Verdis "Simon Boccanegra"

18. Februar 2013, 18:01
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Plácido Domingo ist wieder einmal in Wien zu erleben

Blitzende Fotohandys, stehender Beifall, Bravorufe in Bierzeltlautstärke: Plácido Domingo ist mal wieder an der Wiener Staatsoper zu erleben. Der spätberufene Bariton präsentierte einen Simon Boccanegra mit Intensität, souveräner Bühnenpräsenz und tenoralem Timbre - wobei anfänglich eine leichte Rauheit an den Rändern Sorgen machte. Mit Maija Kovalevska hatte Domingo als Amelia ein Persönchen an seiner Seite, das sich keck ins Bühnengeschehen einzubringen wusste. Die Zurückhaltung einer Miriam Gauci, die vollendeten Pianissimi einer Barbara Frittoli sind Kovalevskas Sache nicht, die lettische Sopranistin lebt und liebt direkt, gibt Boccanegras Tochter eine vitale dienstmädchenhafte Note. Kovalevska wechselt ihre Stimmfarbe oft und gibt meist einem dramatisch-herben Sound den Vorzug gegenüber dem makelloser Reinheit. Ein wundervoller Gabriele Adorno war Roberto De Biasio bei seinem Debüt an der Wiener Staatsoper; mit lyrischer Strahlkraft erfüllte er die Partie, die er auch schon an der Met gesungen hat. Ein singender Bausparvertrag - Michele Pertusi als Fiesco: Der Zins, den sein Stimmkapital abwirft, ist vor allem in der Tiefe von überhörbarer Größe. Gut, Ferruccio Furlanetto hat einen im vergangenen Jahrzehnt hier sehr verwöhnt. Im Zorn mächtig: Marco Caria als Paolo. Im Vergleich mit Vorgängern wie Daniele Gatti oder Fabio Luisi schlug sich Evelino Pidò gut: großgestisch, etwas grenzhektisch, ein Piet Klocke des Orchestergrabens. Die Unternehmung hatte Schwung und Niveau, was auch den der philharmonischen Welttournee ferngebliebenen Mitgliedern des Staatsopernorchesters zu verdanken war. (end, DER STANDARD, 19.2.2013)

21., 24., 28. Februar, 19.00

  • Wieder mal in Wien: Plácido Domingo.
    foto: michael poehn

    Wieder mal in Wien: Plácido Domingo.

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