Rebellen planen islamischen Staat in Syrien

18. Februar 2013, 20:01
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In einigen Gebieten bereits Sharia-Gerichte installiert - Russland schickte Hilfsgüter in Bürgerkriegsland

Damaskus - Die islamistische Al-Nusra-Front gehört zu den militärisch erfolgreichsten Rebellenbrigaden in Syrien. Doch viele Syrer haben Angst vor den Plänen der bärtigen Kämpfer für die Zeit nach dem Sturz von Präsident Bashar al-Assad. Ein Sprecher des politischen Arms der Bewegung, Salim Sabagh, erklärte in der Nacht zum Montag in einem Gespräch mit Bürgerjournalisten in der Stadt Aleppo: "Unser Ziel ist die Gründung eines islamischen Staates in Syrien, der auf dem Prinzip der Beratung ("Shura") gründet." Wahlen seien in diesem islamischen Herrschaftssystem nicht vorgesehen.

Auf die Frage, welche Rechte in diesem Staat die religiösen Minderheiten hätten, vor allem die Christen und Drusen, antwortete er ausweichend. Dagegen steht für ihn fest, dass die ausländischen Kämpfer, die mit der Front kämpfen, nach dem Ende des Bürgerkrieges nicht das Land verlassen müssen. Er sagte: "Sie sind keine Ausländer, denn sie sind Muslime. Deshalb haben sie das Recht, in jedem islamischen Land zu leben."

Sharia eingeführt

In einigen "befreiten Gebieten" habe die Al-Nusra-Front bereits Gerichte eingerichtet, die auf Grundlage des islamischen Rechts ("Sharia") urteilten. Dies sei von der Bevölkerung positiv aufgenommen worden.

Die Al-Nusra-Front war zuletzt für ihre Rolle bei den Kämpfen in der Kleinstadt Ras al-Ain an der Grenze zur Türkei kritisiert worden. Dort kämpfen mehrere arabische Rebellenbrigaden gegen kurdische Milizen. Offiziere der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee (FSA) in Ras al-Ain unterzeichneten jetzt eine Waffenstillstandsvereinbarung mit den Kurden. Ob diese Vereinbarung von allen arabischen Brigaden in der Stadt anerkannt wird, ist jedoch noch nicht klar. Die USA hatten die Al-Nusra-Front (Jabhat al-Nusra) bereits im Dezember 2012 auf ihre Liste von Terrororganisationen gesetzt.

Bei Gefechten seien am Montag in Syrien 29 Menschen ums Leben gekommen. Der von der Nationalen Syrischen Koalition als Botschafter nach Paris entsandte Oppositionelle Mundher Machus sagte, niemand sei so recht auf den Vorschlag der Opposition für einen Dialog mit dem Regime eingegangen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Russland zwei Flugzeuge mit 46 Tonnen Hilfsgütern nach Syrien schickt. Die Maschinen würden unter anderem Zelte, Stromgeneratoren und elf Tonnen Lebensmittel in die Hafenstadt Latakia im Nordwesten Syriens bringen, sagte eine Sprecherin des russischen Katastrophenschutzministeriums am Montag der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Die Flugzeuge würden Bürger Russlands und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit zurücknehmen, wenn diese das wollten, sagte die Sprecherin. (APA, 18.2.2013)

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