Hohe Promi-Quote: Regierung bestellte neue Uni-Räte

19. Februar 2013, 13:16
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Töchterle kann sich Änderung bei Bestellmodus vorstellen - Gesamte Frauenquote bei rund 55 Prozent

Wien - Die Regierung hat am Dienstag 57 neue Universitätsräte bestellt - und das eventuell zum letzten Mal. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) hält es nämlich für "durchaus vorstellbar", dass die Räte künftig nicht von der Politik bestimmt werden, "sondern sich zumindest teilweise aus sich selbst heraus erneuern können", so der Minister in einer Aussendung. Derzeit werden die Räte größtenteils von den Uni-Senaten und der Regierung bestellt. Bei den diesjährigen Nominierungen setzte die Regierung vor allem aus Vertreter von Wissenschaft, Kultur und Banken - aber auch Erfahrung in Politik, Interessenvertretungen und staatsnahen Unternehmen schadete nicht.

Im Wintersemester 2012/13 wurden die Universitätsräte an allen Unis neu bestellt: Erst wählten die Senate der Unis ihre Kandidaten für die Posten aus. Anschließend war die Regierung (auf Vorschlag des Wissenschaftsministers) am Zug. Amtsantritt der für fünf Jahre bestellten neuen Räte ist am 1. März. Dann müssen alle bestellten Uni-Räte einer Hochschule noch autonom ein weiteres Mitglied bestimmen. Insgesamt wird es dann 135 Uni-Räte (exklusive Donau-Uni Krems) geben.

Prominente Namen

Unter den Räten finden sich zahlreiche prominente Namen: Polit-Erfahrung bringen unter anderem Ex-Wissenschaftsminister Erhard Busek (V; Medizin-Uni Wien) und die Kärntner Ex-SP-Chefin Gabriele Schaunig-Kandut (Uni Klagenfurt) mit, an der Uni Wien können Ex-Wirtschaftsminister Johannes Ditz (V) und der ehemalige Kabinettschef von Alfred Gusenbauer (S), Verfassungsrichter Johannes Schnizer, einschlägige Erfahrungen austauschen.

Bankenszene

Ein sozialpartnerschaftliches Wiedersehen gibt es an der Technischen Universität (TU) Wien für Arbeiterkammer (AK)-Präsident Herbert Tumpel und Ex-Industriellenvereinigungs-Chef Veit Sorger, aktuelle und ehemalige AK-Vertreter sitzen mit Silvia Angelo und Johanna Ettl auch in den Räten der Wirtschaftsuniversität (WU) und der Medizin-Uni Innsbruck. Gut vertreten ist auch die Bankenszene, neben Ditz (heute Hypo-Alpe-Adria-Aufsichtsratschef) etwa mit Martin Hauer, Michaela Keplinger-Mitterlehner (Universität für Bodenkultur bzw. Kunstuni Linz; beide Raiffeisen) und Thomas Uher (WU; Erste Bank) bzw. Ex-EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell, die als Rätin von der Uni Wien an die Montanuni Leoben wechselte.

Linz: Viele Mediziner

Als Omen könnte man die Rats-Nominierungen an der Uni Linz werten: Mit dem Humangenetiker Markus Hengstschläger, der Leiterin der Landesnervenklinik Wagner Jauregg, Gabriele Sachs, und der Gebietskrankenkassen-Direktorin Andrea Wesenauer stammen gleich drei der vier von der Regierung nominierten Räte aus dem Medizin-Bereich. In Linz wird derzeit die Einrichtung einer Medizin-Fakultät diskutiert.

Kein Problem war die bei der letzten Bestellungsrunde 2008 umstrittene Frauenquote. 26 Frauen-Bestellungen der Senate und 37 der Regierung ergaben einen Frauenanteil von rund 55 Prozent bei den Räten. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Quote von 40 Prozent in jedem Uni-Rat - auch diese wurde an allen Hochschulen erfüllt.

Universitätsgesetz

Das Bestellungsprozedere des Unirats ist im UG geregelt: Demnach kann jeder Senat zwei, drei oder vier Personen in den Uni-Rat entsenden, die Regierung nominiert dazu pro Uni eine gleich große Anzahl an Mitgliedern. Alle Rats-Mitglieder einer Uni küren dann zusammen noch eine weitere Person - insgesamt sitzen am Ende also fünf, sieben oder neun Personen im Universitätsrat. Nicht bestellt werden dürfen Mitglieder der Bundesregierung oder einer Landesregierung, Mitglieder des Nationalrats, des Bundesrats oder eines sonstigen allgemeinen Vertretungskörpers und Funktionäre einer politischen Partei bzw. Personen, die eine dieser Funktionen in den letzten vier Jahren ausgeübt haben. Ebenfalls nicht berufen werden dürfen Angehörige der betreffenden Universität bzw. Mitarbeiter des Wissenschaftsministeriums.

