Horror mit Duschvorhang

18. Februar 2013, 17:55
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Das Theater an der Gumpendorfer Straße zeigt Dominic Oleys Stück "Plotting Psycho"

Wien - Genug ist genug! Amy Lee Perkins, während der Dreharbeiten zu Hitchcocks Psycho gezeugtes Gspusiresultat von Janet Leigh und Anthony Perkins und mittlerweile selbst Schauspielerin, hat es satt, sich in jedem ihrer Filme als vaterkomplexbeladenes Blondchen von einem Wunderauto aus den immer gleichen Gefahren retten zu lassen. Eine gewaltsame Flucht aus der Studiohölle erscheint ihr da als einziger Ausweg. Blöd nur, wenn sie von der nicht auszuschaltenden Stimme ihrer herrischen Mutter geradewegs in eine schräge Version des berüchtigten Bates Motel (reduziertes Bühnenbild: Alexandra Burgstaller) geführt wird.

Dort, wo der Wahnsinn in jeder Ecke lauert und der Duschvorhang bedrohlich raschelt, lässt Autor und Regisseur Dominic Oley sein Stück Plotting Psycho nach einer mit vielen Videoeinspielungen zwar effektvollen, aber auch etwas holprigen Exposition mit Vollgas den Lost Highway der ironischen Horrorklischeebetrachtungen entlangknattern. Von den Zuschauern verlangt dies eine Vorliebe für schrillen Klamauk, von den Darstellern des Wiener TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße) größte körperliche Leistungsfähigkeit. Jens Claßen und Horst Heiss geben sich unter anderem als Motelbesitzer gleichermaßen debil wie diabolisch, während Michaela Kaspar als letztlich komplett ausrastende Amy Lee Perkins Maßstäbe für den möglichen Kalorienverbrauch in 75 Minuten setzt.

Das haarsträubende Treiben wird flott gespielt und macht mitunter richtig Spaß. Bisweilen ist die Inszenierung aber auch etwas zu sehr von der eigenen Cleverness begeistert und verliert sich so im Durcheinander von Genrehommage, Kulturtheorie und Bühnenrealität. Selbst Amy Lee kann nicht anders, als das gebotene Theater explizit als postmodernes Spiel zu beschimpfen, und das trotz eines ungeheuer smarten Retters namens Maximum Powers (in anderen Zusammenhängen als Georg Schubert bekannt). Passend zum mörderischen Plot: Die größten Begeisterungsstürme des dankbaren Publikums erntete die wohl längste Sterbeszene diesseits von La Bohème. (Dorian Waller, DER STANDARD, 19.2.2013)

Bis 27.3.

www.dastag.at

  • Auf dem Lost Highway: Michaela Kaspar und Horst Heiß.
    foto: anna stöcher

    Auf dem Lost Highway: Michaela Kaspar und Horst Heiß.

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