Auf den Zehen stehen

19. Februar 2013, 17:47
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Die Companie Bewegungsmelder zeigt Extrakte einer Geschichte des Ausdruckstanzes von 1900 bis zum Gangnam Style

Feldkirch/Dornbirn - In dieser Tanzstunde werden keine Kalorien verbraucht: einfach zurücklehnen und staunen, wie die Companie Bewegungsmelder die jüngsten hundert Jahre Tanzgeschichte zum Leben erweckt. Fans heißt die Produktion, und als Fans outen sich die drei Tanzprofis, wenn sie Meilensteine des zeitgenössischen Tanzes in Extrakten präsentieren.

Die Führung übernimmt, wie im klassischen Paartanz, der Herr. Romeo Meyer erzählt als Lockerungsübung eine exemplarische Wahrnehmung gegenwärtigen Tanzens, macht ein bisschen auf Moonwalk, Voguing, Gangnam Style. Tanz ab 1900 wird dann mit bedeutenden Gestalten erläutert, auf Leinwand mit Lebensdaten sowie Bildern zum Zeitgeschehen.

Packend wird die Geschichte, wenn die Tänzerinnen aktiv werden. Eine eindrucksvolle Ahnung des Skandals von Nijinskys Faun-Choreografie (1912) vermittelt Aleksandra Vohl. Getanzten Pazifismus praktiziert Der Grüne Tisch von Kurt Joos (1932). Aleatorik erfährt eine kleine Zuschauerin: Sie würfelt für Merce Cunninghams Split Sides.

Spaßig ist Meyers Darstellung von Martha Graham: "Imitation is Quatch!", predigt er als Königin des Modern Dance. Eine weitere Legende, der ambivalent gehuldigt wird, ist Pina Bausch.

Das letzte Drittel des Abends nimmt’s persönlich. Radikal verwandelt sich Pascale Staudenbauer in Self Unfinished von Xavier le Roy: Ein dekonstruierter Körper bewegt sich als Vierfüßler. Ballett und Alltagsgestik verschmelzen bei Mats Ek: Claudia Grava bangt, drängt, zürnt. In ein markiges Standbild mündet eine Szene aus Wim Van dekeybus‘ Orpheus-Stück Blush: Pose wie fürs Familienfoto, alle geschniegelt und gestriegelt.

Zuvor aber, während drei Akteure (inklusive Romeo Meyer) sich adjustieren, treten sie der auf dem Boden sich windenden Aleksandra Vohl immer wieder auf Finger und Füße. Dass das junge Publikum hier mit dem Sound von Wovenhand Bekanntschaft macht wie zuvor mit Musik von Claude Debussy, John Cage und Arvo Pärt, auch das ist eine nicht hoch genug zu rühmende Komponente dieses Projekts von Natalie Begle und Aleksandra Vohl. (Petra Nachbaur, DER STANDARD, 20.2.2013)

23. 2., 19.30 Uhr, Kulturhaus Dornbirn

  • Durch hundert Jahre Tanzgeschichte mit der Companie Bewegungsmelder. 
    foto: anja köhler

    Durch hundert Jahre Tanzgeschichte mit der Companie Bewegungsmelder. 

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