Mowgli kämpft gegen einen Glam-Punk

18. Februar 2013, 17:36
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"Das Dschungelbuch" im Theater der Jugend

Wien - Die Geschichte von Mowgli hat die Kindheit vieler Menschen bereichert: Der Bub wächst unter Tieren auf, muss schließlich aber sein Wolfsrudel verlassen, weil er ein Mensch werden soll. Zwar ist der Klassiker von Rudyard Kipling wegen der unkritischen Haltung des Autors zum Imperialismus nicht unumstritten. Dennoch verbindet er eine spannende Geschichte mit einer Fülle luzider Gedanken zum Dasein.

Im Theater der Jugend verknüpft Regisseur Henry Mason die moderne Lebenswelt mit der Geschichte von Mowglis Kampf gegen den Tiger Shere Khan. Das Bühnenbild von Michaela Mandel nimmt mit seinen schiefen Plattformen Anleihen bei dem Computerspielklassiker Donkey Kong.

Die Kostüme (Anna Katharina Jaritz) sind originell: Das Wolfsrudel wird durch Nummern-Trikots als Team ausgewiesen. Christian Graf überzeugt als metrosexueller Bagheera. Bei Tiger Shere Khan und dessen rechter Hand Tabaqui fragt man sich jedoch, ob die Insignien des (Glam-)Punks wirklich zeitgemäß sind für eine Darstellung des Bösen. Ein wenig schmerzt die klischeehafte Inszenierung der Pythonschlange Kaa. Ist ihre Erotik im Original nur implizit, so tritt sie hier klar hervor: Irena Flury vollführt im langen grünen Glitzerkleid paradiesische Zeitlupentänze. Ja eh.

Gerade durch die Verweise auf die Gegenwart wird das Schwarz-Weiß-Malen problematisch. Es ist dann doch befremdlich, wenn die Identifikationsfigur am Ende auf dem Mantel seines getöteten Gegners steht und recht ungebrochen erklärt: "Sein Fell liegt unter mir, und ich bin glücklich!"

Manche Stellen des Originals hat Bühnenautor Stuart Paterson dafür besonders schön akzentuiert: Etwa wenn Benjamin Levent Krause als sympathischer Mowgli hin- und hergerissen ist zwischen der Verführungskraft der anarchischen Affenbande und dem Wunsch nach Regeln. Die Inszenierung ist kurzweilig, das junge (und begeisterte) Publikum freute sich über Verfolgungsjagden und witzige Dialoge. Es sollte allerdings nicht darauf verzichten, das Original zu lesen. (Roman Gerold, DER STANDARD, 19.2.2013) 

Bis 17.3.

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