Pro Kronzeugenregelung: Effektives Werkzeug

Kommentar18. Februar 2013, 18:36
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Ermittler sollen mit effektiven Werkzeugen ausgestattet werden und möglichst viele Verbrechen aufklären

Selbstverständlich ist die Kronzeugenregelung nicht gerecht. Das Gerechtigkeitsempfinden wird immer verletzt, wenn Kriminelle de facto ungeschoren davonkommen, obwohl die Justiz über deren Vergehen genauestens Bescheid weiß. Eine ethische Diskussion über das Gerechtigkeitsempfinden greift in diesem Fall aber zu kurz. Absolute Gerechtigkeit gibt es nicht. Es wird sie nie geben, und es kann sie auch gar nicht geben.

Worum es geht, ist, die Ermittler mit effektiven Werkzeugen auszustatten und möglichst viele Verbrechen aufzuklären. Dabei kann die Kronzeugenregelung helfen. Mit ihr ist es möglich, Delikte aufzudecken, die sonst im Verborgenen bleiben würden. Wer selbst Dreck am Stecken hat, wird nur dann an Aufklärung interessiert sein, wenn er daraus einen Vorteil erzielt. Bestehende Hürden sollten sogar abgebaut werden. Wer jetzt auspackt, hat zwar die Chance, strafrechtlich nicht belangt zu werden. Vor zivilrechtlichen Schadenersatzklagen - deren Basis man selbst erst geschaffen hat - ist man aber nicht geschützt.

Die Regelung hat also ihre Berechtigung. Für die Wirksamkeit sorgt schon der Faktor Angst. Wer befürchtet, von einem Mittäter belastet zu werden, wird in Erwägung ziehen, selbst zum Staatsanwalt zu gehen. Nach dem Motto: Wer weiß, ob der Staatsanwalt sonst nicht zu mir kommt.

All das mag nicht zu 100 Prozent befriedigend sein. Die Kronzeugenregelung ist aber das kleinere Übel. (Günther Oswald, DER STANDARD, 19.2.2013)

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