Sie teilen aber eines: Als Persönlichkeiten sind sie bei den Wählern unbeliebt. Bisher war Abbott jedoch noch unpopulärer als Gillard. Das hat sich nun geändert - und die Labor-Partei ist in Panik.

Mit Gillard an der Spitze würde die Regierungspartei bei den Wahlen am 14. September nicht nur garantiert verlieren, sondern sogar in katastrophalem Ausmaß. Einige - vorerst noch anonyme - Stimmen in Labor-Kreisen meinen, ein "Putsch" gegen die Premierministerin und Parteivorsitzende sei nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen. Ihr Vorgänger Kevin Rudd streitet bisher ab, er habe Ambitionen für das höchste Amt. Viele Beobachter glauben aber, dass er einen Anlauf vorbereitet.

Eine Wiedereinsetzung Rudds als Parteichef und damit Premier wäre für alle Beteiligten eine spektakuläre Wende. Gillard - einst seine vermeintlich loyale Stellvertreterin - hatte im Juni 2010 völlig überraschend den amtierenden Rudd abgelöst. Zuvor hatte er in Umfragen stark an Beliebtheit verloren. Grund war eine aggressive Kampagne der Rohstoffindustrie gegen ihn. Rudd hatte die Einführung einer Steuer auf hohe Gewinne aus der Ausbeutung von Ressourcen geplant. Damit sollte die australische Öffentlichkeit stärker vom größten Rohstoffboom der Geschichte profitieren können.

Kaum im Amt einigte sich Gillard mit Unternehmen wie BHP Billiton, Rio Tinto und Xstrata auf eine Miniaturversion der Steuer. Rudd wurde Außenminister in der Gillard-Regierung. Doch seit seiner Abwahl zeigen Umfragen, dass er unter den Wählern nicht nur Favorit als Premier wäre, sondern dass Labor mit ihm an der Spitze die Konservativen vielleicht besiegen könnte. Derzeit würden 61 Prozent der Befragten Rudd als Premierminister bevorzugen, nur 36 Prozent Gillard. Vor einem Jahr forderte Rudd die Amtsinhaberin heraus, wurde aber von der Labor-Hierarchie abgeschmettert. Er trat als Außenministers zurück und war seither gewöhnlicher Parlamentarier.

Gillard leidet seit 2010 unter dem Vorwurf, sie sei Rudd in den Rücken gefallen. Außerdem wird sie von der Opposition als "Lügnerin" bezeichnet, weil sie entgegen vorherigen Aussagen eine Klimasteuer eingeführt hatte.

Seit den Wahlen 2010 regiert Gillard mit einer hauchdünnen Mehrheit. Sie schaffte es, mehrere wichtige Gesetze durchs Parlament zu bringen. Gillard verlor jedoch auch auf der linken Seite Unterstützung; nicht nur wegen des Einknickens vor der Rohstoffindustrie. Selbst frühere Anhänger glauben, dass Gillard schlicht keine Vision für das Land hat. (Urs Wälterlin aus Canberra, DER STANDARD, 20.2.2013)

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    Der australische Ex-Premier Rudd (re.) mit seiner Rivalin Gillard. Die Regierungschefin ist äußerst unbeliebt, in der Labor-Partei herrscht Panik.

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