Cloud statt Einzellizenz: "Microsoft möchte, dass Kunden Office 365 nutzen"

20. Februar 2013, 17:12
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Support-Mitarbeiter: Bei Rechnerwechsel ist der Neukauf von Office 2013 notwendig

In den USA können die Lizenzen für OEM-seitig vorinstallierte Versionen von Office 2013 nicht übertragen werden – weder auf andere Geräte, noch auf andere Nutzer. Die Rechtslage in Europa, insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist jedoch ein andere, wie auch Microsoft Österreich betont. Hier herrscht aktuell Unklarheit, was mit OEM-Software passieren wird. Das Problem für die Kunden ist mit Office 2013 jedoch das Gleiche.

Office 2013: Keine übertragbaren Lizenzen

Seit rund 15 Jahren gibt es für den DACH-Raum für lokal installierte Microsoft-Software unterschiedliche EULAs (Lizenzvereinbarungen). Wer bislang einen Rechner mit vorinstallierter Office erworben hat, erhielt beim Kauf der Vollversion als Privatkunde dazu einen Lizenzschlüssel, mit dem sich die Suite – jeweils mit 90-tägigem Abstand – auf einem anderen Gerät installieren und verwenden ließ. Die Lizenz war also übertragbar.

Nicht so bei Office 2013, wo Microsoft nur noch auf an das Gerät gebundene PKC-Lizenzen zurückgreift – sowohl bei vorinstallierten OEM-Versionen, als auch bei einem separat erworbenen Paket.

Prüfung läuft

Laut Microsoft Österreich wird gerade geprüft, inwieweit die aktuelle Gesetzeslage, basierend auf dem Erschöpfungsgrundsatz, greift.

Der Erschöpfungsgrundsatz besagt zumindest für datenträgerbasierte Software, die also etwa auf CDs oder DVDs in Umlauf kommt, dass das alleinige Distributionsrecht für den Verkäufer beziehungsweise Hersteller nach dem ersten Verkauf erlischt. Wichtig ist dies etwa für den Software-Gebrauchtmarkt.

Bisherige Urteile, etwa des EuGh oder von deutschen Gerichten, sprachen sich überwiegend für die Gültigkeit des Erschöpfungsgrundsatzes und damit auch ein Weiterverkaufsrecht auch für rein digital in Umlauf gebrachte Software aus. Im Fokus standen dabei oft Volumed Lizenzen, die Bedeutung für private Endkunden wird noch diskutiert, eine definitive Entscheidung steht noch aus. Microsoft Österreich betont, dass man bis zu einer endgültigen Klärung der Rechtslage selbstverständlich der aktuellen Gesetzgebung Genüge tun möchte.

Support: Office-Neukauf bei Rechnerwechsel nötig

Ein anonymer Testanruf beim Support legte offen, dass die aktuelle Handhabe bei Office 2013 keineswegs kundenfreundlich ist. "Es handelt sich um eine Einzelplatz-Lizenz, die nach der Installation nur auf dem Installationsrechner verwendet werden kann und nicht übertragbar ist", so der Mitarbeiter des Kundendienstes.

Im hypothetischen Falle, dass ein Nutzer einen neuen Laptop erwirbt, dafür ein Office 2013-Paket anschafft und dieses auf einem anderen Notebook weiterverwenden will, weil der zuvor gekaufte Rechner wegen eines Defektes ersetzt wurde, müsste tatsächlich erneut für eine Lizenz bezahlt werden, erläuterte er. Das gilt auch bei einem Geräteneukauf abseits eines Defektes. Lediglich beim Tausch einzelner Hardwarekomponenten würde man aus Kulanzgründen den Lizenzschlüssel wieder für eine Installation freischalten.

Microsoft will Kunden in die Cloud bewegen

Der Mitarbeiter erklärte zudem unverblümt, dass dies in den EULA so festgelegt wurde, weil "Microsoft möchte, dass die Kunden auf Office 365 umsteigen". Denn dieses ist nicht mit einer Einmalzahlung beglichen, sondern wird faktisch gemietet.

Hier erhält man als Nutzer des Home-Premium-Nutzer-Paketes fünf Installationslizenzen für Office 2013, die jederzeit auf den jeweiligen Geräten aktiviert und deaktiviert werden können. Zusätzlich gibt es Zugriff auf die Cloud-Version der wichtigsten Office-Programme und zusätzlichen Skydrive-Speicher. Dafür entrichtet der Nutzer periodische Zahlungen für die Nutzung, was langfristig teurer kommen kann, als der Kauf einer Einzelplatz-Ausgabe.

Andere Handhabe in Deutschland

Wie Golem herausfand, wird dies bei Microsoft Deutschland offenbar anders gehandhabt. Hier wird ein Schlüssel nach einem Anruf bei der Microsoft-Hotline üblicherweise jedesmal freigeschalten – ein gangbarer Umweg, wenngleich er OEM-Nutzern nicht offensteht.

Zumindest dort weiß man noch nicht von einem Fall, in dem die Reaktivierung des Keys nicht durchgeführt worden wäre. Die Verweigerung jeglichen Kommentars Seitens der Konzernzentrale in Redmond hatte entsprechendes Medienecho und kritische Reaktionen vieler Nutzer nach sich gezogen. (Georg Pichler, derStandard.at, 20.02.2013)

  • Office: Microsoft verschärft die Bedingungen für reine Einzelplatzversionen, um Kunden zu einem Umstieg in die Cloud zu bewegen.
    foto: microsoft

    Office: Microsoft verschärft die Bedingungen für reine Einzelplatzversionen, um Kunden zu einem Umstieg in die Cloud zu bewegen.

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