Deutsche KatholikInnen fortschrittlicher als ihre Führung

19. Februar 2013, 17:28
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Große Mehrheit äußert sich gegen das Zölibat und für Priesterinnen

Berlin/Vatikanstadt - Fundamentale Positionen der katholischen Kirche wie der Zölibat und das Priesteramt nur für Männer werden von einer großen Mehrheit der KatholikInnen in Deutschland abgelehnt. Das geht aus dem vom ZDF am Dienstag veröffentlichten Politbarometer "Extra" hervor. Mit ihrer Meinung stehen die Laien damit Andersgläubigen und Nichtgläubigen näher als ihrer Kirchenführung. Die Bischofskonferenz beriet derweil über den ersten eucharistischen Kongress.

Über 80 Prozent für Aufhebung des Zölibats

Das ZDF veröffentlichte das Politbarometer parallel zu der seit Montag in Trier tagenden Frühjahrsvollversammlung der der deutschen Bischofskonferenz. Der repräsentativen Umfrage zufolge sind 84 Prozent der deutschen KatholikInnen dafür, dass Priester heiraten dürfen. 75 Prozent wünschen sich demnach eine Öffnung des Priesteramtes auch für Frauen. Die Einstellung der Katholiken unterscheidet sich damit nur unwesentlich von der Gesamtbevölkerung: Hier wollen 88 Prozent eine Abschaffung des Zölibats, das Priesteramt für Frauen befürworten 83 Prozent.

Geschiedene sollen wieder heiraten dürfen

Die KatholikInnen in Deutschland vertreten auch in anderen Fragen eine ähnliche Haltung wie die anders- oder nichtgläubige Gesamtbevölkerung und unterscheiden sich damit von den Positionen ihrer Kirche. So sind von allen Befragten 81 Prozent und von den KatholikInnen 79 Prozent dafür, dass Geschiedene ein weiteres Mal kirchlich heiraten dürfen. Die katholische Kirche lehnt nicht nur dies ab, sie schließt auch standesamtlich Wiederverheiratete von der Kommunion aus. Nach der kirchlichen Lehre darf eine Ehe nicht geschieden werden.

Das Problem der Wiederverheirateten spielt auch im Zusammenhang mit dem im Juni in Köln stattfindenden eucharistischen Kongress eine Rolle. Bei dieser Veranstaltung soll die Eucharistie, wie die Kommunion als zentraler Bestandteil katholischer Gottesdienste auch bezeichnet wird, im Mittelpunkt stehen.

Aufarbeitung der Missbrauchsfälle aufgekündigt

Die katholische Kirche steht seit Jahresbeginn erneut in Kritik, weil sie bei der Aufarbeitung ihres Missbrauchskandals die Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Institut gekündigt hatte. Außerdem hatte in Köln ein Fall für Aufsehen gesorgt, bei der zwei katholische Krankenhäuser einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer die "Pille danach" verweigert hatten. (APA, 19.2.2013)

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