410 Milliarden Dollar für Rüstungsdeals weltweit

18. Februar 2013, 18:26
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Am Sonntag wurde in Abu Dhabi eine der größten Rüstungsmessen weltweit eröffnet, gleichzeitig gab das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri seinen Branchenbericht vor. Das erstaunliche Ergebnis: Erstmals seit 15 Jahren sanken die Erlöse.

Abu Dhabi / Stockholm - In Fünferformation donnerten Kampfjets vergangene Woche über Abu Dhabi. Helikopter kreisten über dem Emirat am Golf, und riesige Transportmaschinen schwebten zwischen Rauchsäulen ein, die Bombeneinschläge simulieren sollten. Es waren die Generalproben für die Waffenmesse Idex, die diesen Sonntag eröffnet wurde. Drohnen, Kampfpanzer, Kampfschiffe oder Militärjets - dort wird alles ausgestellt, was in diesem Geschäft gut und teuer ist.

Quasi zeitgerecht veröffentlichte das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri einen Bericht über die Lage der internationalen Rüstungsindustrie. Und diese verschlechterte sich erstmals seit 15 Jahren: Wegen der Staatsschuldenkrisen vor allem in Europa mussten die 100 größten Konzerne der Verteidigungsbranche einen ungewohnten Umsatzrückgang hinnehmen. Die Erlöse sanken demnach um fünf Prozent auf 410 Milliarden Dollar. Davor waren sie zuletzt Mitte der 1990er-Jahre, nach dem Ende des Kalten Krieges, geschrumpft, wie Sipri-Expertin Susan Jackson erläuterte. Als Gründe nannte das Institut zum einen den Sparkurs vieler Regierungen, zum anderen den Truppenabzug aus dem Irak und aus Afghanistan.

Lockheed Martin

Bereits 2010 hatte sich der Umsatzanstieg verlangsamt. Die Erlöse der Waffenschmieden lagen um mehr als die Hälfte über dem Niveau von 2002. Rüstungsfirmen hinken dem Konjunkturzyklus hinterher, weil viele Waffen lange Lieferfristen haben.

Größter Rüstungskonzern war 2011 wie schon im Jahr zuvor das US-Unternehmen Lockheed Martin, gefolgt von Boeing und der britischen BAE Systems. Der größte deutsche Rüstungskonzern, Rheinmetall, verbesserte sich auf den 26. Platz, ThyssenKrupp steht an 49. Stelle, Kraus-Maffei Wegmann ist Nummer 54 und Diehl Nummer 60. Chinesische Unternehmen sind mangels zugänglicher Informationen nicht in der Aufstellung enthalten.

Angesichts der Kürzungen im Wehretat vieler Länder verlagerten viele Rüstungsunternehmen sich zunehmend auf die IT-Sicherheit, weil hier die Ausgaben stabil blieben, stellten die Sipri-Experten fest. Dabei geht es darum, Computer und Netzwerke vor Angriffen zu schützen.

Wachstum bei Cybersecurity

"Die Diversifizierung in Richtung Cybersicherheit versetzt die Waffenproduzenten in die Lage, ihren Kundenstock zu verbreitern und auch Regierungsagenturen sowie private Betreiber kritischer Infrastrukturen zu erreichen. Gleichzeitig können sie ihre Kompetenzen in der elektronischen Kriegsführung erweitern", heißt es in dem Bericht.

Zwischen 2002 und 2011 wuchsen die Waffenverkäufe der größten 100 Unternehmen um insgesamt 51 Prozent. Der Bericht des schwedischen Instituts, aufgeschlüsselt nach Exporteuren und Importeuren, kommt im März heraus. Bei den Top fünf der Empfängerländer (siehe Grafik) zeichnete sich zuletzt eine starke Konzentration des Geschäfts auf Asien ab. Bei den Rüstungsausgaben von Staaten nach BIP gerechnet zeigt sich auch ein großer relativer Anteil in der Golfregion - in Saudi-Arabien und eben auch in den Vereinigten Emiraten. (pra, DER STANDARD, 19.2.2013)

  • Die neueste Generation der US-Kampfjets im Einsatz: eine F-35 beim Bombenabwurf.
    foto: reuters/andy wolfe/lockheed martin/handout

    Die neueste Generation der US-Kampfjets im Einsatz: eine F-35 beim Bombenabwurf.

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