Das Unternehmen als Stolperstein

19. Februar 2013, 16:51
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Rund zwei Drittel der berufstätigen Frauen wollen aufsteigen. Ausgerechnet den eigenen Arbeitgeber sehen sie als stärkste Karriere-Bremse

Die Mehrheit der berufstätigen Frauen ist an einer beruflichen Karriere interessiert, doch firmeninterne Strukturen hindern sie daran. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Online-Befragung unter berufstätigen Frauen aus dem Hause "gdi-consulting".

Die Beraterfirma hat die Antworten von insgesamt 149 Frauen aus Österreich ausgewertet. Dabei zeigte sich als zentrales Ergebnis, dass gut zwei Drittel der Frauen (58 Prozent) eine höhere berufliche Position anstreben, als sie bereits haben. Das restliche Drittel war zum Zeitpunkt der Befragung nicht an einem (weiteren) beruflichen Aufstieg interessiert.

Firmeninterne Schranken hindern am Aufstieg

Die karriere-bereiten Frauen wurden auch nach den Gründen für den nicht entsprechenden Aufstieg befragt. Dabei gaben 57 Prozent an, dass sie sich durch firmeninterne Schranken behindert sehen. Entweder mangele es an adäquaten Positionen im gleichen Unternehmen oder die Art der Einstufung lasse einen Aufstieg nicht zu, meinten die Frauen.

Mangelndes Selbstvertrauen

21,6 Prozent machten auch mangelndes eigenes Selbstvertrauen verantwortlich und weitere 21,6 Prozent gaben familiäre oder auch private Gründe (wie eine  Ausbildung) an, warum sie nicht den gewünschten beruflichen Aufstieg erfahren.

Die Ergebnisse zeigen, dass in Sachen beruflicher Selbstverwirklichung von Frauen nach wie vor eine Kluft besteht zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Studienautorin Gerhild Deutinger wünscht sich eine Haltungsänderung gegenüber Frauen vor allem in den Firmen, aber auch gesamtgesellschaftlich.

Knackpunkt Firmenkultur

Die Genderexpertin ist sich sicher, dass spezielle betriebliche Maßnahmen zur Frauenförderung nur dann zum Ziel führen, wenn sich auch die Firmenkultur ändert. "Es bringt wenig, wenn Schulungen in Firmen angeboten werden, aber die Teilnahme daran anschließend belächelt wird", so Deutinger. Sie empfiehlt den Firmen "mehr mit den Frauen und weniger für sie zu machen".

Position der Befragten

Befragt wurde auch die aktuelle berufliche Position der Frauen. Die Mehrheit der Befragten (56,4 Prozent) gehörte dem mittleren Management an, 11,4 Prozent kamen aus dem Topmanagement, 26,2 Prozent hatten keine Leitungsfunktion inne und 5,4 Prozent waren selbstständig tätig.

Die meisten Befragten arbeiteten bei Unternehmen mit über 100 MitarbeiterInnen (zwei Drittel), etwa 20 Prozent bei KMUs (zwischen 11 und 100 MitarbeiterInnen) und etwa zehn Prozent bei Kleinstunternehmen (bis zu zehn MitarbeiterInnen) oder selbstständig. (red, dieStandard.at, 19.2.2013)

  • Die besten Frauenförderprogramme helfen nichts, wenn die Firmenkultur dafür noch nicht bereit ist.
 
    foto: istockphoto.com/diego cervo

    Die besten Frauenförderprogramme helfen nichts, wenn die Firmenkultur dafür noch nicht bereit ist.

     

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