"Bürgerrevolution" in Ecuador geht weiter

18. Februar 2013, 18:38
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Linkspopulistischer Präsident Rafael Correa mit großem Vorsprung wiedergewählt

Quito/Puebla - Die offiziellen Ergebnisse lagen noch nicht vor, da feierte Ecuadors Präsident Rafael Correa am Sonntagabend schon seine Wiederwahl. Er dankte auf dem Balkon des Präsidentenpalastes in der Hauptstadt Quito seinen Wählern und versprach, die Armut weiterhin zu bekämpfen. "Die Bürgerrevolution ist unaufhaltsam!" rief der 49-jährige Ökonom und widmete seinen Sieg dem krebskranken venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.

Laut Ergebnissen vom Montag erhielt Correa 56,8 Prozent der Stimmen. Er lag damit rund 30 Prozentpunkte vor dem rechten Bankier und Opus-Dei-Anhänger Guillermo Lasso, der seine Niederlage bereits eingeräumt hat. Seine Partei werde nun als Wächterin der Demokratie fungieren, so Lasso. Die Opposition wirft Correa einen selbstherrlichen Regierungsstil vor, der sich von rechtsstaatlichen Prinzipien entferne.

Bei den zeitgleich stattfindenden Parlamentswahlen lag Correas Alianza País ebenfalls voran. Unklar war am Montag noch, ob es zur absoluten Mehrheit reichen würde.

"Geldgeile Oligarchen"

Eine Splittergruppe unter Correas früherem Verbündeten Alberto Acosta erreichte nur drei Prozent. Acosta wirft Correa vor, statt auf Bürgerbeteiligung auf Autoritarismus zu setzen.

Ähnlich wie Hugo Chávez, der in der Nacht zum Montag von seiner Behandlung auf Kuba nach Venezuela zurückgekehrt ist, regiert Correa mit Charisma, Petrodollars und Polarisierung. Bürgerliche Kritiker nennt er Putschisten und "geldgeile Oligarchen". Bei der Bevölkerung ist seine Sozialpolitik populär. In den vergangenen Jahren hat er zahlreiche Programme für Benachteiligte aufgelegt und in Infrastruktur investiert.

Für Aufsehen sorgte im Juni 2012 seine Entscheidung, dem Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, in Ecuadors Botschaft in London Zuflucht vor einem schwedischen Haftbefehl zu gewähren. Für Assange, der sich seither dort aufhält, forderte Correa in der Wahlnacht eine "schnelle Lösung". (Sandra Weiss, DER STANDARD, 19.2.2013)

  • Rafael Correa: Sieg Hugo Chávez gewidmet.
    foto: ap photo/dolores ochoa

    Rafael Correa: Sieg Hugo Chávez gewidmet.

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