Leichtathletik könnte Radsport folgen

18. Februar 2013, 16:59
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Doping und organisiertes Verbrechen zu stark - Neue Welt-Organisation für sportliche Integrität gefordert

Der Fall Lance Armstrong erschüttert die USA. Die Gerichtsverfahren rund um Dopingarzt Eufemia Fuentes in Spanien hält die Sportwelt in Atem. Ein australischer Bericht zum Doping im Sport brachte erschreckende Ergebnisse. Die Ermittlungen von Europol im Fußball weisen auf ein großes Problem hin. All das zeichnet ein düsteres Bild vom Kampf gegen Betrug im Sport.

Der Generalsekretär der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) David Howman fordert deshalb erneut eine neue transnationale Integritätseinheit im Sport, deren Teil WADA werden sollte.  Die Probleme von Doping, Spielmanipulationen, Wettbetrug und andere Betrugsformen bzw. die Involvierung des organisierten Verbrechens in diese Probleme seien zu groß und unter gegebenen Umständen nicht zu managen, sagt der Neuseeländer. In der vergangenen Dekade sei dermaßen viel Geld in den Sport geflossen, dass dies das organisierte Verbrechen angezogen hätte.

Verantwortliche der WADA beschuldigten zudem nationale Verbände, zu wenig gegen Doping zu unternehmen. Neue Bluttests, wie jener auf das Human Growth Hormone (HGH), würden beispielsweise viel zu selten eingesetzt. 2011 hätte nur etwa jeder vierte Dopingtest von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch gemacht. Die Agentur will außerdem die Standardstrafen für das Verpassen eines Tests von einer zweijährigen auf eine vierjährige Sperren erhöhen.

Leichtathletik in Gefahr

Besonderen Nachholbedarf im Kampf gegen verbotene Substanzen hätten Verbände von Teamsportarten, aber auch Tennis und die Leichtathletik. Manch Fußballer könne ohne einen einzigen Test durch seine Karriere gehen, meinte WADA-Präsident John Fahey. Er forderte die Verantwortlichen dazu auf, ihre Spieler regelmäßig zu testen. Im Baseball sei dies mittlerweile vier Mal pro Saison verpflichtend, diesem Beispiel sollen andere folgen.

Generalsekretär Howman sagte gegenüber dem Guardian, es sei unvermeidlich, dass auch andere Sportarten Phasen durchlaufen, wie die vergangenen Jahre im Radsport. Besonders die Leichtathletik sei damit gemeint. Eine Studie nach der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Daegu 2011 schätze, das etwa 14 Prozent der Blutproben auf  Doping hinweisen. Allgemein gehe man im Sport von einer Verbreitung von etwa 2 Prozent aus. "Fairerweise muss an sagen, der Weltleichtathletikverband (IAAF) weiß davon. Sie haben einen Doping-Pass eingeführt und wir hoffen, sie werden damit weitermachen", sagte Howman. (red, derStandard.at, 18.2.2013)

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    WADA-Generalsekretär David Howman warnt seit Jahren vor weitreichendem Betrug im Sport: "Plötzlich sagen die Leute: 'Scheisse, er hatte recht.'"

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