Neuer Kernel: Linux 3.8 verabschiedet sich von 386er-Prozessor

19. Februar 2013, 09:48
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Deutliche Fortschritte für Nvidia-Grafikchips, erste Unterstützung für Intel-Haswell-GPUs

Rund 10 Wochen nach der Freigabe des Linux Kernel 3.7 gibt es nun bereits wieder eine neue Version des wohl meist genutzten Open-Source-Projekts unserer Zeit. Und wie gewohnt, zeigt die Software weiter eine rasante Entwicklungsgeschwindigkeit, Linux 3.8 bringt also wieder eine Fülle von Neuerungen

Sag zum Abschied...

Zunächst gibt es aber mal einen Abschied zu berichten: Mit Kernel 3.8 wird nämlich die veraltete 386er-Architektur nicht länger unterstützt. Die Argumente dafür sind einleuchtend: Entsprechende Prozessoren werden schon lange nicht mehr gebaut, gleichzeitig behindert der 386er-Support immer wieder aktuelle Umbauten, vor allem im Bereich des Mehrprozessor-Supports.

...leise: Gut so.

Und doch hat diese Änderung eine gewisse historische Komponente: Wurden die ersten Versionen von Linux doch auf einem 386er entwickelt. Linus Torvalds selbst kann mit solch sentimentale Anwandlungen allerdings wenig anfangen, wie er mein: Er sei schlicht froh, dass der Code, der der aktuellen Entwicklung schon mehrmals im Weg gestanden sei, nun endlich weg sei, so der Linux-"Erfinder".

Samsung

Neu hinzugekommen ist hingegen die Unterstützung für den von Samsung produzierten Exynos 5440-Prozessor mit ARM Cortex A15-Architektur, der als guter Kandidat für das kommende Galaxy S4 gelten darf.  Apropos Samsung: In Fragen Dateisystemen ist mit F2fs eine ganz neue Lösung hinzugekommen, die vor allem für den Einsatz auf Flash-Speichern ausgelegt ist - und von dem südkoreanischen Konzern beigetragen wurde. F2fs ist vor allem für Speicherkarten in mobilen Geräten oder USB-Sticks ausgelegt, und verzichtet dabei bewusst auf einige Funktionen klassischer Dateisysteme, um eine bessere Performance zu erreichen. So gibt es hier etwa keine Defragmentierungsfunktionen, da diese bei Flash-Speichern mit ihren typischerweise sehr niedrigen Zugriffszeiten keine sonderlich wichtige Rolle spielt.

Speed

Aber auch bei anderen Dateisystemen hat sich etwas getan: Btrfs bekommt eine Replace-Funktion, womit vor allem der Datentransfer zwischen zwei Laufwerken beschleunigt werden soll - was sich etwa bei deren Austausch auf einem Server positiv bemerkbar machen sollte. Und ext4 gibt sich nun platzsparender bei kleinen Dateien - und beschleunigt im selben Zug noch den Zugriff auf diese.

Nouveau

Einen besonderen Meilenstein haben die EntwicklerInnen des freien Nvidia-Grafiktreibers Nouveau erreicht: So wird mit Linux 3.8 nun von Haus aus die 3D-Beschleunigung bei allen Geforce-Grafikchips unterstützt. Bei Intel beschäftigt man sich hingegen bereits mit der Zukunft, der Kernel 3.8 bringt den Support für die On-Chip-Grafik der Haswell-CPUs, die überhaupt erst in den kommenden Monaten auf den Markt kommen sollen.

Balancenuma

Natürlich gab es auch wieder den einen oder anderen Umbau an der zentralen Infrastruktur des Kernels, für Multi-Prozessor-Systeme besonders interessant: Dank Balancenuma kann der Kernel nun RAM und einzelne CPU fix aneinander binden, woraus eine gesteigerte Performance resultieren sollte.

Download

Kernel 3.8 steht wie gewohnt in Form des Source-Codes von der Seite des Projekts zum Download. Mit der Veröffentlichung wird wie gewohnt auch der Startschuss für das rund zweiwöchige Fenster zur Aufnahme neuer Funktionen gegeben, aus dem dann nach einer ausführlichen Stabilisierungsphase Ende April der Kernel 3.9 resultieren sollte. (apo, derStandard.at, 19.02.13)

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    grafik: linux
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