Industriellenvereinigung will Naturwissenschafts-Unterricht verbessern

18. Februar 2013, 16:37
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Durchgehendes Curriculum von Volksschule bis Matura mit mehr Projektunterricht und Praktika - Soll an rund 20 Pilotschulen erprobt werden

Wien - Mit einem neuen Konzept will die Industriellenvereinigung (IV) den Unterricht in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) verbessern. Unter anderem soll ein "MINT-Curriculum NEU" von der Volksschule bis zur Matura etabliert werden, Rahmenbedingungen für mehrwöchigen Projektunterricht geschaffen und die Lehreraus- und -fortbildung verbessert werden. Das Konzept solle ab kommendem Schuljahr an rund 20 Schulen erprobt, dann evaluiert und bei Erfolg österreichweit ausgerollt werden, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer bei einer Pressekonferenz am Montag.

Weiters ist im Konzept vorgesehen, auch den Werkunterricht als MINT-Fach zu positionieren und phasenweise Team Teaching für einen intensiven Projekt- und Laborunterricht zu ermöglichen. Außerdem soll es Sondermittel zur Schaffung der nötigen Infrastruktur für praxisnahen und experimentell ausgerichteten Unterricht geben.

Experte aus Kärnten

Erarbeitet hat das Konzept Konrad Krainer, Leiter des Institutes für Unterrichts- und Schulentwicklung an der Uni Klagenfurt. Für ihn liegt das Problem derzeit beim mangelnden Interesse an den Naturwissenschaften. Aus internationalen Studien wisse man, dass die österreichischen Kinder zwar mit der Schule zufrieden seien und selten unter Schulangst leiden. Auch bei den Leistungen könne man zumindest bei den Routineaufgaben mithalten. Der Schwachpunkt sei aber das Interesse an den MINT-Fächern: "Wenn man fragt, wer will ein naturwissenschaftliches Fach studieren, liegen wir schlecht."

Als Problem sieht Krainer vor allem den Unterricht durch fachfremde Lehrer und noch nicht fertig ausgebildete Lehrkräfte, der vor allem an den Hauptschulen verbreitet sei. Außerdem fehlten auch an den Unis Lehrende zur Heranbildung von Nachwuchskräften. Der Unterricht an den Schulen erfolge daher oftmals nur rezeptiv - besser wäre es dagegen, Fach und Lernende in eine Beziehung zu bringen: "Forschendes Lernen wäre ein Ziel."

Frühförderung

Für besonders wichtig hält Krainer die Frühförderung, daher sollten auch Kindergärten einbezogen werden. Mehr Schulstunden oder neue Fächer sieht er hingegen nicht als primäres Ziel. "Mehr Stunden ist immer so eine Ho-Ruck-Forderung", so Krainer. Zunächst müsse man aber die Qualität verbessern - erst wenn das gelungen sei, könne man über die Stundenanzahl reden. "Aber allein ein Mehr an Stunden bringt nichts. Wenn der Unterricht nicht interessant ist, ist das eher kontraproduktiv."

Ein neues Schulfach "Science and Technology" ist zwar im Konzept enthalten, soll aber nur langfristig unter Einbindung von Informatik, den naturwissenschaftlichen Fächern sowie Mathe, Werken oder etwa Geografie eingeführt werden. "Genau zwei Dinge sollen jetzt einmal nicht im Vordergrund stehen - nämlich mehr Stunden und ein neues Fach", so der IV-Bildungsbereichsleiter Gerhard Riemer. Auch im bestehenden System sei durch die Verschränkung des Unterrichts bzw. mehr Projektunterricht sehr viel möglich. Vorteil: "Eine solche Neugestaltung des Unterrichts sollte kaum zu politischem Hick-Hack führen." Gleichzeitig sei das Potenzial für Verbesserungen hier gewaltig: Derzeit seien etwa 5.000 Lehrer mit MINT-Fächern befasst - es gelinge aber maximal 500 für hochwertige Informationsveranstaltungen zu gewinnen.

Finanzielle Unterstützung

Die IV will ihr Konzept an den Pilotschulen auch finanziell unterstützen. Dabei gehe es nicht um rasend große Beträge, ist Neumayer überzeugt. Pro Schule würden vermutlich 15.000 bis 30.000 Euro benötigt. (APA, 18.2.2013)

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