Funde zeigen: Schon vor dem Ende der Eiszeit ging man angeln

  • Dieser in Wustermark gefundene Angelhaken besteht aus 19.000 Jahre altem Mammut-Elfenbein - gefunden und verarbeitet wurde das Rohmaterial etwa 7.000 Jahre später.
    foto: robert sommer

    Dieser in Wustermark gefundene Angelhaken besteht aus 19.000 Jahre altem Mammut-Elfenbein - gefunden und verarbeitet wurde das Rohmaterial etwa 7.000 Jahre später.

Von der Rentierjagd zum Hechtfang: Paläolithische Angelhaken ermöglichen Blick zurück in eine Wendezeit

Kiel - "Wer bisher annahm, dass die Jägerkulturen der ausgehenden Eiszeit ausschließlich mit Harpunen oder Speeren Jagd auf Großtiere wie Rentiere oder Pferde machten, wird eines besseren belehrt – sie angelten nämlich auch schon Hecht." So fasst Robert Sommer vom Kieler Institut für Natur- und Ressourcenschutz die Ergebnisse von Untersuchungen an über 12.000 Jahre alte archäologische Funden aus dem Norden Deutschlands zusammen, wie die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berichtet.

Der Haken

Ende der 1990er Jahre wurden bei einer Ausgrabung in der Gemeinde Wustermark in Brandenburg verschiedene altseinzeitliche Objekte gefunden. Darunter waren auch sechs Angelhaken, für die zur Überraschung der Forscher zumindest in einem Fall Mammut-Elfenbein statt Knochenmaterial verwendet worden war. "Bisher glaubte man, dass die Angelhaken als Werkzeug zum Fischfang eine typische technische Errungenschaft der Mittleren Steinzeit waren – die Existenz der Funde aus Brandenburg sind jedoch ein Hinweis dafür, dass das Angeln seine Wurzeln schon in der Späten Altsteinzeit hat", sagt der Potsdamer Archäologe Bernhard Gramsch.

"Wir können im Fall des Angelhakens aus Mammut-Elfenbein zeigen, dass die eiszeitlichen Menschen schon einen subfossilen Rohstoff für technische Zwecke nutzten, denn das Elfenbein weist ein Radiokarbonalter von etwa 19.000 Jahren auf. Erst etwa 7.000 Jahre später wurde daraus der Angelhaken hergestellt", so Gramsch weiter.

Wendezeit

"Es ist interessant zu sehen, dass die sich ändernden Umweltbedingungen vor zirka 12.300 Jahren die Rentierjäger dazu verleitet haben, schon vor dem Ende der Eiszeit ans Angeln zu denken", ergänzt Sommer. "Aufgrund der Knochen- und Pollenfunde aus der archäologischen Siedlung wissen wir, dass die Menschen in der ausgehenden Eiszeit schon Gewässer in der Landschaft vorfanden, die eine gute Voraussetzung für das Angeln von Hechten waren. Und das betrieben sie offensichtlich auch intensiv, denn das Auffinden von gleich sechs Angelhaken und zahlreichen Knochenresten von Hechten kann kein Zufall sein."

Der einmalige Fund dokumentiert deshalb laut Sommer eine am Ende der Eiszeit erfolgte Wende im ökonomischen Verhalten des Menschen: Die zunächst hochspezialisierten Rentierjäger begannen sich neue Nahrungsquellen zu erschließen und sich so an die zunehmende Klimaveränderung anzupassen - zeitiger als bislang gedacht wurde. (red, derStandard.at, 18. 2. 2013)

 

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