Was Brot von der Dauerwelle unterscheidet

25. Februar 2013, 10:04
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Wie sich unser Alltag verändert, zeigt der Warenkorb. Das Brot ist ein fester Bestandteil, die Mode dagegen ändert sich

Der Brotkonsum hat sich seit den 1960er Jahren fast halbiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Dennoch kaufen die Menschen mehr Brot als etwa Autos oder Blockflöten. In den Warenkorb gehören diese aber auch, genauso wie die Kartoffeln, das Geodreieck, die Kontaktlinsen und die Zentralheizung. Und natürlich das Brot.

Realitätscheck im Fünf-Jahres-Rhythmus

Alle fünf Jahre überprüft die Statistik Austria, ob es die Waren auf dem Markt überhaupt noch gibt. Was nicht mehr verwendet wird, wird gestrichen, Neues kommt dazu. Der Index soll aktuell sein. Schließlich ist diese Produktansammlung ja die Grundlage für die Berechnung des Verbraucherpreisindex und damit ausschlaggebend für die Inflationsrate.

Das Schreiben von Postkarten hat seit den 1960ern also sichtlich stärker abgenommen als das Heiraten. Der letzte statistische Gruß aus dem Inland wurde 2010 aufgegeben, der Ehering dagegen ist immer noch im Sortiment. Mit dem Taschenkamm verhübscht man sich schon seit 1976 nicht mehr, das Kölnischwasser ist seither ebenfalls Geschichte. Es wurde vom "Eau de Toilette" abgelöst. Die Duftnoten wurden vielfältiger.

Gewichtung der Waren

Derzeit beinhaltet der durchschnittliche österreichische Einkauf 791 Waren. Im Jahr 1966 ist der Warenkorb mit 582 Produkten und Dienstleistungen gefüllt worden. Auch die Sparte "Brot- und Getreideerzeugnisse" ist seither stark gewachsen. Mittlerweile kann man seinen Alltag eben auf mehrere Weisen gebacken kriegen als früher.

Wie die meisten anderen Produkte ist das Weißbrot statistisch aber genauso erhalten geblieben wie die Haselnussschnitte. Auch sie war schon vor einem halben Jahrhundert Mainstream. Ersatzlos gestrichen haben die Statistiker dagegen das Importschmalz oder auch die Spalterbsen.

Neu eingeordnet und gewichtet wurde aber so einiges. Mit der Gewichtung bringen die Statistiker die Produkte in ein realistisches Verhältnis. Zwischen 2005 und 2010 gab es den größten Austieg im Bereich der Restaurants und Hotels. Laut Statistik Austria ist das vor allem darauf zurückzuführen, dass der private Konsum in Cafés deutlich zugenommen hat.

Geschmack und technische Entwicklung

Und dann gibt es in diesem Korb noch Produkte, die man als Zeiterscheinung bezeichnen könnte: 1976 zum Beispiel wurde die Mozartkugel in den Rang einer statistisch relevanten Größe erhoben, 1986 verschwand sie auch schon wieder. Im Jahr 2000 dazugekommen sind unter anderem das Kebab und das Essen auf Rädern. Das Essen in asiatischen Restaurants scheint seit 2010 auf. Statistische Geschmackssache also.

Apropos Geschmack: Auch der Kaffee wird nicht mehr getrunken wie anno dazumal. 2010 lösten Automaten den Kaffeefilter – immerhin seit den 1970ern fester Bestandteil des Warenkorbes – ab. Auch der Farbnegativfilm wurde in diesem Jahr gestrichen. Digitalkameras liegen seit 2000 im Korb. Nicht immer hängt eine Revision der Produkte aber allein von Geschmack oder technischer Entwicklung ab: Seit der Revision 1996 etwa gibt es den Posten "Autobahnmautgebühr", seit 1997 gibt es die Vignette.

Kein Halt vor der Mode

Auch vor der Mode machen die Statistiker nicht Halt: 2010 hielt eine feste Größe dem Realitätscheck nicht mehr stand. Nach über 50 Jahren Präsenz auf vielen Köpfen wurde die Dauerwelle (glatt-)gestrichen. Das Backpulver hebt sich seither ebenfalls ab vom Durchschnitt. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Wer heute eine Dauerwelle trägt, ist nicht mehr Mainstream, schaut aber dennoch nicht verboten aus. Und wenn es mit dem Brotbacken besonders schnell gehen soll, kann man immer noch Backpulver verwenden. Statt Hefe. Als Triebmittel, nicht als Preistreiber. (Text: Elisabeth Parteli, Grafik: Florian Gossy, derStandard.at, 25.2.2013)

Wissen

In Österreich wird der Warenkorb für den Verbraucherpreisindex von der Statistik Austria erstellt. Zwischen 1966 bis 1996 wurde er im Zehn-Jahres-Rhythmus aktualisiert. Aufgrund von Eurostat-Vorgaben wird er seither alle fünf Jahre angepasst. Für die Produkte, die sich im Warenkorb befinden, werden monatlich in 20 Städten in ganz Österreich rund 39.500 Preise erhoben. Die nächste Aktualisierung des Index wird es 2015 geben.

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    Dieses Archivbild von 1923 zeigt das Abwiegen der Geldscheinen. In dieser Zeit wurden die ersten Brotpreise in Zeitungen veröffentlicht.

  • Seither haben sich die Bäcker viele neue Kreationen einfallen lassen. Im Bild: Ein Brot in Krokodilform beim Brotfest in Gdansk im Jahr 2001.
    foto: epa/stefan kraszewski

    Seither haben sich die Bäcker viele neue Kreationen einfallen lassen. Im Bild: Ein Brot in Krokodilform beim Brotfest in Gdansk im Jahr 2001.

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    Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Im Warenkorb der Statistiker liegt auch alles, was "man" sonst zum Leben braucht.

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    Die Dauerwelle hat dem Realitätscheck im Jahr 2010 nicht mehr standgehalten. Wer sie vermisst, kann sie aber im Museum besuchen, in Todtnau in Baden Württemberg.

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