Wer früh arm ist, bleibt arm dran

19. Februar 2013, 17:30
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Kinder, die in Österreich in eine arme Familie geboren werden, haben kaum Chancen auf sozialen Aufstieg - Experten kritisieren mangelnde Bildungsgerechtigkeit

In Österreich leben rund 50.000 Kinder und Jugendliche unter der Armutsgrenze, 200.000 wohnen in feuchten und schimmligen Wohnungen. Das sind die aktuellen Angaben der österreichischen Armutskonferenz. Die Organisation verweist auf Studien, wonach arme Kinder aufgrund mangelnder sozialer Ressourcen fast überall im Leben länger warten müssen - außer beim Tod: Denn Kinder aus der ärmsten Schicht sterben hierzulande im Schnitt sieben Jahre früher als Kinder aus den reichsten Haushalten.

Arme Eltern, schlechte Chancen

Anlässlich des Welttages der Sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar macht die Volkshilfe auf den engen Zusammenhang zwischen Bildungschancen und sozialer Herkunft in Österreich aufmerksam. In Österreich gelte immer noch: Wer arme Eltern hat, hat schlechtere Chancen in der Schule. "Eine gute Ausbildung ist ein wesentlicher Faktor zur Vermeidung von Armut", so Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer in einer Aussendung am Dienstag. "Kinder von armen Eltern dürfen nicht die armen Erwachsenen von morgen werden."

Österreich ist Schlusslicht

Immer wieder bestätigen Studien, dass Österreich in Sachen Bildungsgerechtigkeit zu den europäischen Schlusslichtern zählt. Konkret: In Österreich ist es schwerer als in anderen Ländern, seiner sozialen Schicht mittels Bildung zu "entkommen" und etwa als Sprössling einer armen Familie den sozialen Aufstieg zu schaffen. Erst im Jänner belegte der Nationale Bildungsbericht, wie eng die Bildung der Eltern und die Schulwahl der Kinder hierzulande zusammenhängen: So haben 70 Prozent der Eltern von Kindern in der AHS selbst mindestens Matura.

Bei den Eltern von Kindern in Haupt- oder Neuen Mittelschulen trifft das nur auf 30 bis 35 Prozent zu. Außerdem besuchen Kinder, deren Eltern eine mittlere oder höhere Tätigkeit ausüben, weitaus öfter im Alter von 17 Jahren eine höhere Schule. Bei Kindern von Eltern mit angelernten oder Hilfsberufen ist das signifikant seltener der Fall.

Bleiben, was man ist

Erst vor einer Woche zeigte eine Spezialauswertung der PISA-Studie - derStandard.at hat berichtet -, dass die Wahl der Bildung und damit die Chance auf sozialen Aufstieg in Österreich besonders stark von der sozialen Herkunft bestimmt wird: Weniger Bildungsgerechtigkeit herrscht europaweit nur in Ungarn, Belgien und Luxemburg. (red, derStandard.at, 19.2.2013)

  • Arme Kinder leben im Schnitt sieben Jahre kürzer als Kinder aus reicheren Familien - auch in Österreich.

    Arme Kinder leben im Schnitt sieben Jahre kürzer als Kinder aus reicheren Familien - auch in Österreich.

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