Lufthauch verrät die Fliege: Spinne fängt ihre Beute blind aus der Luft

  • Ein Weibchen der Spinnenart Cupiennius salei hat eine Heuschrecke erbeutet. Wie Wiener Forscher nun nachweisen konnten, reicht der Spinne ein leiser Lufthauch, um genau zu wissen, wo sie hinspringen muss.
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    foto: friedrich barth

    Ein Weibchen der Spinnenart Cupiennius salei hat eine Heuschrecke erbeutet. Wie Wiener Forscher nun nachweisen konnten, reicht der Spinne ein leiser Lufthauch, um genau zu wissen, wo sie hinspringen muss.

Allein die Luftwirbel sagen Cupiennius salei, wie sie erfolgreich springen muss, damit sie ihre anfliegende Mahlzeit erwischt

Wien - Die südamerikanische Spinne Cupiennius salei ist eine äußerst geschickte Jägerin. Sie sitzt nächtens ruhig auf einem Blatt und wartet, bis geeignetes Futter im Anflug ist. Sobald sie eine Fliege über ihr spürt, springt sie in die Luft, um sie zu erwischen. Dies kann sie blind und ohne sie zu hören, fanden Wiener Forscher heraus. Bloß die von der Beute verursachten Luftwirbel reichen aus, dass die Spinne ihre Position erkennen und sie mit einem Satz fangen kann. Sie spürt sogar den Luftzug, wenn sich eine Fliege nähert, und bereitet sich daraufhin auf den Sprung vor, berichten die Wissenschafter im Journal "Interface" der Royal Society.

Bereits im Vorjahr beschrieben die Forscher um Christian Klopsch, der an der Universität Wien (Department für Neurobiologie) und der Technischen Universität (TU) Wien (Institut für Strömungsmechanik und Wärmeübertragung) forscht, den Luftstrom, den Spinnen von einem vorbeifliegenden Insekt wahrnehmen können. Dazu besitzen sie Tastsinnesorgane an den Beinen, und zwar kleine Härchen (Trichobothrien). Art und Frequenz der Luftströmungen unterscheiden sich je nachdem, ob das Opfer im Anflug, über der Spinne oder schon vorbei ist, berichteten sie.

Nun untersuchten sie mit einem speziell konstruierten, rotierenden Zylinder, der die gleichen Luftströme wie Schmeißfliegen verursacht, wie eine Spinne auf An- und Überflug des Opfers reagiert und ob sie den Überflieger auch sehen und hören muss, um ihn aus der Luft zu fangen.

Änderung im Luftzug gibt Signal zum Absprung

Imitierte der Zylinder sowohl An- als auch Überflug der Schmeißfliegen, richteten sich die Spinnen zunächst mit kleinen Bewegungen nach dem Ziel aus und sprangen dann genau so häufig, wie bei echten Fliegen. Weil der Zylinder größer war als eine gemeine Fliege, erwischten sie ihn sogar öfter. Verhinderte allerdings eine Abdeckung über dem rotierenden Zylinder die für den Überflug typischen Luftbewegungen, machten sich die Spinnen zwar bereit, verweigerten aber den Sprung. Dies zeige, dass eine Änderung des Lufthauchs das Signal zum Absprung sei, so die Forscher. Bei jedem erfolgreichen Fang befand sich das Opfer immer genau über den untersten Gliedern der Spinnenbeine, schrieben sie.

Außerdem fanden die Forscher heraus, dass sich die Spinnen tatsächlich bloß an dem Luftzug orientieren. Sie konnten die Fliegen auch mit verdeckten Augen fangen und richteten sich offensichtlich auch nicht nach deren Gebrumme: "Der springende Punkt in diesen Untersuchungen ist, dass zum Zeitpunkt, wo die Spinne springt, die akustischen Reize noch unter der wahrnehmbaren Schwelle sind", erklärte Klopsch.

Die Forscher untersuchten auch die Vibrationen, die eine vorbeibrummende Fliege auf Blätter überträgt, und kamen zu dem Schluss, dass sie zu schwach sind, um von einer darauf sitzendenden Spinne wahrgenommen zu werden. Selbst wenn die Spinnen auf einer 20 Kilogramm schweren Eisenplatte lauerten, die garantiert von keinem Gebrumme einer noch so fetten Schmeißfliege zum Schwingen gebracht wird, sprangen sie genau so oft und fingen sie die Fliegen genau so gut wie von einem Blatt, so Klopsch. (APA/red, derStandard.at, 24.2.2013)

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