Der Universitätsrat ist in etwa mit dem Aufsichtsrat eines Unternehmens vergleichbar. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählen die Wahl des Rektors aus einem Dreiervorschlag des Senats, die Genehmigung von Entwicklungsplan, Organisationsplan und Leistungsvereinbarungs-Entwurf der Uni sowie die Zustimmung zum Budgetvoranschlag des Rektorats. (APA, 19.2.2013)

Uni-Räte für die Funktionsperiode 2013-2018

Von den Senaten bestellte Mitglieder sind in Normalschrift, von der Regierung bestellte in BLOCKBUCHSTABEN festgehalten.

Jeder Senat kann zwei, drei oder vier Personen in den Uni-Rat entsenden, die Regierung nominiert dazu pro Uni eine gleich große Anzahl an Rats-Mitgliedern. Alle Rats-Mitglieder einer Uni küren dann zusammen noch eine weitere Person (in der folgenden Liste noch nicht enthalten, Anm.) - insgesamt sitzen am Ende also fünf, sieben oder neun Leute im Universitätsrat.

UNI WIEN: Marlis Dürkop-Leptihn , Horst Dreier, Wilfried Van Gunsteren, Ursula Lehmkuhl, EVA NOWOTNY, JOHANNES SCHNIZER, ANNELIESE STOKLASKA, JOHANNES DITZ

UNI INNSBRUCK: Oswald Mayr, Luise Müller, Christian Smekal, EVA KREISKY, PETER GRÖBNER, HENRIETTA EGERTH-STADLHUBER

UNI GRAZ: Anna Badora, Helga Kromp-Kolb, Othmar Ederer, Gerhart Holzinger, HELENE SCHUBERTH, WALTRAUD SCHINKO-NEUROTH, WINFRIED PINGGERA, ULRIKE MOSER

UNI LINZ: Julius Stieber, Günter Rübig, Josef Falkinger, Katharina Lehmayer, MARKUS HENGSTSCHLÄGER, GABRIELE SACHS, EVA BELABED, ANDREA WESENAUER

UNI KLAGENFURT: Robert Rebhahn, Kristina Reiss, Sigrid Wadauer, GABRIELE SCHAUNIG-KANDUT, SIEGFRIED SPANZ, MARIANNE KAGER

UNI SALZBURG: Barbara Blaha, Rita Franceschini, Helmut Schmidt, KLAUS PSEINER, GORDANA POPOVIC, HANS MOSER

MEDUNI GRAZ: Reinhard Krepler, Joseph Marko, Hans Sünkel, HILDEGUNDE PIZA, CATTINA MARIA LEITNER, MICHAELA MORITZ

MEDUNI WIEN: Walter Dorner, Veronika Sexl, ELISABETH HAGEN, ERHARD BUSEK

MEDUNI INNSBRUCK: Bernd-Christian Funk, Reinhard Putz, Christa Fonatsch, JOHANNES MICHAEL RAINER, VERA PURTSCHER, JOHANNA ETTL

WU: Brigitte Jilka, Stephan Koren, SILVIA ANGELO, THOMAS UHER

TU WIEN: Gabriele Zuna-Kratky, Peter Schuster, Monika Fehrer, SABINE HERLITSCHKA, HERBERT TUMPEL, VEIT SORGER

TU GRAZ: Hanspeter Mössenböck, Manfred Gaulhofer, Karin Schaupp, GABRIELE AMBROS, GABRIELE KRENN, ANTON PLIMON

MONTANUNI LEOBEN: Waltraut Klasnic, Peter Skalicky, GERTRUDE TUMPEL-GUGERELL, LEOPOLD GARTLER

BOKU: Hartmut Kahlert, Norbert Roszenich, Claudia Lingner, THERESIA VOGEL, MARTIN HAUER, EVA-MARIA KERN

VETERINÄRMEDIZINISCHE UNIVERSITÄT WIEN: Claudia Reusch, Peter Swetly, JOHANNES KHINAST, EDELTRAUD STIFTINGER

MUSIKUNI WIEN: Angelika Kirchschlager, Stefan Zapotocky, HAIDE TENNER, VERONIKA KAUP-HASLER

KUNSTUNI GRAZ: Anneliese Legat, Harald Neuwirth, UTE RIEDLER-LINDTHALER, ERWIN ORTNER

MOZARTEUM SALZBURG: Nike Wagner, Robert Meyer, INGRID MOSER, VIKTORIA KICKINGER

UNIVERSITÄT FÜR ANGEWANDTE KUNST: Thomas Jakoubek, Ingrid Reder, MONIKA KNOFLER, HANNAH RIEGER

AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE: Karin Gmeiner, Matthias Herrmann, ALFRED BROGYANYI, INGRIED BRUGGER

KUNSTUNI LINZ: Marie-Luise Angerer, Romana Staufer-Hutter, Meinhart Lukas, EVA SCHLEGEL, MICHAELA KEPLINGER-MITTERLEHNER, EDUARD SAXINGER

  • Erhard Busek.
    foto: dapd/strauss

    Erhard Busek.

  • Gabriele Schaunig-Kandut.
    foto: standard/corn

    Gabriele Schaunig-Kandut.

  • Markus Hengstschläger.
    foto: standard/hendrich

    Markus Hengstschläger.

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