Pferdefleisch aus dem Reisekatalog

20. Februar 2013, 16:53
2 Postings

Es ist schlichtweg Betrug, falsche Versprechungen zu machen. Die Verantwortung wird gern auf den "Geiz ist geil"-Konsumenten abgewälzt

Alle sind in heller Aufruhr. Pferdefleisch in Fertiggerichten und Schweinfleisch im Kebab verderben ganz Europa den Appetit. Umgehend kommen die mahnenden Worte: "Was nichts kost', ist auch nichts wert! Selber schuld, Geiz-ist-geil-Konsument!"

Mogelpackungen finden auch Urlauber, die versuchen, bei der Schnäppchenjagd Geld zu sparen. Da kann es schon passieren, dass im Hotel der Putz noch nicht an den Wänden ist, der Pool mehr Klär- als Planschbecken ist und das Meer nur eine stinkende, gesundheitsgefährdende Kloake.

Ob die Schuld daran den Konsumenten trifft, der versucht, mit seinem eingeschränkten Budget das Bestmögliche aus dem Angebot herauszufischen, sei dahingestellt. Zumindest das Versprochene muss eingehalten werden. Dass die Werbung gerne übertreibt, weiß man. Kein Mensch glaubt ernsthaft, dass ein Duschbad ausreicht, um sich vom grauen Entlein in den unwiderstehlichen Liebhaber zu verwandeln.

Wenn aber im Reisekatalog steht, dass das Hotel strandnah liegt, und die Wirklichkeit zeigt, dass der Strand zwei Kilometer entfernt ist, dann ist das schlichtweg Betrug. Wenn Buchungsportale die Preise nicht transparent angeben und gefälschte Hotelbewertungen als Lockmittel eingesetzt werden, sind wir genau dort, wo Tortellini mit Pferd gefüllt werden.

Wenn es dazu kommt, Verantwortung für Betrügereien zu übernehmen, wird diese gerne in letzter Instanz auf den "eigenverantwortlichen Konsumenten" abgewälzt, der doch die Wahl hat, Qualität zu kaufen oder nicht. Der Konsument und seine Macht kommen immer erst dann zur Sprache, wenn der Wagen schon im Dreck steckt. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 20.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mit blumigen Worten und maßloser Übertreibung lassen sich Kunden ködern. Wenn der Skandal publik wird, wird die Verantwortung gerne auf den "eigenverantwortlichen Konsumenten" abgewälzt.

Share if you care.