Instabile Türme zu Babel

18. Februar 2013, 17:47
1 Posting

Szenenfolge früher Handke-Stücke von Helmut Wiesner - Derzeit im Theatermuseum, später im Hamakom-Theater

Wien - Peter Handke hinterfragte Ende der 1960er-Jahre nicht nur herkömmliche Theaterformen, sondern lehnte den rein abbildenden Realismus auf der Bühne ab. Nur durch bedingungslose Reflexion und Bewusstmachung der Sprache könne dem falschen Bild der Wirklichkeit am Theater begegnet werden. Die frühen Stücke zeugen davon: Weissagung (1966), Kaspar (1968) und Das Mündel will Vormund sein (1969).

Im Zuge der Ausstellung Die Arbeit des Zuschauers. Peter Handke und das Theater im Theatermuseum nähern sich vier verdienstvolle Schauspieler behutsam der Sprachspiele und Sprechkritik an; sie lassen sich auf den Beat der Sprache ein. Unter der Leitung von Helmut Wiesner, der auch spielt, verbinden Gabriela Hütter, Helga Illich und Dieter Hofinger, alle ehemals Mitglieder der Gruppe 80, Ausschnitte aus den genannten Stücken zu einer Szenenfolge: Jeder Satz für die Katz.

Sie tanzen zwischen Stuhlreihen und klettern Stehleitern hinauf, die im Eroica-Saal des Palais Lobkowitz aufragen; instabile Türme zu Babel. In der Mitte befinden sich zwei Tische, einer mit Spiegelplatte, bei dem das Mündel und sein Herr Rüben hacken, doch die Schläge schneiden nur Luft: stumme Gesten der Unterdrückung und Rebellion.

Die unterschiedlichen Themen der ineinander verstrickten Stückteile, das Kontemplative, das Volksstückartige, das Klassische, werden von Harmonika (Helmut Stippich) und Gesang (Maria Stippich) stimmungsvoll begleitet. Die Musik, die das Handke'sche Schreiben grundiert, leitet nicht nur über, sie trägt zu einer Ordnungsfindung der Sprache bei. Langer Applaus! (Sebastian Gilli, DER STANDARD, 19.2.2013)

Theatermuseum: 18./19.2.; Hamakom: 26./28. 2.

  • Über die Stehleitern, die im Eroica-Saal des Palais Lobkowitz aufragen, purzeln Wörter und Sätze: "Jeder Satz für die Katz" derzeit im Theatermuseum, später im Hamakom-Theater. 
    foto: max reinhardt seminar

    Über die Stehleitern, die im Eroica-Saal des Palais Lobkowitz aufragen, purzeln Wörter und Sätze: "Jeder Satz für die Katz" derzeit im Theatermuseum, später im Hamakom-Theater. 

Share if you care.