Trenkwalder nach Amazon unter Beschuss

19. Februar 2013, 14:38
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In Deutschland läuft die Politik seit Tagen in Sachen Amazon Sturm, in Österreich richtet sich die Kritik an Trenkwalder. Der Personaldienstleister schweigt

Onlineversandhändler Amazon kommt nicht aus den Schlagzeilen. Ausbeutung und Schikane der ausländischen Saisonarbeiter lauteten die in einer ARD-Dokumentation erhobenen Vorwürfe. Für die Rekrutierung der (schlecht bezahlten) Leiharbeiter war die deutsche Tochter des österreichischen Personaldienstleisters Trenkwalder zuständig. Dazu kamen angeblich eigens engagierte Sicherheitsmitarbeiter aus dem rechtsextremen Milieu.

Erste Konsequenzen: Dem Sicherheitsdienst wurde gekündigt. Auch jene Firma, die unter anderem für die Unterbringung der in der Weihnachtszeit eingesetzten Zeitarbeiter verantwortlich ist, ist mittlerweile verabschiedet. "Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte verantwortlich war, zu gewährleisten", teilte Amazon am späten Montagabend mit.

Deutsche Politik läuft Sturm

In Deutschland läuft die Politik seit Tagen in Sachen Amazon Sturm. Auch die Behörden wurden aktiv. Die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat vergangene Woche sogar eine Sonderprüfung gegen Trenkwalder eingeleitet und dem Unternehmen mit Lizenzentzug gedroht.

Heute forderte auch die nordrhein-westfälische Landesregierung Konsequenzen. Thema ist die seit jeher umstrittene Leiharbeit. "Wir wollen erreichen, dass die Leiharbeit neu reguliert wird", sagte der Arbeitsminister der Landesregierung, Guntram Schneider (SPD). Es müsse der Grundsatz "gleiches Geld für gleiche Arbeit" gelten. "Wir wollen den Niedriglohnsektor eindämmen und einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn einführen", so Schneider weiter. So lasse sich Lohndumping konsequent bekämpfen.

Gewerkschaften fordern Aufklärung

In Österreich ruft das Thema die Gewerkschaften auf den Plan. PRO-GE und GPA-djp forderten am Dienstag von Trenkwalder Aufklärung. Bislang ließ die Firma mehrfache Anfragen unbeantwortet. Inakzeptabel, wie die Gewerkschaft befindet: "Die konkreten Vorwürfe sind so drastisch und schwerwiegend, dass ein Unternehmen, das laut Eigendefinition sehr stark das Prinzip der sozialen Verantwortung in den Mittelpunkt stellt, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann, auch wenn es sich um Vorfälle in Deutschland handelt", so PRO-GE-Sekretär Peter Schleinbach und Karl Proyer von der GPA-djp unisono. Österreichische Unternehmen sollten ein Interesse daran haben, dass gute Arbeitsbedingungen und Mindeststandards von ihren (Partner-)Unternehmen auch im Ausland eingehalten werden, lautet der Tenor.

In Österreich wären "derartige Praktiken" kaum möglich, betonten die Arbeitnehmervertreter. Grund seien die besseren gesetzlichen und kollektivvertraglichen Bestimmungen bei der Arbeitskräfteüberlassung. (red, derStandard.at, 19.2.2013)

Das Unternehmen Trenkwalder wurde von Richard Trenkwalder gegründet und ist mittlerweile mehrheitlich im Eigentum der deutschen Droege-Gruppe.

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    Trenkwalder gestaltet (laut Homepage) mit innovativen Dienstleistungen maßgebend die Arbeitmärkte Zentraleuropas. Der Nachsatz - zum Vorteil aller Beteiligten - klingt derzeit etwas skurrill.

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